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14.11.2020

Warum Diabetes das Krebsrisiko erhöht

Diabetiker haben ein 25-Fach höheres Risiko, an Krebs zu erkranken als die Allgemeinbevölkerung. Krebsforscher haben eine Erklärung für den Zusammenhang.
Entzündung, Östrogene und Wachstumsfaktoren: Bauchfett begünstigt Diabetes und Krebs

Entzündung, Östrogene und Wachstumsfaktoren: Bauchfett begünstigt Diabetes und Krebs

In Deutschland erkranken jedes Jahr eine halbe Million Menschen an Diabetes Typ 2 und eine weitere halbe Million Menschen an Krebs. Dass es einen Zusammenhang zwischen beiden Volkskrankheiten gibt, dass zeigen zahlreiche epidemiologische Studien. 2018 ergab eine Metaanalyse von australischen Wissenschaftlern, dass männliche Diabetiker ein um 19 Prozent höheres Krebsrisiko haben als die Allgemeinbevölkerung, weibliche Diabetikerinnen sogar ein um 27 Prozent erhöhtes Krebsrisiko. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und das Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg belegen diesen Zusammenhang für Darmkrebs, insbesondere auch für jüngere Menschen.

Tödliches Quartett oft Vorläufer von Diabetes

Die Frage ist, wieso sich die Stoffwechselkrankheit Diabetes so ungünstig auf die Krebsentstehung auswirkt. Die Heidelberger Wissenschaftler erklären diesen Zusammenhang mit dem metabolischen Syndrom, das der Zuckerkrankheit oft vorausgeht: Starkes Übergewicht mit viel Bauchfett, fehlregulierte Blutfette, erhöhter Blutdruck und erhöhter Blutzucker, oftmals bereits verbunden mit einer Insulinresistenz lassen den Stoffwechsel entgleisen, bevor Diabetes überhaupt festgestellt wird. Das metabolische Syndrom wird auch als tödliches Quartett bezeichnet.

 

Fett löst Entzündungsreaktionen und Wachstumsfaktoren aus

„Das Bauchfett ist besonders gefährlich, was die Krebsentstehung angeht“, sagt DKFZ- Stoffwechselexperte Mathias Heikenwälder. „Denn dieses Fettgewebe gibt Botenstoffe an die Umgebung ab, die Entzündungsreaktionen auslösen und die Wirkung von Insulin verringern, so genannte Adiponektine und Zytokine.“

Einige dieser Botenstoffe wirken auch als Wachstumsfaktoren, die andere Zellen zur Teilung anregen und begünstigen so auch das Tumorwachstum. Außerdem bilden die Fettzellen Östrogene. In Brust und Gebärmutter können die Hormone das Zellwachstum ankurbeln. Deswegen erkranken übergewichtige Frauen überproportional häufig an Brustkrebs oder Gebärmutterkrebs.

„Besteht das metabolische Syndrom über Jahre hinweg, kann sich Typ 2 Diabetes entwickeln, weitere häufige Folgeerkrankungen sind Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfälle – und eben Krebs“, so Heikenwälder.

Bewegung wirkt vorbeugend

Anlässlich des Weltdiabetestags am 14. November gibt der Krebsinformationsdienst am DKFZ Ratschläge, wie sich die Gesundheitsrisiken mindern lassen. Dessen Leiterin Susanne Weg-Remers empfiehlt eine Anpassung des Lebensstils. „Ernährung und Bewegung sind die Hebel, an denen Betroffene ansetzen müssen“, sagt sie. Das heiße zunächst, sich bewusst und ausgewogen zu ernähren, mit ausgeglichener Energiebilanz. Ebenso entscheidend sei regelmäßige körperliche Bewegung, möglichst 30 Minuten täglich. „Bewegung erhöht den Energieverbrauch und trägt so dazu bei, Übergewicht abzubauen“, so die Medizinerin. „Wer rechtzeitig und konsequent gegensteuert, kann sein persönliches Risiko für Krebs und für andere schwere Folgeerkrankungen des metabolischen Syndroms erheblich senken.“

Diabetes Typ 2 ist weltweit auf dem Vormarsch: Die WHO verzeichnete zwischen 1980 und 2014 einen Anstieg um das vierfache – von 108 Millionen Menschen damals auf zuletzt 422 Millionen. Der Weltdiabetestag ist seit 2007 ein offizieller Aktionstag der Vereinten Nationen. Der Tag wird seither jedes Jahr am 14. November begangen – es ist der Geburtstag von Sir Frederick Banting, der 1922 gemeinsam mit Charles Best das Insulin entdeckt hatte.

Foto: © Adobe Stock/Vadym

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
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