Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
07.11.2018

Warum Jungen anfälliger für Autismus sind als Mädchen

Autismus tritt bei Jungen viermal häufiger auf als bei Mädchen. Wissenschaftler haben nun Testosteron im Verdacht. Das Hormon schaltet demnach Risiko-Gene für Autismus an.
Autismus, Jungen

Drei von vier autistischen Kindern sind Jungs. Testosteron könnte den Unterschied erklären

An Autismus leiden rund 1,5 Prozent aller Kinder. Auffällig ist, dass Jungen viermal so häufig betroffen sind wie Mädchen. Bislang waren diese Unterschiede nicht erklärbar. Jetzt gibt es Hinweise, dass das Hormon Testosteron eine Rolle spielen könnte. Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Heidelberg konnten an menschlichen Zellen und Gehirnbereichen von Mäusen zeigen, dass das männliche Geschlechtshormon Testosteron in der Zeit vor und nach der Geburt bestimmte Risiko-Gene im Gehirn deutlich stärker aktiviert. Bisher war nur bekannt, dass Defekte in diesen speziellen Genen ein starker Risikofaktor für das Auftreten der neuronalen Entwicklungsstörung sind.

Jungen haben höheres Risiko für Autismus

"Nun haben wir einen ersten Hinweis, warum - jedenfalls in Bezug auf eine wichtige Gruppe der zahlreichen Risiko-Gene - Jungen ein so deutlich höheres Autismus-Risiko haben als Mädchen", sagt Seniorautorin Prof. Dr. Gudrun Rappold, Direktorin der Abteilung Molekulare Humangenetik.

Bei den genannten Risiko-Genen handelt es sich um die Gene namens SHANK1, 2 und 3. Die Heidelberger Arbeitsgruppe erforscht die SHANK-Gene seit Jahren, da Defekte in diesen Abschnitten der Erbinformation eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Autismus und anderen psychischen Erkrankungen spielen.

 

Testosteron aktiviert SHANK-Gene

Wie die neuesten Test an Gehirnen junger männlicher Mäuse nun ergaben, werden diese Gene verstärkt in Proteine übersetzt und dies durch höhere Mengen des Geschlechtshormons Testosteron beeinflusst. In Gehirnen von männlichen Mäusen, die von Natur aus mehr Testosteron in Blut und Gehirn haben, fanden die Forscher denn auch deutlich höhere Mengen an Shank-Proteinen als bei weiblichen Tieren. "Wir gehen davon aus, dass die größere Menge an Shank-Protein im männlichen Gehirn die ,Durchschlagskraft´ von Defekten in den SHANK-Genen erhöhen und daher zu einem höheren Autismus-Risiko führen", erklärt Rappold.

Die Ergebnisse der Arbeit „Distinct Phenotypes of Shank2 Mouse Models Reflect Neuropsychiatric Spectrum Disorders of Human Patients With SHANK2 Variants“ sind soeben in der Fachzeitschrift "Frontiers in Molecular Neuroscience" erschienen.

Autismus äußert sich schon früh

Bei Autismus ist die Entwicklung der Nervenzellen im Gehirn gestört. Die Symptome machen sich meist schon im Kleinkindalter bemerkbar und können von Patient zu Patient stark variieren. Klassischerweise haben autistische Menschen Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion, in der Kommunikation und Wahrnehmungsverarbeitung und zeigen oft intensive, spezielle Interessen. Nichts desto trotz  sind viele Autisten hoch intelligent.

Foto: ©master1305 - stock.adobe.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Autismus , Forschung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Autismus

Seit einiger Zeit wird der Frage nachgegangen, welche Rolle Spiegelneurone bei der Entstehung von Autismus spielen. Vieles ist dabei noch unklar. Eine neue Studie hat nun offenbar bestätigt, dass die Funktion der Spiegelneurone bei Menschen mit Autismus zumindest zum Teil eingeschränkt ist.

31.03.2018

Autismus ist ein Phänomen, das immer noch wenig verstanden ist und auf viele Vorurteile stößt. In welch unterschiedlichen Ausprägungen Autismus auftreten kann und was dies für die Betroffenen bedeutet, weiß kaum jemand. Der Welt-Autismus-Tag will daher zur Aufklärung beitragen.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Saubere Hände sind nicht nur in der Corona-Pandemie wichtig. Zahlreiche Erkrankungen lassen sich mit gründlicher Händehygiene vermeiden: Erkältungen, Magen-Darm-Probleme – und sogar Wurm-Erkrankungen. Mit kreativen Ideen kann man Kinder dazu motivieren, dass Hände waschen für sie in bestimmten Situationen des Alltags zum festen Ritual wird.

Seit August ist bekannt, dass die Impfquote in Deutschland höher ist als dem Robert Koch Institut gemeldet. Nun rechtfertigt das RKI die Untererfassung, die nach neusten Schätzungen fünf Prozentpunkte beträgt. Das Digitale Impfquotenmonitoring sei als Mindestimpfquote zu verstehen.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin