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Wann Divertikel im Darm behandelt werden müssen

Montag, 20. Dezember 2021 – Autor:
Die Hälfte der Deutschen über 70 Jahren leidet an Divertikeln im Darm. Sie können sich entzünden und müssen behandelt werden. Ob konservativ oder operativ sagt eine neue S-3-Leitlinie.
Eine Divertikulitis muss manchmal operiert werden

– Foto: Adobe Stock/HENADZY

Ungefähr die Hälfte der deutschen Bevölkerung über 70 Jahren leidet nach Schätzungen unter Divertikeln, also Ausstülpungen in der Darmschleimhaut. Am häufigsten kommen diese im sogenannten Sigma, dem letzten Teil des Dickdarms, vor.

Litten bisher vor allem ältere Menschen unter einer Divertikulitis, nimmt die Prävalenz auch in jüngeren Bevölkerungsgruppen, also unter 50 Jahren, zu. Gründe hierfür liegen vor allem im westlichen Lebensstil: Mangelnde Bewegung, der Konsum von Genussmitteln und eine fleischhaltige ballaststoffarme Ernährung

Wann Divertikel im Darm behandelt werden müssen

Entzünden sich die Divertikel, spricht man von einer Divertikulitis. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten veröffentlicht nun erstmals mit der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie eine S-3-Behandlungsleitlinie.

Wann Divertikel im Darm behandelt werden müssen: Eine unkomplizierte Divertikulitis stellt im Regelfall keine Indikation für eine Operation dar. Anders sei dies bei komplizierten und wiederkehrenden Verläufen. "Betroffene profitieren in diesen Fällen von einer Entfernung des betroffenen Darmabschnitts", so Prof. Christoph-Thomas Germer, Leitlinienkoordinator und Klinikdirektor Chirurgie I am Uniklinikum Würzburg.

 

Klassifikation hilft Fälle richtig einzustufen

"Die Lebensqualität ist das zentrale Kriterium bei der Indikationsstellung und der entsprechenden Klassifizierung", erläutert Leitlinien-Koordinator Prof. Wolfgang Kruis in einer Pressemitteilung. Um die Fälle einstufen zu können, wurde in der vorausgehenden Sk2-Leitlinie die Classification of Diverticular Disease eingeführt.

Röntgen und Koloskoie erhalten bei der Klassifikation und somit der Diagnosestellung eine klare Absage. Genauso wenig reichen die reine Betrachtung der Symptome und des Blutbilds.

CT oder Ultraschall zur Diagnose empfohlen

"Wir empfehlen Schnittbildverfahren wie die Computertomographie (CT) oder den Ultraschall. Zu betonen ist, dass es sich hierbei um ergänzende und nicht um konkurrierende Verfahren handelt, die jeweils ihre eigenen Vor- und Nachteile haben", erklärt Prof. Ludger Leifeld, Koordinator der Leitlinie und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie am St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim.

Die Divertikel-Krankheit äußert sich meist durch Schmerzen im linken Unterbauch, seltener im rechten. Außerdem kann es zu Blähungen, Verstopfung oder Durchfall kommen. Bei einer Divertikulitis treten plötzlich dumpfe Schmerzen im Unterbauch auf, begleitet von leichtem Fieber. Weitere Anzeichen sind Verstopfung, Durchfall, Blähungen und Übelkeit, manchmal auch Krämpfe, heißt es auf dem IQWIG-Portal gesundheitsinformationen.

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