. Endoskopie

Vor Magen- oder Darmspiegelung Gerinnungshemmer absetzen

Vor einer Magen- oder Darmspiegelung, bei der es ein erhöhtes Blutungsrisiko gibt, sollten gerinnungshemmende Mittel abgesetzt werden. Das gilt auch für neuere Medikamente, wie die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) erklärt.
Gerinnungshemmer bei Endoskopie absetzen

Gerinnungshemmer können innere Blutungen verstärken

Dass vor einer endoskopischen Untersuchung des Magens oder Darms gerinnungshemmende Mittel mit dem Wirkstoff Phenprocoumon (bekannter unter dem Handelsnamen Marcumar) abgesetzt werden sollten, da sie die Blutungsneigung erhöhen, ist bekannt. Doch auch andere, in den letzten Jahren neu eingeführte Gerinnungshemmer wie Apixaban, Dabigatran und Rivaroxaban sollten vor einer Magen- oder Darmspiegelung nicht eingenommen werden, wenn die Untersuchung mit einem hohen Blutungsrisiko verbunden ist. Das rät die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

Gerinnungshemmer werden häufig von Patienten mit Herz-Rhythmus-Störungen und Vorhofflimmern oder nach einer Herzklappenoperation eingenommen. Sie verhindern, dass das Blut gerinnt und sich ein Blutpfropf (Thrombus) bildet, der ein Blutgefäß verstopfen und dadurch einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall auslösen könnte. Das Problem dieser Medikamente ist allerdings, dass Blutungen unter Umständen schlechter gestoppt werden können. Als besonders riskant gelten dabei ältere Mittel wie Marcumar. Da bei einer Magen- oder Darmspiegelung aber als Nebenwirkung innere Blutungen auftreten können, sollten solche Mittel unbedingt vorher abgesetzt werden.

Erfahrungen mit neueren Gerinnungshemmern noch gering

Patienten, die ein besonders hohes Risiko für eine Thrombose haben, wird geraten, die Einnahmepause mit Heparin-Injektionen zu überbrücken. Denn die gerinnungshemmende Wirkung der Heparinspritzen lässt sich leichter steuern als die von Marcumar. Doch bei einer akuten Magen-Darmblutung muss auch Heparin sofort abgesetzt werden. Als weniger problematisch gelten im Allgemeinen Gerinnungshemmer neueren Typs. Nach dem Absetzen gerinnt das Blut schneller wieder in normalem Maße. Allerdings sind die Erfahrungen mit diesen Mitteln noch so gering, dass Patienten auch diese Mittel bei einem erhöhten Blutungsrisiko während der Endoskopie vorsichtshalber absetzen sollten.

Vor einiger Zeit war das gerinnungshemmende Medikament Dabigatran sogar in die Schlagzeilen geraten, weil es angeblich zu mehreren Todesfällen durch innere Blutungen geführt haben soll. Neuere Studien konnten den Verdacht allerdings nicht erhärten, dass Dabigatran besonders oft zu Blutungen führt. Vielmehr scheint die Blutungsrate sogar geringer als bei älteren Gerinnungshemmern zu sein.

Medikamente nicht auf eigene Faust absetzen

Eine Endoskopie ist dann mit einem besonders hohen Blutungsrisiko verbunden, wenn während des Eingriffs auch Polypen entfernt werden sollen. Die kleinen Verletzungen der Schleimhaut können dann starke Blutungen nach sich ziehen. In jedem Fall sollten Betroffene sich darüber gründlich mit ihrem Arzt abstimmen, rät die DGVS. Einerseits sei der Schutz vor Herz- und Kreislauf-Komplikationen zu beachten, andererseits gelte es, lebensbedrohliche Blutungen zu vermeiden.

Ein Absetzen der Mittel auf eigene Faust sollte allerdings auf jeden Fall vermieden werden, so die Fachgesellschaft, denn dies könne tödliche Folgen haben. Welche Arzneistoffe im Einzelfall vor einer Magen- oder Darmspiegelung ausgesetzt werden müssen, sollte der Gastroenterologe in Absprache mit dem verschreibenden Arzt entscheiden.

Foto: © Gina Sanders - Fotolia.com

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