. Herzrhythmusstörung

Vorhofflimmern geht oft mit Depressionen einher

Vorhofflimmern geht häufig mit Depressionen, Schlafstörungen und körperlicher Inaktivität einher. Dabei verstärken Depressionen die körperlichen Symptome. Das hat eine Studie des Kompetenznetzes Vorhofflimmern (AFNET) herausgefunden. Sie wurde im Fachblatt Europace veröffentlicht.
Vorhofflimmern kann anfallsweise oder dauerhaft auftreten

Vorhofflimmern ist eine häufig auftretende Herzrhythmusstörung

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland sind davon betroffen. Viele Vorhofflimmerpatienten spüren typische Symptome wie Herzrasen, Luftnot oder Schwindel. Zusätzlich leiden Betroffene auch unter Depressionen, Schlafstörungen und anhaltender Müdigkeit.

Depressionen und Ängste wirken sich generell negativ auf den Verlauf von Krankheiten aus. Dies ist vielfach belegt. Bei Vorhofflimmern wurden diese Zusammenhänge bisher wenig erforscht. Ein Team unter Leitung des Psychosomatikers Prof. Karl-Heinz Ladwig vom Helmholtz Zentrum München hat nun die seelische Gesundheit von über 500 Patienten mit Vorhofflimmern untersucht.

Die Daten von Patienten mit paroxysmalem (anfallsartigem) Vorhofflimmern stammen aus der ANTIPAF-AFNET 2 Studie, die von Patienten mit persisierendem (anhaltendem) Vorhofflimmern aus der Flec-SL- AFNET 3 Studie.

Vorhofflimmern: Depressionen verstärken körperliche Beschwerden

Ergebnis: Depressive Stimmungen beeinträchtigen nicht nur das psychische Wohlbefinden, sondern verstärken auch die körperlichen Beschwerden. Symptome wie Unruhe, Übelkeit oder Kurzatmigkeit werden von den Betroffenen schwerwiegender empfunden als von Vorhofflimmerpatienten ohne Depression. Dies gilt bei paroxysmalem Vorhofflimmern ebenso wie bei persistierendem.

Dazu kommt: Arzt und Patient beurteilen die psychische Verfassung oft unterschiedlich: Depression, Schlafstörung und geringe körperliche Aktivität werden von Ärzten weniger gravierend eingeschätzt als von den Betroffenen selbst. Doch laut Ladwig sollte die Lebensqualität ein wichtiges Entscheidungskriterium für Therapieoptionen sein.

Therapie sollte auch psychische Verfassung berücksichtigen

„Kardiologen machen ihre Entscheidung für eine mehr oder weniger aggressive Therapie normalerweise davon abhängig, wie stark das Vorhofflimmern den Patienten belastet. Dabei sollten allerdings nicht nur körperliche Symptome, sondern auch die psychische Verfassung und Lebensqualität des Patienten berücksichtigt werden“, erklärt der Studien-Autor.

Seine Empfehlung: „Ärzte sollten geschult werden, damit sie Depressionen bei ihren Patienten besser erkennen. Außerdem wäre ein gezieltes Depressions-Screening in Kliniken und Praxen, die Vorhofflimmern behandeln, notwendig.“ Weitere Studien sollen erforschen, ob solche Maßnahmen den Gesundheitszustand der Vorhofflimmerpatienten verbessern können.

Foto: sudok1

Autor: red