. Herzrhythmusstörungen

Vorhofflimmern: Ein Schlaganfall kommt selten allein

Vorhofflimmern ist häufig die Ursache für einen Schlaganfall. Doch oftmals wissen die Patienten gar nichts von ihrer Herzrhythmusstörung. Jetzt hat eine Studie gezeigt: Mit einem Langzeit-EKG können Ärzte zahlreiche Fälle von Vorhofflimmern diagnostizieren, die sonst nie entdeckt worden wären.
Schlaganfall Studie: Langzeit-EKG spürt effektiver vorübergehendes Vorhofflimmern auf

Schlaganfall Studie: Langzeit-EKG spürt effektiver vorübergehendes Vorhofflimmern auf

Die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern ist tückisch, weil sie oft lange Zeit keine spezifischen Beschwerden macht, zugleich aber das Risiko für einen Schlaganfall signifikant erhöht. Ist es bereits zu einem Schlaganfall gekommen, werden Patienten in der Regel 24 Stunden lang mit einem Elektrokardiogramm (EKG) überwacht. Damit wollen Ärzte gefährdete Patienten herausfiltern, um dann bei Bedarf eine Behandlung mit blutverdünnenden Medikamenten einzuleiten.

Neurologen um Professor Martin Grond, Chefarzt der Neurologischen Klinik am Kreisklinikum Siegen, und britische Kollegen von der Universität Birmingham haben nun in einer Studie die Beobachtungszeit verdreifacht – sprich, das EKG auf 72 Stunden verlängert. Die Ärzte wollten nämlich auch vorübergehend auftretendes Vorhofflimmern nachweisen, was bei einer 24 Stunden-Messung naturgemäßig seltener möglich ist. Bei keinem der 1.135 Patienten, die wegen eines Schlaganfalls oder einer transienten ischämischen Attacke an einer Stroke Unit behandelt worden waren, hatte es zuvor Hinweise auf Vorhofflimmern gegeben.

Langzeit-EKG spürt unter 55 Patienten einen zusätzlichen Fall von Vorhofflimmern auf

Dank des Langzeit EKGs konnten die Ärzte im Rahmen der Studie immerhin 49 Fälle von Vorhofflimmern entdecken, was einem Anteil von 4,3 Prozent entspricht. Bei 20 dieser Patienten (40 % der Patienten mit Vorhofflimmern) wurde Vorhofflimmern erst am zweiten oder dritten Tag der Überwachungsperiode entdeckt. Das bedeutet: Das 72-Stunden-EKG spürt unter 55 Patienten einen zusätzlichen Fall von Vorhofflimmern auf. Den Studienleitern zufolge wurde ein vorübergehendes Vorhofflimmern überproportional häufig bei älteren Patienten entdeckt und bei solchen, die schon mal einen Schlaganfall erlitten hatten. Das traf auch auf die 29 Patienten zu, bei denen das Vorhofflimmern schon innerhalb der ersten 24 Stunden auftrat. 

Der Studienarzt Professor Marek Jauß von der Neurologische Klinik Mühlhausen sieht im Langzeit-EKG ein lohnenswertes Unterfangen: „Wenn das Vorhofflimmern durch eine verlängerte EKG-Überwachung erkannt wird, können diese Patienten mit den entsprechenden Gerinnungshemmern behandelt werden und sind nun deutlich besser vor einem erneuten Schlaganfall geschützt." Ein positives Ergebnis im Langzeit-EKG habe demnach unmittelbare Auswirkungen auf die Art der Sekundärprävention.

 

„Möglicherweise sollte man alle Schlaganfallpatienten antikoagulieren“

Ob man nun jeden Patienten nach einem Schlaganfall zwingend mit einem 72-stündigen Langzeit-EKG überwachen sollte oder sich auf Risikogruppen beschränkt, etwa auf über 65-jähirge – darüber sind sich die Ärzte noch nicht einig. „Vielleicht macht es sogar Sinn, Patienten nach Schlaganfall auch ohne Nachweis von Vorhofflimmern zu antikoagulieren“, meint Professor Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen, „da dies möglicherweise bei weit mehr Patienten als bisher die bessere Therapie darstellt.“ Eindeutige Antworten hierauf könne man aber nur durch weitere Studien finden, so der Schlaganfallspezialist.

Die Studie wurde im Dezember 2013 im Fachjournal „Stroke“ veröffentlicht.

Foto: © Alexander Raths - Fotolia.com

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