Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Vom Rheuma zur Osteoporose

Montag, 30. Juli 2012 – Autor:
Viele Rheumatiker leiden an Osteoporose. Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, warum Patienten mit so genannten CCP-Antikörpern besonders stark vom Knochenschwund betroffen sind.
Vom Rheuma zur Osteoporose

Rheuma geht oft mit Osteoporose einher

Dass Rheuma nicht nur eine gelenknahe Osteoporose, sondern auch einen systemischen Knochenschwund hervorrufen kann, ist keine neue Erkenntnis. Doch warum es bei manchen Patienten zu einem verstärkten Knochenschwund kommt, war bislang unklar. Wissenschaftler der Universitätsklinik Erlangen haben jetzt den Zusammenhang zwischen Autoimmunreaktionen und Osteoporose herausgefunden: Auslöser sind spezielle Antikörper, die schon in einem frühen Krankheitsstadium produziert werden. Wie die Forscher im "Journal of Clinical Investigation" (2012 Apr 16.) schreiben, handelt es sich um Antikörper gegen körpereigenes Gewebe wie beispielsweise gegen so genannte citrullinierte Proteine (CCP-Antikörper), die bei Blutuntersuchungen routinemässig bestimmt werden.

CCP-Antikörper regen die knochenfressenden Osteoklasten an

Demnach regen CCP-Antikörper direkt die Bildung der knochenfressenden Zellen Osteoklasten an und lösen so schon vor Ausbruch der Krankheit osteoporotische Knochenveränderungen aus. "CCP-Antikörper können Eiweissstrukturen auf Osteoklasten erkennen, die Bildung dieser knochenfressenden Zellen fördern und zu einem Ungleichgewicht des Knochenumbaus führen", berichten die Forscher um Ulrike Harre, Doktorandin an der Medizinischen Klinik 3 und Erstautorin der Arbeit.

Zwei Drittel aller Rheuma-Patienten haben CCP-Antikörper. Genau bei diesen Patienten treten im Krankheitsverlauf starke Gelenks- und Knochenschäden auf, die auf eine höhere Aktivität knochenfressender Zellen zurückzuführen sind. Der Zusammenhang zwischen CCP-Antikörpern und verstärktem Knochenschwund konnte bereits in zahlreichen Patientengruppen klinisch beobachtet werden. "Wobei der Mechanismus bisher völlig unbekannt war", sagt Ulrike Harre.

Fatale Allianz zwischen Immunsystem und Knochen

Um die Wirkung dieser Autoantikörper auf den Knochenstoffwechsel zu untersuchen, verglichen die Wissenschaftler Patienten mit rheumatoider Arthritis mit oder ohne CCP-Antikörper. Dabei kam heraus, dass Patienten mit diesen Antikörpern unter deutlich höherem Knochenverlust leiden. In experimentellen Untersuchungen konnten sie schliesslich nachweisen, dass die CCP-Antikörper direkt die Bildung von knochenfressenden Zellen anregen und es so aufgrund der hohen Anzahl dieser Zellen zu einer stärkeren Schädigung des Knochens kommt. Die Allianz zwischen Immunsystem und Knochen sei dabei in doppelter Weise fatal, sagt Harre: "Zum Einen greift sich der Körper dabei durch eine Entzündungsreaktion selbst an, zum Anderen führt die Bildung der Osteoklasten zu Osteoporose."

Bild: Medizinische Klinik 3 / Uni-Klinikum Erlangen

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Rheuma , Osteoporose , Immunsystem , Knochen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Rheuma

Screening- oder Frühsprechstunden beim Rheumatologen können dazu beitragen, den Krankheitsverlauf bei Rheuma positiv zu beeinflussen. Durch ein frühes Eingreifen ist sogar eine Remission der Erkrankung möglich, wie eine aktuelle Studie zeigen konnte.

29.01.2019

Menschen mit Gelenkrheuma haben oft auch ein erhöhtes Risiko für eine Reihe anderer Erkrankungen. Gleichzeitig werden sie weniger gut rheumatologisch versorgt, wenn sie Begleiterkrankungen haben. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie warnt nun vor einer Unterversorgung der Betroffenen.

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Etwa 5 Prozent der Bevölkerung verträgt kein Gluten. Das ist ein Klebereiweiß, das in Getreide wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, Hafer, Emmer vorkommt. Doch Lebensmittel haben, wenn Getreide verarbeitet wurde, einen sehr unterschiedlichen Glutengehalt.


Ob in der Arztpraxis oder im Fitnessstudio: Der BMI gilt als beliebte Methode, um festzustellen, ob jemand zu dick ist. Wissenschaftler kritisieren das. Der BMI unterscheide nicht zwischen Muskeln und Fett und sage nichts über die Fettverteilung aus.
 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin