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27.08.2020

Warum chronischer Stress zu vorzeitiger Alterung führen kann

Personen, die über eine weite Lebensspanne hinweg hohem Stress ausgesetzt sind, weisen biologisch ein höheres Alter auf, als es der Anzahl ihrer Lebensjahre entsprechen würde. Ein gutes Stressmanagement kann hingegen zu einem längeren und gesünderen Leben verhelfen.
vorzeitige Alterung

Stress hat vielfältige Auswirkungen auf die Gesundheit - unter anderem kann er zu einem schnelleren Alterungsprozess führen

Studien zeigen, dass sich langanhaltender Stress negativ auf die Lebenserwartung auswirkt. So hat unter anderem eine Untersuchung unter Leitung von Elisabeth Binder, Direktorin am Max-Planck-Institut für Psychiatrie, nachweisen können, dass chronischer Stress zu epigenetischen Veränderungen führt, die tatsächlich eine schnellere Alterung bewirken.

Plötzlich um Jahre gealtert

Manche Menschen erleben es am eigenen Leibe: Nach einer gewissen Zeit voller Stress wirken sie plötzlich um viele Jahre gealtert. Das ist nicht nur ein subjektives Empfinden, sondern tatsächlich physiologische nachweisbar.

Doch auf welche Weise wirkt sich Stress auf den biologischen Alterungsprozess aus? Dies hängt den Forschern zufolge mit der DNA-Methylierung zusammen. Dabei handelt es sich um einen natürlichen epigenetischen Prozess, bei dem eine Methylgruppe an eine der vier DNA-Basen angehängt wird. Dies wiederum bestimmt unter anderen über die Aktivität bestimmter Gene. Die Wissenschaftler haben nun untersucht, wie sich bei hochgradig traumatisierten Menschen der langanhaltende Stress auf die DNA-Methylierung des Glukokortikoid-Rezeptors im Blut auswirkt.

 

Chronischer Stress verändert die DNA

„Glukokortikoide stellen wichtige Stressmoleküle dar“, erklärt Anthony Zannas, einer der Studienautoren. „Sie binden an den Stresshormon-Rezeptor und können dann in jedem wichtigen Organ des Körpers ihre Wirkung entfalten. Der Rezeptor reguliert die Gen-Aktivität unter anderem dadurch, dass er Veränderungen in der DNA-Methylierung hervorruft. Dies kann eine lang anhaltende ‚epigenetische Reprogrammierung‘ zur Folge haben.“

Die Forscher konnten zeigen, dass diese durch den anhaltenden Stress bedingte Reprogrammierung bei den Probanden an genau den Stellen im Erbgut stattgefunden hat, die auch mit Alterungsprozessen in Verbindung gebracht werden. Somit konnten sie eine direkte Verbindung zwischen chronischem Stress und einer vorzeitigen biologischen Alterung beweisen.

Stressmanagement kann helfen

In der Folge bedeutet eine vorschnelle Alterung auch, dass die Wahrscheinlichkeit für altersbedingte Erkrankungen erhöht wird. Damit bestätigt die Analyse frühere Untersuchungen, die gezeigt haben, dass chronischer Stress das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 75 Prozent steigert. Sogar zu der Entstehung von Krebs könnte es eine Verbindung geben. Ein gutes Stressmanagement kann somit für ein langes und gesundes Leben von großer Bedeutung sein.

Foto: Adobe Stock / goodluz

Autor: anvo
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin
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