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Warum es Bienen und Hummeln in Stadtgebieten besser geht als auf dem Land

Bienen und Hummeln finden in Innenstädten mehr Nahrung und sind dort produktiver als auf dem Land. Hauptursache für den Unterschied sind städtische Gärten und Parks. Sie bieten den Bestäubern bessere Bedingungen als landwirtschaftliche Felder und Wiesen.
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Bienen produzieren in der Stadt mehr Honig als auf dem Land

Sogenannte Bestäuber wie beispielsweise Bienen oder Hummeln sind extrem wichtig für die Pflanzenvielfalt, die Ökosysteme und die Landwirtschaft. So sind etwa 90 Prozent aller Blütenpflanzenarten wie Äpfel, Kirschen, Birnen und viele andere Obstsorten auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Umso erstaunlicher ist die Erkenntnis eines Forscherteams unter Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Sie kamen zu der Erkenntnis, dass Bestäuber wie Bienen und Hummeln in Innenstädten erfolgreicher sind – und das, obwohl es auf dem Land viel mehr Fluginsekten gibt.

Bestäubungsleistung in der Stadt besser als auf dem Land

Überall auf der Welt dehnen sich Städte immer weiter aus. Die Umwandlung von Naturflächen in Bauland hat dabei auch Auswirkungen auf das Vorkommen von Insekten. Oft sinken deren Vielfalt und Anzahl, manchmal profitieren aber einzelne Artengruppen. Was die Verstädterung jedoch für die ökologischen Leistungen der Insekten wie etwa die Bestäubung der Pflanzen bedeutet, ist kaum bekannt.

Die Wissenschaftler wollten daher den Effekt eines städtischen Umfeldes auf Insektenbestäuber und die Bestäubung untersuchen. Dafür verglichen sie blütenreiche Flächen in Innenstadtlage wie Parks und botanische Gärten mit solchen im direkten Umland neun deutscher Großstädte. Wie sie feststellten, wurden Testblüten von Rotklee-Topfpflanzen in der Stadt häufiger von Bienen, Hummeln und Co. besucht als auf dem Land.

 

Wichtigster Bestäuber ist die Hummel

Zwar fanden die Forscher auf dem Land eine insgesamt höhere Artenvielfalt und Biomasse von Fluginsekten als in der Stadt – insbesondere von Fliegen und Schmetterlingen. Letztere trugen jedoch nur wenig zur Bestäubung des Rotklees bei. Dies taten jedoch umso mehr Bienen, von denen in den Städten mehr Arten vorkamen und die die Blüten auch wesentlich häufiger besuchten als andere Insekten.

Drei von vier der erfassten Blütenbesucher waren jedoch Hummeln. Die Honigbiene war mit nur 8,7 Prozent der Blütenbesuche zweitwichtigster Bestäuber. Die große Vielfalt und Anzahl an Wildbienen und Hummeln in den Städten erklären die Forscher mit einer höheren Zahl geeigneter Lebensräume. So finden sie gute Nistmöglichkeiten in freiliegenden Böden, Totholz und Mauerhohlräumen und dauerhaft Nahrung durch die große Vielfalt an Blütenpflanzen in Parks und Gärten.

Bienen und Hummeln sind anfällig für Pestizide

Grundsätzlich profitieren fast alle Insektenarten vom Blütenreichtum der Blumenbeete, Bäume und Sträucher in den Innenstädten. Hier finden sie ein Nahrungsangebot vor, das auf dem Land zum größten Teil nicht mehr existiert. „Ich war wirklich erschüttert, wie durchgehend schlecht die Bestäubungsleistung im Agrarland war“, erzählt Studienleiter Prof. Robert Paxton. „Aus anderen Studien ist bekannt, dass gerade Wildbienen und Hummeln besonders anfällig für Pestizide sind. Das könnte auch erklären, weshalb ihre Vielfalt auf dem Land geringer ausfällt bzw. in der Stadt höher ist, wo Insektizide kaum eine Rolle spielen.“

Mehr blütenreiche Flächen schaffen

Mittelfristig könnten die Städte dabei helfen, die Bestäubung auf dem Lande zu erhalten. „Wenn das Agrarland weiter degradiert, könnten Städte als Quelle für Bestäuber im landwirtschaftlichen Umland dienen“, erklärt Erstautor Dr. Panagiotis Theodorou. Entsprechend raten die Forscher, die Städte für Bestäuber attraktiver zu machen und die Bedürfnisse von Bienen und Hummeln bei der Grünflächenplanung besser zu berücksichtigen.

Natürlich müssten auch auf dem Land mehr blütenreiche Flächen und Nistmöglichkeiten geschaffen und mit den Lebensräumen in den Städten verbunden werden, etwa um die Bestäubung in kommerziellen Obstgärten zu fördern. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten die Forscher in der Zeitschrift „Nature Communications“.

Foto: © Stephan - stock.adobe.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
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