. MLP-Report

Wachsende Kritik an Wartezeiten

Der Ärger über zu lange Wartezeiten auf einen Termin oder im Wartezimmer nimmt zu. Das zeigt der aktuelle MLP-Gesundheitsreport. Die repräsentative Studie hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Finanz- und Vermögensberaters MLP erstellt. Die Bundesärztekammer widerspricht.
Befragung: Probleme mit Wartezeiten und Krankenhausversorgung

MLP-Gesundheitsreport: Ärger über Wartezeiten nimmt zu

Eine langwierige Terminvergabe beklagen 54 Prozent der befragten Patienten. 2012 waren es noch 52 Prozent. Einen zu langen Aufenthalt im Wartezimmer kritisieren in der aktuellen Befragung 66 Prozent, 2012 waren es 64 Prozent. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen gesetzlich und privat Versicherten: GKV-Patienten äußerten mit 57 und 69 Prozent deutlich häufiger Unzufriedenheit als PKV-Patienten, die zu 33 Prozent Termin- und zu 44 Prozent Praxis-Wartezeiten bemängelten.

Die Bundesärztekammer (BÄK) kritisierte diese Darstellung. „Die Zuspitzung allein auf die Kassenzugehörigkeit greift zu kurz. Wartezeiten variieren zwischen Stadt und Land, zwischen einzelnen Facharztgruppen, vor allem aber nach der individuellen Dringlichkeit“, sagte BÄK-Präsident Frank-Ulrich Montgomery. Er verwies auf eine kürzlich veröffentlichte Versichertenbefragung der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Sie kam zu dem Ergebnis, dass die Hälfte aller Patienten ohne Wartezeiten sofort ihren Arzt aufsuchen könne.

Gute Noten für die Gesundheitsversorgung, aber düstere Aussichten

Insgesamt beurteilen immer noch rund vier von fünf Bürgern die Versorgungsqualität und die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems als gut oder sehr gut. Ihr Anteil ist jedoch im Vergleich zur letzten Befragung von 82 auf 79 Prozent um drei Prozentpunkte gefallen. Auch bei den befragten Ärzten sank die Quote der Zufriedenen um drei Prozentpunkte von 93 auf 90 Prozent.

Die Zukunftsaussichten schätzt allerdings eine deutliche Mehrheit der Befragten negativ ein. Rund 60 Prozent gehen davon aus, dass die Krankenkassen nur noch eine medizinische Grundversorgung bezahlen und Patienten viele Kosten, etwa für Operationen, selbst tragen müssen. Zugleich erwarten drei Viertel der Bevölkerung steigende GKV-Beiträge. Furcht vor einer Zwei-Klassen-Medizin treibt mehr als zwei Drittel der Befragten um. Unter den befragten Ärzten rechnen 84 Prozent mit Schwierigkeiten, künftig alles medizinisch Notwendige verordnen zu können.

 

Pessimistische Stimmung in Krankenhäusern

Viele Ärzte geben schon jetzt an, dass sie Behandlungen aus Kostengründen verschoben oder ganz vorenthalten haben. Dieses Vorgehen ist dem Report zufolge weit verbreitet: 64 Prozent der Klinikärzte gaben an, dass sie aus Kostengründen Behandlungen verschieben mussten, 27 Prozent sagten aus, dass sie ganz darauf verzichten mussten. Zugleich sieht ein gutes Viertel der Krankenhausärzte Probleme bei der Hygiene in Krankenhäusern (27%).

Auch die Zukunft der Krankenhausversorgung schätzen die Befragten überwiegend negativ ein. 58 Prozent der Ärzte rechnen pauschal mit einer Verschlechterung der Qualität der medizinischen Versorgung in den Krankenhäusern in den nächsten zehn Jahren. Vor allem bei der Personalausstattung erwarten die Befragten zunehmend Probleme. Unter den Ärzten rechnen 79 Prozent damit, dass sich die Personalsituation an den Krankenhäusern weiter zuspitzen wird. In der Bevölkerung befürchten 64 Prozent einen Mangel an Pflegepersonal, und 59 Prozent sind überzeugt, dass Krankenhausärzte sich in Zukunft weniger Zeit für ihre Patienten nehmen können. Dabei beklagen schon jetzt die Hälfte der Patienten, dass Ärzte sich zu wenig Zeit nehmen könnten (49%) und 40 Prozent finden, dass das Pflegepersonal überfordert sei.

Foto: RioPatuca Images - Fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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