Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Wann ist ein Magen wirklich nüchtern?

Orale Chemotherapien wie Temozolomid sollten auf nüchternen Magen eingenommen werden. Aber was heißt das eigentlich genau? Der Teufel steckt im Detail.
Zeitlichen Abstand halten zu Nahrung, Milch und Säften: Viele Medikamente wirken nur auf nüchternen Magen

Zeitlichen Abstand halten zu Nahrung, Milch und Säften: Viele Medikamente wirken nur auf nüchternen Magen

Ein Hals-Nasen-Ohrenarzt aus Bayern staunte nicht schlecht, als er kürzlich zehn Globuli im Ohr einer kleinen Patientin fand. Ein Heilpraktiker hatte die Kügelchen wegen Ohrenschmerzen verordnet. Dass die Eltern dabei etwas gründlich missverstanden hatten, musst das Kind mit einer Mittelohrentzündung bezahlen. Dieser Fall zeigt, dass die Anwendung von Medikamenten weniger banal ist als viele denken. Während das Mädchen noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen ist, kann eine fehlerhafte Einnahme bei einer Krebserkrankung noch viel weitreichendere Folgen haben: Die Medikamente wirken nicht. Die Deutsche Hirntumorhilfe hat deshalb die Frage „Wie nehme ich die Chemotherapie richtig ein?“ zum Thema des Monats gemacht. Die Tipps sind zwar für Hirntumorpatienten gedacht, haben aber auch Gültigkeit für andere Patienten, die Medikamente einnehmen müssen.

Nüchtern heißt, drei Stunden nichts außer Leitungswasser

Bei einem Hirntumor wie dem Glioblastom wird Patienten das Chemotherapeutikum Temozolomid verordnet. Es soll laut Beipackzettel auf nüchternen Magen eingenommen werden. Das kann morgen oder abends sein, aber nach Möglichkeit immer zur gleichen Zeit. Damit der Magen wirklich leer ist, sollte die letzte Nahrungsaufnahme mindestens zwei Stunden zurückliegen, rät die Hirntumorhilfe. Andernfalls könnten sich noch Nahrungsrückstände im Magen befinden. Aber auch anschließend sollte noch eine Stunde gewartet werden, bevor wieder etwas gegessen wird. Gerade bei ballaststoffhaltigen Lebensmitteln wie Müsli sei ein größerer zeitlicher Abstand geboten. „Ballaststoffe können sich negativ auf die Wirksamkeit verschiedener Präparate auswirken, da sie deren Aufnahme über die Darmwand stark einschränken oder sogar verhindern können“, schreibt die Patientenorganisation.

 

Bei Milch, Müsli und Co. verpufft die Wirkung des Medikaments

Doch der Rat bezieht sich nicht nur aufs Essen, sondern auch aufs Trinken. Milch, Fruchtsäfte und andere kalorienhaltige Getränke haben im Magen vor, während und nach der Tabletteneinnahme nichts zu suchen. Selbst von Mineralwasser raten die Experten ab, weil es viele Salze enthält. Einige Wirkstoffe gehen mit den Salzen stabile Verbindungen ein. Sind diese Verbindungen zu groß, gelangen sie nicht in den Blutkreislauf und die Wirkung des Medikamentes ist verflogen. Milch und Joghurt haben wegen ihres hohen Kalziumgehalts eine ähnliche „verflüchtigende“ Wirkung. Und Grapefruitsaft kann ein Leberenzym hemmen und dadurch zu gefährlichen Reaktionen führen. „Sicherheitshalber sollte daher jede Kombination des Saftes oder der Frucht mit Medikamenten vermieden werden“, so die Hirntumorhilfe.

Bleibt also nur reines Leitungswasser, um das Medikament einzunehmen – und im Zweifel den Arzt oder Apotheker zu fragen.

Foto: © Robert Kneschke - Fotolia.com

Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Chemotherapie , Hirntumor , Arzneimittel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Medikamenteneinnahme

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Vor der Covid-19-Impfung Schmerzmittel einzunehmen, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden, ist nicht ratsam. Denn Ibuprofen, Aspirin oder Paracetamol könnten die Wirkung des Impfstoffs beeinflussen. Auch die Einnahme von Schmerzmitteln direkt nach der Impfung könnte die Immunantwort abschwächen.

Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin