. Kein Handlungsbedarf

Wartezeiten in der Psychotherapie kümmern Bundesregierung nicht

Während die Wartezeiten-Diskussion sich gesetzlich niederschlagen wird, scheint die Bundesregierung keinen Handlungsbedarf dahingehend zu sehen, die Wartezeiten für psychisch kranke Menschen zu verkürzen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hervor.

Langes Warten bis zur Behandlung? Das ist auch in der Psychotherapie der Fall.

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) kritisiert diese „Ungleichbehandlung“ zwischen somatischer und psychosomatischer Medizin. „Für körperlich kranke Menschen fordert die Koalition, dass ein Patient nicht länger als vier Wochen auf einen Termin beim Facharzt warten soll. Bei psychisch Kranken drückt sich die Regierung dagegen um eine klare Aussage“, heißt es in einer Pressemitteilung der BPtK.  

Damit mache die Bundesregierung einen grundsätzlichen Unterschied zwischen psychisch und körperlich kranken Menschen, der nicht nachzuvollziehen sei, kommentiert Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, die Antwort der Bundesregierung. Das sei insofern unverständlich, weil psychisch kranke Menschen einer mindestens genauso guten und schnellen Versorgung wie körperlich Kranke bedürften. Richter: „Psychische Krankheiten, die nicht behandelt werden, verschlimmern sich oder chronifizieren.“

Wartezeiten: In der Regel vergehen viele Wochen bis zum ersten Behandlungstermin

Laute einer BPtK-Umfrage warten psychisch kranke Menschen im Durchschnitt mehr als drei Monate auf einen ersten Termin bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten. Danach vergehen noch einmal drei Monate bis zum Beginn der Behandlung. 

Die gesundheitspolitische Sprecherin der GRÜNEN, Maria Klein-Schmeink, kritisierte die Haltung der Bundesregierung: „ Die derzeit üblichen Wartezeiten von über drei Monaten für ein Erstgespräch beim Psychotherapeuten, sowie fehlende Anlaufstellen bei akuten Krisen sind nicht hinnehmbar.“ Die Politik sei gefragt Versorgungstrukturen aufzubauen, die eine flexible und schnelle Behandlung ermöglichen, damit psychische Störungen nicht chronisch werden und in der Folge Betroffene aus dem Arbeitsleben und ihrem sozialen Gefüge reißen.

Daten der Psychotherapeuten werden durch eine aktuelle Umfrage bestätigt

Die Bundesregierung habe keine Strategie, wie sie dem drängenden Versorgungsbedarf gerecht werden will. Die geplanten kleinen Korrekturen an der Psychotherapie-Richtlinie reichten für eine bedarfsgerechte gesundheitliche Versorgung und psychosoziale Unterstützung nicht aus, kritisierte sie. 

Die Daten der BPtK wurden im Juni 2014 durch eine Umfrage der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ bestätigt. Danach mussten 34 Prozent der Befragten mehr als sechs Monate auf einen Therapieplatz warten.

Foto: Fotolia

Autor: Cornelia Wanke

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