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Vorsicht bei Sehstörungen: Es gibt auch den Infarkt im Auge

Den Infarkt gibt es nicht nur im Herz – es gibt ihn auch im Auge. Dabei kommt es zu einer plötzlichen Durchblutungsstörung, die den Sehnerv dauerhaft schädigen kann. Um Folgeschäden zu vermeiden, ist es deshalb wichtig, sich sofort ärztliche Hilfe zu holen. Auch der Infarkt im Auge ist ein Notfall.
Graphik: Auge mit blauer Iris, unregelmäßige EKG-Kurve im Hintergrund.

Den „Infarkt" gibt es auch im Auge. Und er ist ein Notfall, bei dem man sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen sollte.

Beim Herzinfarkt sind die Symptome heftig, beim Schlaganfall auch. Stechender Schmerz in der Brust und Todesangst beim einen, Halbseitenlähmung mit Sprechstörung beim anderen. Eine dritte Form von Infarkt verläuft dagegen meistens schmerzfrei: der „Infarkt im Auge" – fachsprachlich: „Anteriore ischämische Optikusneuropathie" (AION) . Hierbei kommt es – wie bei Herzinfarkt und Schlaganfall auch – zu einem Verschluss von Gefäßen. Durch den akuten Verschluss einer den Sehnerv versorgenden Augenarterie kommt es zu einem Sauerstoffmangel im Seh-Nervengewebe. Dabei sterben die Neuronen des Sehnervs ab, der das Auge mit dem Gehirn verbindet. Da sich diese Zellen nicht neu bilden können, kann das im schlimmsten Fall zu einer Erblindung führen.

„Der Augeninfarkt ist ein Notfall"

Der Infarkt im Auge „ist ein augenärztlicher Notfall und muss sofort behandelt werden, weil es ansonsten zu einem unwiederbringlichen Absterben des Sehnervs kommt", sagt Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband. „Deshalb sollte man immer sofort zum Augenarzt oder zur Augenärztin gehen, wenn man plötzlich auftretende Sehstörungen bemerkt." Diese akut auftretenden Sehprobleme können sich wie folgt äußern: durch eine plötzliche Verminderung der Sehschärfe auf einem Auge; oder durch eine plötzliche Einschränkung des Sichtfelds auf der linken oder rechten Seite.

 

Risikofaktoren: Diabetes, Bluthochdruck, hohes Cholesterin

Auslöser eines Augeninfarkts ist meist eine Gefäßverstopfung (Embolie) im Rahmen eines Vorhofflimmerns oder einer Herzinnenhautentzündung (Endokarditis) oder eine fortgeschrittene Arteriosklerose, wie sie vor allem bei Patienten mit Diabetes auftritt. Bei 90 Prozent der Patienten mit einer AION liegen entweder Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems wie Bluthochdruck vor oder ein Diabetes.

Ungünstig für ein AION-Risiko sind außerdem Rauchen, Übergewicht, Bewegungs- und Flüssigkeitsmangel. Manchmal ist auch ein plötzlicher Blutdruckabfall der Auslöser, zum Beispiel nach einer Operation oder durch einen verletzungsbedingten Blutverlust; auch Gefäßentzündungen kommen als Ursachen infrage. In der Wissenschaft als Ursache ebenfalls diskutiert wird der Konsum von Viagra zur Behandlung der erektilen Dysfunktion.  Betroffene Männer sind meist älter als 50 Jahre. Für einen Augeninfarkt können auch Risikofaktoren im Auge selbst vorliegen: Dazu gehört vor allem der erhöhte Augeninnendruck.

Therapie: Durchblutung des Auges verbessern

Ein einheitliches Therapieschema für die Behandlung eines Augeninfarktes gibt es derzeit nicht. Ziel der Behandlung ist es vor allem, die Durchblutung des Auges zu verbessern. Zu den medizinsichen Maßnahmen zählen insbesondere diese:

  • Massage des Augapfels
  • Gabe von Blutverdünnern
  • Gabe von Diuretika (zur verstärkten Ausschwemmung von Urin)
  • Gabe von Betablockern zur Senkung des arteriellen Blutdrucks
  • Gabe von Medikamenten zur Gefäßerweiterung
  • Gabe von Gerinnungshemmern
  • Senkung des Augeninnendrucks durch eine Punktion der Augenvorderkammer

Heilungschancen abhängig von Schwere und Dauer

Die Heilungschancen einer AION sind abhängig von der Schwere der Durchblutungsstörung. In leichten Fällen mit einer nur kurzen Unterbrechung der Durchblutung von nur wenigen Minuten werden in der Regel wenige Nervenzellen des Sehnervs beschädigt oder zerstört. Die Verschlechterung der Sehkraft fällt dadurch weniger gravierend aus. Hält die Durchblutungsstörung jedoch länger an, kann der Nerv irreparabel geschädigt werden und die Schäden bleiben dauerhaft erhalten. Oft kann trotz raschen Therapiebeginns das ursprüngliche Sehvermögen nicht mehr hergestellt werden.

Foto: AdobeStock/titima157

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Hauptkategorie: Medizin
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