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Wann eine Immuntherapie bei Krebs besser wirkt

Dienstag, 15. September 2015 – Autor:
Warum wirken Checkpoint-Inhibitoren nicht bei allen Patienten? Krebsforscher haben nun eine mögliche Antwort gefunden. Demnach spielt die Anzahl der Mutationen im Tumor eine entscheidende Rolle. Zumindest bei der Immuntherapie mit Ipilimumab.
Wann eine Immuntherapie bei Krebs besser anschlägt

Immuntherapie gegen Krebs: Viele Mutationen bieten den Checkpoint-Inhibitoren offenbar eine bessere Angriffsfläche

Bis zur Einführung der ersten Checkpoint-Inhibitoren im Jahr 2011 war das metastasierte Melanom eine der tödlichsten Krebserkrankungen. Heute kann bei etwa jedem fünften Patienten der Krebs über mehrere Jahre unter Kontrolle gehalten werden, manche gelten sogar als geheilt. Warum nur einige, aber nicht alle Patienten von der neuen Immuntherapie profitieren, war bislang ein großes Rätsel.

Wissenschaftler vom Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) sind dem Rätsel nun nachgegangen und haben einen interessanten Zusammenhang entdeckt: Je mehr Mutationen der Tumor aufwies, desto besser wirkte die Immuntherapie. Den Forschern zufolge wird die Wirkung noch durch eine verstärkte Produktion bestimmter Moleküle (Granzyme A und Perforin) begünstigt, die das menschliche Immunsystem zur Zerstörung von Tumorzellen einsetzt. Für ihre Studie hatten die Forscher 110 Patienten mit metastasiertem Melanom untersucht, die mit dem CTLA-4-Inhibitor Ipilimumab behandelt wurden. Ipilimumab war der erste zugelassene Wirkstoff aus der Klasse der so genannten Checkpoint-Inhibitoren.

Immuntherapie wirkt bei komplexen Mutationen besser

„Unsere Beobachtungen lassen bislang noch keine präzisen Vorhersagen zu, wie ein Patient auf den Wirkstoff ansprechen wird“, erläutert Prof. Dirk Schadendorf vom Westdeutschen Tumorzentrum am Universitätsklinikum Essen, der die Studie gemeinsam mit Levi A. Garraway von der Harvard University leitete. Sicher sei bloß, dass sich dahinter komplexe Mechanismen mit vielen Faktoren verbergen müssten. „Deshalb wollen wir im nächsten Schritt weitere Patienten untersuchen, um die genauen Wirkmechanismen zu entschlüsseln. So können wir die Immuntherapie in Zukunft hoffentlich noch individueller zuschneiden“, sagte Schadendorf. Die Studie wurde in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Science" veröffentlicht. Auch Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg hatten daran mitgewirkt. 

 

Hypermutierter Darmkrebs folgt offenbar einem ähnlichen Muster

Bei Darmkrebs wurde kürzlich ebenfalls ein Zusammenhang zwischen der Anzahl der Mutationen und der Wirkung von Immuntherapien entdeckt. Wie eine im Juni auf dem amerikanischen Krebskongress ASCO vorgestellte Studie zeigte, funktionierte die Checkpoint-Hemmung bei Darmkrebs extrem gut, wenn es sich um sogenannte hypermutierte Darmtumore handelte. Das sind Tumore, die ungefähr zehnmal so viele Mutationen aufweisen wie ein üblicher Darmtumor. Bei den übrigen Darmtumoren hatte die Immuntherapie dagegen völlig versagt.

Foto: © Mopic - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
 

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