. Neurowissenschaften

Warum Gähnen ansteckend ist

Warum ist Gähnen ansteckend? Das wollten britische Forscher wissen – und untersuchten die Gehirnregion, die daran beteiligt sind.
Gähnen

Bilder von gähnenden Menschen lösen einen Gähn-Impuls aus

Forscher der University of Nottingham untersuchten die Hirnregion, die beim Gähnen beteiligt ist. Sie wollten wissen, warum Gähnen ansteckend ist. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in dem Fachmagazin Current Biology.

Ansteckendes Gähnen, bei dem das Gähnen unwillkürlich ausgelöst wird, wenn wir eine andere Person gähnen sehen, ist eine Form von Echophenomena, der Nachahmung von Worten (Echolalien) oder Handlungen (Echopraxie). Nicht nur Menschen lassen sich durch Gähnen anstecken, auch bei Schimpansen und Hunden ist das Phänomen bekannt.

Warum Gähnen ansteckend ist

Für ihre Studie führten die Forscher 36 Erwachsenen Videoclips vor, die einen gähnenden Menschen zeigten. Ein Teil der Probanden durfte gähnen, ein anderer nicht. Die Forscher protokollierten, wie oft die Probanden gähnten oder ein Gähnen unterdrückten und mit welcher Intensität sie gähnten. Ein Ergebnis: Die Anweisung, dem Gähnen zu widerstehen, erhöhte den Drang zum Gähnen und die Intensität des Gähnens.

Der Gähn-Impuls selbst ist ein Reflex des motorischen Kortex, eines Teils der Großhirnrinde. Dieser wird beim Ansehen gähnender Menschen aktiviert - und deswegen ist Gähnen ansteckend. Die individuelle Neigung, sich durch Gähnen anstecken zu lassen, variiert. Sie ließ sich zu etwa 50 Prozent über die Erregbarkeit des motorischen Kortex vorhersagen. Diese maßen die Wissenschaftler mit Hilfe der transkraniellen Magnetstimulation.

 

Motorischer Kortex spielt bei Autismus und Tourette eine Rolle

„Die Erkenntnisse könnten wichtig sein, um den Zusammenhang zwischen der motorischen Erregbarkeit und dem Auftreten von Echophenomena zu verstehen“, erläutert  Studien-Leiter Stephen Jackson, Professor für kognitive Neurowissenschaften. Neuropsychiatische Erkrankungen wie Epilepsie, Demenz, Autismus und Tourette-Syndrom sind mit einer erhöhten kortikalen Erregbarkeit und/oder einer verminderten physiologischen Hemmung verbunden.

Wenn die  Art und Weise, wie die Veränderungen der kortikalen Erregbarkeit zu neuralen Störungen führt, verstanden wird, kann dies möglicherweise umgekehrt eingesetzt werden, um mit einer Herabsetzung der Erregbarkeit die Störungen zu reduzieren.

Foto: elena stepanova/fotolia.com

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