. Silvester-Feuerwerk

Vorsicht, Knalltrauma!

Kanonenschläge und Raketen sind für viele ein Silvester-Spaß - aber sie sind auch Gift für das Gehör. Die Knallerei jenseits der menschlichen Schmerzgrenze kann Akut- und Spätschäden verursachen und zu Schwerhörigkeit führen. Kinder und Jugendliche sind dabei besonders in Gefahr. Dabei gibt es ein einfaches Gegenmittel.
Silvesterkracher - Sortiment

Zündeln mit Folgen: Knalltraumata in den Ohren gehören neben Verbrennungen, Hand- und Augenverletzungen zu den typischen Gesundheitsschäden der Silvesternacht.

Die Silvesternacht mit ihrem flächendeckenden Privatfeuerwerk ist für viele das vielleicht aufregendste Fest im Jahr. Was in der Partylaune leicht vergessen wird: Für das menschliche Ohr ist es oft auch das gefährlichste, denn die Lärmbelastung erreicht hier ihre Spitzenwerte im Kalenderjahr. „Mehr als 8.000 Menschen sind jährlich nach Silvester von Verletzungen des Innenohrs durch den Knall von Böllern und Raketen betroffen“, warnt die Bundesinnung der Hörakustiker (Biha). „Bei rund einem Drittel von ihnen ist der Hörschaden irreparabel.“

Donnerschläge: Laut wie ein Pistolenschuss

Die größten Risikofaktoren für das Ohr stellen Donnerschläge und Chinaböller dar. Wenn Böller weniger als zwei Metern Entfernung von einem Menschen explodieren, entwickeln sie Schallimpulse von bis zu 160 Dezibel. Damit sind sie so laut wie eine Handfeuerwaffe. Die menschliche Schmerzschwelle liegt bei einem Schallpegel von 120 Dezibel in einem Meter Abstand. Schon bei einem einzigen lauten Knall in Ohr-Nähe - etwa durch einen Feuerwerkskörper - können unmittelbare Schäden entstehen (Knall- oder Explosionstrauma).

 

Explosionsdruck: Trommelfell kann reißen

Doch nicht nur der Lärm ist ursächlich für die Schäden – vor allem auch die Druckbelastung durch die Explosion. Das Trommelfell kann durch den hohen Druck reißen, weitere Verletzungen und Blutungen im Innenohr sind möglich, die feinen Flimmerhärchen im Innenohr können unwiderruflich beschädigt werden. Ein Knalltrauma führt dazu, dass die Betroffenen plötzlich schlecht hören. Ihre Ohren fühlen sich verstopft an, sie haben Schwindelgefühle oder ein Pfeifen im Ohr.

Gehörschäden vermeiden: Abstand halten, Ohrenstöpsel tragen

„Je früher man ein Knalltrauma ärztlich behandeln lässt, umso besser sind die Heilungschancen“, sagt Utta Petzold, Medizinerin bei der Barmer Ersatzkasse. Marianne Frickel, Präsidentin der Bundesinnung der Hörakustiker, rät insbesondere bei Kindern und Jugendlichen zu Vorsicht, weil diese die Gefahr des lauten Knalls nicht einschätzen könnten. Außerdem sei deren Gehör besonders empfindlich. Um Schäden am Gehör zu vermeiden, empfiehlt Frickel deshalb, in der Silvesternacht Abstand zu Lärmquellen zu halten sowie Ohrenstöpsel Gehörschutz zu tragen. „Wer sein Gehör schonen möchte, greift auf Fontänen, Feuerkreisel, Knallerbsen und Wunderkerzen zurück“, heißt es in einer Mitteilung der Biha. „Sie sind nicht lauter als ein Staubsauger.“

Mehr als fünf Millionen Schwerhörige in Deutschland

5,4 Millionen Menschen in Deutschland leiden nach Angaben der Bundesinnung an Schwerhörigkeit in behandlungsbedürftiger Ausprägung – Tendenz steigend. Schwerhörigkeit zählt zu den zehn häufigsten gesundheitlichen Problemen. Dies liegt Experten zufolge aber nicht nur daran, dass die Bevölkerung immer älter wird. Auch extreme Spitzenbelastungen wie beim Silvesterfeuerwerk oder zu lautes Musikhören mit Kopfhörern können das Gehör schon in jungen Jahren vorzeitig schädigen oder Spätschäden zur Folge haben. Das menschliche Gehör reagiert auf übermäßige Lautstärke höchst sensibel – unabhängig davon, ob es sich um eine dauerhafte Lärmbelastung handelt, oder um eine einzelne, heftige Schalleinwirkung wie die Explosion eines Krachers in Ohrennähe an Silvester.

Foto: © Fotolia.de/vschlichting

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Demografie , Kinder , Lärm , Notfallmedizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Lärm und Gehörschäden

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Immer weniger Menschen ist es peinlich, ein Hörgerät zu tragen. Das haben europäische Umfragen ergeben. Demnach stehen immer mehr Schwerhörige dazu, auf die Hilfsmittel angewiesen zu sein.
 
. Weitere Nachrichten
Anlässlich des Weltdiabetestags am 14. November hat das Robert Koch Institut den ersten Bericht zur Nationalen Diabetesüberwachung vorgelegt. Danach ist die Zahl der Diabetesfolgeerkrankungen am Sinken. Doch Prävention und Versorgung müssten weiter verbessert werden, heißt es in dem Bericht.
Der plötzliche Herztod kommt meist nicht ganz so überraschend, wie viele denken. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen kündigt er sich Tage oder Wochen vor dem Ereignis durch Symptome wie Brustschmerzen oder Atemnot an.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin

Französische Friedrichstadtkirche (Französischer Dom) | Gendarmenmarkt 5 | 10117 Berlin (Mitte)
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Campus Charité Mitte, Charité Comprehensive Cancer Center, Invalidenstraße 80, 10115 Berlin, Barrierefreier Zugang über Virchowweg 23 auf dem Campusgelände Ebene 3 | Konferenzraum (Raum 03 001)
 
. Kliniken
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.