. Abnehmen

Warum man das gefährlich Bauchfett schwer wieder los wird

Alte Menschen lagern Fett vermehrt in der Bauchgegend gegen ein. Das Bauchfett begünstigt Erkrankungen. Warum es so schwer ist, gerade dieses wieder loszuwerden, fanden Forscher der Universitäten Yale und Bonn heraus.
Bauchfett

Eine Störung des Fettwstoffwechsels sorgt dafür, dass Ältere ihr Bauchfett schwer wieder loswerden

Alte Menschen haben in der Regel mehr Fett auf den Hüften, selbst wenn sie normalgewichtig sind. Grund ist, dass bei ihnen der Fettabbau in der Bauchgegend gestört ist. Wenn ihr Körper Energie benötigt, werden die dort befindlichen Fettspeicher nur sehr unzureichend angezapft. Wissenschaftler der Universitäten Yale und Bonn haben eine mögliche Ursache dafür gefunden: Bestimmte Immunzellen behindern den Fettstoffwechsel.

Gerade das Bauchfett erhöht das Risiko für chronische Erkrankungen, heißt es in einer Pressemitteilung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. So begünstigt das so genannte viszerale Fett Bluthochdruck und Diabetes und erhöht das Risiko für Schlaganfall und Depressionen.

Im Fettgewebe sitzt eine neue Art von Makrophagen

Im Rahmen der Studie nahm die Gruppe aus Yale das Fettgewebe von Labormäusen unter die Lupe. Auch die Nager bauen im Alter Fett nur noch unzureichend ab. Als Auslöser wurde ein bestimmter Zelltyp im Bauchfett von Mäusen vermutet, eine neue Art von Makrophagen. Makrophagen sind weiße Blutkörperchen, die unter anderem bei der Vernichtung von Krankheitserregern eine wichtige Rolle spielen.

Die US-Forscher hatten entdeckt, dass auch im Fettgewebe derartige Makrophagen sitzen, und zwar stets in der Nähe von Nervenzellen. Wenn Mäuse Hunger leiden, produzieren diese Nervenzellen Botenstoffe, die die Fettverbrennung stimulieren. Die Wissenschaftler vermuteten, dass die Makrophagen in diesen Kommunikationsweg eingreifen. Wie genau, wussten sie jedoch nicht.

 

Im Alter verlangsamt sich der Fettstoffwechsel

Um diese Frage zu beantworten, isolierten sie aus den Makrophagen im Bauchfett sämtliche aktiven Gene, das so genannte Transkriptom. Diesen Schritt führten sie sowohl bei jungen als auch bei alten Tieren durch, die sie zuvor auf Diät gesetzt hatten. Die Transkriptoms-Daten schickten sie dann ans Life & Medical Sciences Institut (LIMES) der Universität Bonn.

„Wir haben diese Daten analysiert“, erklärt Prof. Joachim Schultze von LIMES. „Wir konnten so herausfinden, welche Gene sich hinsichtlich ihrer Aktivität in den alten und jungen Tieren unterscheiden. Darunter mussten auch die Erbanlagen sein, die für den verlangsamten Fettstoffwechsel im Alter verantwortlich sind.“

Warum Ältere das gefährliche Bauchfett schwer loswerden

Mit diesem Wissen konnten die US-Forscher zeigen, auf welche Weise die Makrophagen in den Fettstoffwechsel eingreifen: Bei Hunger schütten die Nervenzellen im Bauchfett den Neurotransmitter Noradrenalin aus und kurbeln so den Fettabbau an. Im Alter schalten jedoch die Makrophagen permanent in eine Art Entzündungsmodus um. Dadurch produzieren sie unter anderem vermehrt ein Enzym namens MAOA. Es zerstört wiederum das Noradrenalin – die Mäuse können das gespeicherte Bauchfett nicht mehr abbauen.

Bislang gelten diese Ergebnisse nur für Mäuse. Die Forscher vermuten aber, dass es beim Menschen einen analogen Mechanismus gibt – eine These, der sie momentan nachgehen. Falls sie stimmt, eröffnen sich neue therapeutische Optionen. MAOA wird nämlich durch manche Antidepressiva gehemmt. „Theoretisch könnte man diese Medikamente einsetzen, um den Stoffwechsel in älteren Menschen zu verbessern“, erläutert Prof. Vishwa Deep Dixit von der Yale Universität. So könnten sie das gefährliche Bauchfett wieder loswerden.  Die Studie erschien im Fachmagazin Nature.

Foto: photophonie/fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Diabetes , Bluthochdruck
 

Weitere Nachrichten zum Thema Bauchfett

| Dass Übergewicht das Schlaganfallrisiko erhöht, ist bekannt. Doch ebenso wichtig wie das Gesamtgewicht ist die Frage, wie es im Körper verteilt ist. Besonders gefährlich scheint das Bauchfett zu sein. Das hat eine Studie aus Spanien nun bestätigt.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Mit einem neuen Bluttest lässt sich die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) rascher von anderen neurodegenerativen Erkrankungen unterscheiden und diagnostizieren. Zudem erlaubt er eine Prognose des Krankheitsverlaufs.
Nur bei jedem vierten Patienten wird Knochenschwund frühzeitig erkannt und therapiert. Die meisten Deutschen wissen nichts oder wenig über Osteoporose, obwohl sie bereits als Volkskrankheit gilt. Dabei kann eine Therapie helfen, schicksalshafte Knochenbrüche wie Wirbel- oder Schenkelhalsfrakturen wenigstens hinauszuzögern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.