. Handchirurgie

Wann das Karpaltunnelsyndrom operiert werden muss

Das Karpaltunnelsyndrom kann in vielen Fällen gut konservativ behandelt werden. Doch in fortgeschrittenen Fällen kann eine Operation sinnvoll sein. Der Behandlungserfolg hängt von der Vorschädigung der Nerven ab.
Wenn die konservative Behandlung nicht ausreicht, bringt die Karpaltunnel-Operation meistens die entscheidende Verbesserung

Wenn die konservative Behandlung nicht ausreicht, bringt die Karpaltunnel-Operation meistens die entscheidende Verbesserung

Konservativ vor Invasiv – dieser Grundsatz gilt auch beim Karpaltunnelsyndrom. In den Leitlinien wird zunächst die nächtliche Ruhigstellung des Handgelenks in einer speziellen Schiene empfohlen. Diese hat einen Klettverschluss, sodass sie tagsüber einfach abgenommen werden kann. In bestimmten Fällen kann auch die Injektion eines Kortisonpräparates sinnvoll sein. Von der Einnahme von Vitamin- oder entzündungshemmenden Präparaten raten die Verfasser der Leitlinie jedoch ab. Alternative Behandlungsversuche zum Beispiel mit Laser, Ultraschall oder Yoga demnach auf Dauer unwirksam.

Indikationen für eine Operation

Aber auch die konservative Behandlung schlägt nicht bei jedem Patienten an. Abhilfe kann dann eine Operation schaffen. Hierbei wird ein Band durchtrennt, das für die Handfunktion nicht benötigt wird - die Nerveneinklemmung jedoch dauerhaft beseitigt. Dadurch kann eine irreversible Schädigung des Mittelnervs vermieden werden.

Darüber hinaus ist die Operation dann indiziert, wenn das Karpaltunnelsyndrom bereits stark fortgeschritten ist. Dies äußert sich durch starke nächtliche Schmerzen oder durch dauerhafte Gefühllosigkeit in der betroffen Hand. In diesen Fällen ist die Operation die mit Abstand wirksamste Behandlung.

Trotzdem bleibt die Frage ob operiert werden muss, immer eine individuelle Angelegenheit, die mit dem Arzt ausführlich besprochen werden muss. Laut der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie sollte immer die subjektive Beeinträchtigung des Patienten ausschlaggebend sein. Denn auch Messwerte, die eine erhebliche Verlangsamung der elektrischen Nervenleitung ergeben, müssten nicht zwangsläufig mit starken Beschwerden einhergehen.

 

Schädigung der Nerven sind die rote Linie

„Im Stadium des nächtlichen Einschlafens der Hand oder bei längeren beschwerdearmen Intervallen besteht noch keine Gefahr einer anhaltenden, nicht mehr besserungsfähigen Schädigung des Nervs“, sagt Leitliniene-Autor Dr. Hans Asmuss. „Wohl aber, wenn bereits eine ständige Taubheit und insbesondere ein nervbedingter Muskelschwund des seitlichen Daumenballens vorliegen.“

Ist die Nervenschädigung mit Muskelschwund bereits weit fortgeschritten kann der Erfolg der Operation vermindert sein. Das gleiche gilt, wenn Begleiterkrankungen wie die diabetische Polyneuropathie oder Störungen der Nervenwurzel durch ein Bandscheibenleiden vorliegen. Dennoch wird die Operation laut Leitlinie ausdrücklich empfohlen, da die konservative Behandlung in diesen Fällen keine Verbesserung bringt.

Die herkömmliche offene Operation gilt als risikoarm und kann ambulant durchgeführt werden. Alternativ kann das Karpaltunnelsyndrom heute auch minimal-invasiv operiert werden. In Bezug auf das Endergebnis gelten beide Verfahren als gleichwertig.

Diagnostik des Karpaltunnelsyndroms

Um das Karpaltunnelsyndrom zu diagnostizieren, reichen in der Regel eine neurologische Untersuchung der Hand und des Arms mittels einiger klinischer Tests wie dem Handbeuge- oder Phalen-Test sowie eine Messung der elektrischen Nervenleitung (Neurographie) des Mittelnervs aus. Hierdurch kann meist der Ort und das Ausmaß einer Nervenschädigung zuverlässig festgestellt und eine andere Nervenerkrankung ausgeschlossen. werden. Eine zusätzliche Röntgenuntersuchung, eine Ultraschalluntersuchung oder eine MRT-Untersuchung sind nur selten erforderlich.

Ein Karpaltunnelsyndrom macht sich meist durch Einschlafen der Hände bemerkbar, besonders nachts oder bzw. gegen Morgen, aber auch bei bestimmten Handhaltungen wie Telefonieren oder Zeitungslesen, auch beim Rad- oder Motorradfahren. Daneben kommt es zu schmerzhaften nadelstichartigen Missempfindungen im Mittelfinger. Später können auch Daumen und Arm von den Schmerzen betroffen sein. Ein bleibendes Taubheitsgefühl in den Fingern sowie eine Rückbildung der seitlichen Daumenballenmuskulatur deuten auf eine fortgeschrittene Erkrankung hin. Eine Operation wird dann unausweichlich. 

Foto: © wildworx - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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