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Warum draußen spielen für Kinder wichtig ist

Spielen ist als kindliches Grundbedürfnis für die Entwicklung genauso wichtig wie schlafen, essen und trinken. Beim Spielen machen sich Kinder mit der Welt vertraut. Sie finden heraus, wie Dinge funktionieren, haben Erfolgserlebnisse, lernen, dass bei Misserfolgen die Welt nicht untergeht. Kurz: Sie erproben und entwickeln ihre motorischen, geistigen und sozialen Fähigkeiten. Am besten geht das draußen.
Mädchen spielen mit brauner Matsche in der Pfütze

Erwachsene sehen: suspekten Dreck und schmutzige Hosen, die man mit einer 60-Grad-Wäsche hoffentlich noch retten kann. Kinder sehen: beste Freundin, williges Material, die Kraft der Hände spüren, sich seine Welt gestalten, Bauingenieurin sein, sich im Wasser spiegeln, Spaß haben, toll sein. Morgen sofort weiter machen.

Ob Kinder in der Schule fürs Leben lernen, können wir auch an dieser Stelle nicht mit letzter Sicherheit klären. Sicher ist: Beim Spielen ist das definitiv so. Das Gehirn des Kindes ist bei der Geburt noch nicht vollständig ausgereift. Vor allem während der ersten Lebensjahre bilden sich wichtige Nervenbahnen und deren Verschaltungen nach und nach noch aus, indem das Zentralnervensystem beispielsweise lernt, die über alle Sinne, also die über Augen und Ohren und beim Tasten und Fühlen gelieferten Informationen zu verarbeiten.

Spielen ist „Arbeit“ an der persönlichen Entwicklung

„Beim Spielen machen Kinder vielfältige Erfahrungen“, sagt Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und Kinder- und Jugendärztin. „Je komplexer und häufiger diese sind, desto besser unterstützen sie die kindliche Gehirnentwicklung.“ Spielen macht Freude, ist aber für eine erfolgreiche und gesunde kindliche Entwicklung essentiell – so vergnüglich und leicht es auf Erwachsene auch wirken mag. Es ist Arbeiten an der körperlichen, geistigen, soziale Entwicklung und der der eigenen Persönlichkeit.

 

Im Spiel entwickeln Kinder auch soziale Kompetenzen

Für die körperliche Entwicklung ist spielen wichtig, denn durch die Bewegung werden die motorischen Fähigkeiten, das Gleichgewichtssystem und die Koordination geschult. Zudem lernen die Kinder sich selbst besser kennen, beispielsweise was sie interessiert und nicht interessiert. Sie lernen, wie sie mit Gefühlen umgehen können. Und im gemeinsamen Spiel mit Gleichaltrigen entwickeln sie schließlich auch soziale Kompetenzen.

Spielen: Selbstbestätigung – und Misserfolge verdauen lernen

Grundlegende Fertigkeiten und Kenntnisse werden durch das Spielen geübt und gefestigt. „Selbstwertgefühl, Selbstbestätigung, Denk- und Merkfähigkeit und Kreativität entwickeln sich, Verantwortung für sich selbst und andere wird übernommen“, sagt Kinderärztin Thaiss. „Das Einhalten von Regeln und Aushalten von Enttäuschung und Misserfolg wird erprobt und das Einfühlungsvermögen geschult.“

Wie Eltern ihre Kinder beim Spielen unterstützen können

 „Kinder möchten frei und selbstbestimmt spielen. Sie sind von Natur aus neugierig, spontan und experimentierfreudig“, sagt BZgA-Präsidentin Thaiss. „Deshalb möchten sie beim Spielen möglichst wenig von Erwachsenen vorgegeben, strukturiert oder organisiert bekommen.“ Eltern könnten und sollten freilich Anregungen geben. Durch Impulse und die Möglichkeit vielseitiger Erfahrungen könnten Eltern ihre Kinder darin unterstützen, in ihren neu erworbenen Fähigkeiten geschickter und sicherer zu werden. „Wichtig ist, nicht enttäuscht zu sein, wenn das Kind anders spielt, als die Eltern sich das vorstellen“, sagt Thaiss. „Es hat seine ganz eigenen Vorstellungen und das Beste ist, was das Kind daraus macht.“

Gärten, Wälder, Bäche, Seen: Der Abenteuerspielplatz Nr. 1

Ideal ist natürlich ein eigener Garten: Für Kinder eine wunderbare Arena zum sich Bewegen, Spielen und Lernen. Das Kind kann im Garten helfen. Beim Ernten, Mähen und Gärtnern geben kleine Handreichungen Kindern enorme Bestätigung. Im Sommer kann ein Zelt aufgestellt werden, das das Kind als „eigenes kleines Haus“ entdecken kann.

Auch Ausflüge in den Wald, zu einem See, Bach oder Fluss sind eine schöne Gelegenheit zum Spielen und können wertvolle Anregungen und Spielmöglichkeiten bieten. Auch bei der Kindergesundheit spielt die Natur eine Rolle. Erst Ende vergangenen Jahres veröffentlichten Wissenschaftler von Universität und Helmholtz-Zentrum in München eine Studie, in der entschlüsselt werden konnte, warum Kinder, die auf dem Bauernhof aufwachsen, seltener an Asthma und Allergien erkranken. Erklärt wurde dies insbesondere mit der Wirkung von „Bauernhof-Bakterien" auf die Gesundheit der Darmflora und damit das menschliche Immunsystem.

Parks, Spielplätze, Bäder: Spielen geht auch in der Stadt

Auch Stadtkinder, die keinen eigenen Garten haben, brauchen das Spielen im Freien. Hier eignen sich Spielplätze, Parks und Schwimmbäder, damit Kinder sich an der frischen Luft bewegen und austoben können. Wenn die Zeit nicht reicht, kann auch der Gang zum Supermarkt genutzt werden: Ein Weg, der beispielsweise durch einen Park führt, gibt dem Kind die Möglichkeit, auf eine Bank zu klettern, auf Mauern zu balancieren und über Pfützen zu springen. So können auch hier Mut und Selbstvertrauen gestärkt werden.  Selbst ein eigener Blumenkasten auf der Fensterbank gibt Kindern die Möglichkeit, einen eigenen kleinen „Kräutergarten“ anzulegen und die Pflanzen zu beobachten, wie sie keimen, sprießen, blühen. Und sie am Ende vielleicht sogar im Essen zu schmecken: so wie die Kräuter Pfefferminz, Schnittlauch und Petersilie; oder die essbaren Blüten von Kapuzinerkresse, Gänseblümchen oder Veilchen, die man über den Salat oder übers Butterbrot streuen kann.

Foto: AdobeStock/MNStudio

Autor: zdr
Hauptkategorie: Medizin
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