. Pneumologie

Vom Raucherhusten zur schweren Atemnot

Sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Die meisten COPD-Patienten sind Raucher jenseits des fünften Lebensjahrzehnts. Internisten fordern mehr Aufklärung
Vom Raucherhusten zur schweren Atemnot

Martin Bündenbender/pixelio

Ein harmloser Husten, ein wenig kurzatmig - Symptome, die viele Raucher über Monate und Jahre nicht beachten, können schwere Folgen haben. Bleiben sie unbehandelt und rauchen die Betroffene weiter, entwickelt sich in der Lunge eine chronische Entzündung, die mit vermehrter Schleimbildung und Auswurf einhergeht. Die chronische Entzündung führt zu einer zunehmenden und bleibenden Verengung der Bronchien und ihrer fein verzweigten Äste.

Verlauf und Therapie

"Etwa 15 bis 20 Prozent der Patienten, die an einer chronischen Bronchitis leiden, entwickeln bei fortgesetztem Rauchen eine COPD", sagt Professor Dr. med. Adrian Gillissen, Direktor der Klinik für Lungen- und Bronchialmedizin am Klinikum Kassel. Bei einigen Patienten überblähe sich nach und nach die Lunge und sie entwickeln eine rechtsseitige Herzschwäche. "Da die Erkrankung fortschreitend verläuft, leiden Betroffene in ihrem Alltag unter erheblichen Einschränkungen wie schwerer Atemnot und sinkender Leistungsfähigkeit", so der Experte.
Raucher, die unter Husten und Atembeschwerden leiden, sollten sich umgehend untersuchen lassen, empfiehlt Pneumologe Adrian Gilissen: "Nach der neuesten internationalen COPD-Leitlinie, die Ende 2011 veröffentlicht wurde, muss jede bestehende und sich verschlimmernde Luftnotsymptomatik durch eine Lungenfunktionsprüfung abgeklärt werden." Betroffene sollten sich daher an ihren Hausarzt wenden, der den Schweregrad mit einem Lungenfunktionstest bestimmt und eventuell an einen Lungenfacharzt weiter verweist. Stellt dieser eine COPD fest, leitet er eine Therapie mit Bronchien erweiternden und entzündungshemmenden Medikamenten ein.

COPD, eine vermeidbare Krankheit?

COPD ist - mit steigender Tendenz - die vierthäufigste Todesursache weltweit. Dabei handelt es sich im Grunde um eine vermeidbare Krankheit. Denn Ursache der Volkskrankheit ist in den meisten Fällen Zigarettenrauch. "Neuerkrankungen vorzubeugen ist deshalb eine wichtige Aufgabe von Medizinern, Politik und Gesellschaft", so Professor Dr. med. Joachim Mössner, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Insbesondere junge Menschen müssten über die Gefahren des Rauchens Bescheid wissen. Denn viele beginnen damit im Schulalter. Für Raucher, die den Zigarettenkonsum aufgeben möchten, fördern Krankenkassen Entwöhnungskurse. "Auch Rauchverbote an öffentlichen Orten tragen dazu bei, Neuerkrankungen zu vermeiden", sagt Professor Mössner.

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Rauchen , Lunge , Lungenerkrankungen , COPD

Weitere Nachrichten zum Thema Rauchen

| Jeden Tag sterben in Deutschland 300 Menschen am Rauchen. Damit geht jeder siebte vorzeitige Todesfall auf Tabakgenuss zurück. Diese und andere erschreckende Zahlen hat jetzt eine Studie ermittelt.
| Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören. Selbst im höheren Lebensalter trägt der Verzicht auf den Glimmstängel zu mehr Gesundheit bei und kann das Leben verlängern. Das hat eine aktuelle Studie US-amerikanischer Forscher nun bestätigt.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Bei Frauen mit genetisch bedingtem Lungenhochdruck kann Östrogen eine Rolle bei der Erkrankung spielen. Experimente zeigen nun, dass Medikamente, die das Östrogen hemmen, der Erkrankung vorbeugen und auch zu ihrer Behandlung dienen können.
Knapp drei Millionen Tiere sterben in Deutschland jedes Jahr für die Forschung – viele davon umsonst, weil sich die Ergebnisse aus Tierversuchen oft nicht auf Menschen übertragen lassen. Nun wurde ein Modellsystem ausgezeichnet, das Tierversuche in der Schlaganfallforschung ersetzen soll.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

Vivantes Klinikum im Friedrichshain, Raum 12.109/110 im Erdgeschoss, Landsberger Allee 49, 10249 Berlin
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.