. Knochenschwund

Vom Rheuma zur Osteoporose

Viele Rheumatiker leiden an Osteoporose. Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, warum Patienten mit so genannten CCP-Antikörpern besonders stark vom Knochenschwund betroffen sind.
Vom Rheuma zur Osteoporose

Rheuma geht oft mit Osteoporose einher

Dass Rheuma nicht nur eine gelenknahe Osteoporose, sondern auch einen systemischen Knochenschwund hervorrufen kann, ist keine neue Erkenntnis. Doch warum es bei manchen Patienten zu einem verstärkten Knochenschwund kommt, war bislang unklar. Wissenschaftler der Universitätsklinik Erlangen haben jetzt den Zusammenhang zwischen Autoimmunreaktionen und Osteoporose herausgefunden: Auslöser sind spezielle Antikörper, die schon in einem frühen Krankheitsstadium produziert werden. Wie die Forscher im "Journal of Clinical Investigation" (2012 Apr 16.) schreiben, handelt es sich um Antikörper gegen körpereigenes Gewebe wie beispielsweise gegen so genannte citrullinierte Proteine (CCP-Antikörper), die bei Blutuntersuchungen routinemässig bestimmt werden.

CCP-Antikörper regen die knochenfressenden Osteoklasten an

Demnach regen CCP-Antikörper direkt die Bildung der knochenfressenden Zellen Osteoklasten an und lösen so schon vor Ausbruch der Krankheit osteoporotische Knochenveränderungen aus. "CCP-Antikörper können Eiweissstrukturen auf Osteoklasten erkennen, die Bildung dieser knochenfressenden Zellen fördern und zu einem Ungleichgewicht des Knochenumbaus führen", berichten die Forscher um Ulrike Harre, Doktorandin an der Medizinischen Klinik 3 und Erstautorin der Arbeit.

Zwei Drittel aller Rheuma-Patienten haben CCP-Antikörper. Genau bei diesen Patienten treten im Krankheitsverlauf starke Gelenks- und Knochenschäden auf, die auf eine höhere Aktivität knochenfressender Zellen zurückzuführen sind. Der Zusammenhang zwischen CCP-Antikörpern und verstärktem Knochenschwund konnte bereits in zahlreichen Patientengruppen klinisch beobachtet werden. "Wobei der Mechanismus bisher völlig unbekannt war", sagt Ulrike Harre.

Fatale Allianz zwischen Immunsystem und Knochen

Um die Wirkung dieser Autoantikörper auf den Knochenstoffwechsel zu untersuchen, verglichen die Wissenschaftler Patienten mit rheumatoider Arthritis mit oder ohne CCP-Antikörper. Dabei kam heraus, dass Patienten mit diesen Antikörpern unter deutlich höherem Knochenverlust leiden. In experimentellen Untersuchungen konnten sie schliesslich nachweisen, dass die CCP-Antikörper direkt die Bildung von knochenfressenden Zellen anregen und es so aufgrund der hohen Anzahl dieser Zellen zu einer stärkeren Schädigung des Knochens kommt. Die Allianz zwischen Immunsystem und Knochen sei dabei in doppelter Weise fatal, sagt Harre: "Zum Einen greift sich der Körper dabei durch eine Entzündungsreaktion selbst an, zum Anderen führt die Bildung der Osteoklasten zu Osteoporose."

Bild: Medizinische Klinik 3 / Uni-Klinikum Erlangen

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