. AIDS

Vorsicht geboten, trotz besserer AIDS Therapie

Die Kombinationstherapien gegen AIDS funktionieren immer besser und Langzeitüberlebende sind keine Seltenheit mehr. Doch der Fortschritt macht den Gebrauch von Kondomen keinesfalls überflüssig.

Kondome sind der beste Schutz vor HIV

Seit einem Vierteljahrhundert gibt es Medikamente gegen den AIDS-Erreger HIV. Die Therapie hat sich stetig weiterentwickelt, so dass mittlerweile 30 retrovirale Therapien zur Verfügung stehen. In den Industrieländern wird heute standardmäßig eine Kombination von antiretroviralen Substanzen verabreicht. Dahinter steckt die Idee, dass es den sich ständig verändernden Viren viel schwerer fällt, gleichzeitig Resistenzen gegen drei oder noch mehr verschiedene Medikamente zu entwickeln.

HIV bleibt tückisch, weil das Virus nie ganz aus dem Körper verschwindet

Dieser Fortschritt hat dazu beigetragen, dass es heute immer mehr Langzeitüberlebende gibt. Doch der Fortschritt hat auch eine Kehrseite: Weil die „Lustseuche“ AIDS an Schrecken verloren hat, lässt auch die Bereitschaft nach, sich zu schützen. Auf dem letzten Welt AIDS Kongress wurden Daten vorgestellt, die einen bedrohlichen Anstieg der Neuinfektionsrate unter schwarzen Homo- und Bisexuellen in den USA zeigten. In Deutschland liegt die Zahl der Neuinfektionsraten  konstant bei rund 2.900 Fällen.

Das HI-Virus bleibt tückisch, denn auf Dauer hat es sich noch allen Bemühungen um vollständige Ausrottung entzogen. Das Virus kann nie ganz aus dem Körper verschwinden, sondern höchstens auf einem sehr niedrigen Wert - oft sogar unterhalb der Nachweisgrenze - gehalten werden.

Weiterhin Vorsicht geboten

„Die Angst vor AIDS hat gerechtfertigterweise stark abgenommen, aber auch andere Krankheiten übertragen sich beim Geschlechtsverkehr. Weiterhin ist Vorsicht geboten", sagt Huldrych Günthard vom Universitätsspital Zürich. Problematisch sind vor allem sexuell übertragbare Krankheiten wie Tripper, HPV oder Syphillis, aber auch Ko-Infektionen mit Tuberkulose, Malaria oder Hepatitis C. „Eine Ko-Infektion hat immer Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf und schlussendlich auf den Behandlungserfolg“.

Hepatitis C wird in der Regel zwar über Blut übertragen, tritt in der westlichen Welt aber immer häufiger in Kombination mit HIV auf. Wie Daten der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie zeigen hat sich Heptitis C unter homosexuellen HIV-Patienten in den letzten Jahren rasant ausgebereitet. Während die Infektionsrate bei Heterosexuellen konstant tief geblieben ist, und sich während 100 Patientenjahren im Schnitt nur 0.4 Personen mit Hepatitis C anstecken sind es bei der Risikogruppe 4.1 Personen. Im Vergleich zu 1998 ist das ein Anstieg um das 18-fache.

HIV und Hepatitis C bilden eine ungünstige Liaison

„HIV und Hepatitis C bilden eine ungünstige Liaison“, sagt Dr. Julian Schulze zur Wiesch vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Das ist eine große Herausforderung für das Immunsystem“. Normalerweise liegt die Chance einer Spontanheilung bei einer Hepatitis-C- Infektion bei 20 bis 50 Prozent. Bei HIV-Positiven sind die Spontanheilungschancen deutlich geringer, weil die HI-Viren die Immunabwehr unterdrücken. Ein chronischer Verlauf kann unbehandelt in rund 25Jahren zu einer schweren Schädigung der Leber führen. Mit einer HIV-Infektion verkürzt sich dieser Zeitraum auf 15 Jahre. Nicht nur die Immunsuppression durch das HI-Virus selbst sei problematisch, sagt zur Wiersch, sondern auch die schädigende Auswirkung der hoch aktiven antiretroviralen Therapie (HAART) auf die Leber.

Foto: © lenets_tan - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin

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