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12.12.2020

Vivantes Kliniken schlagen Alarm: Belastungsgrenze zum Teil schon überschritten

Vivantes versorgt zusammen mit der Charité dreiviertel aller Corona-Patienten in Berlin. Nun fordert der landeseigene Klinikkonzern eine gerechtere Verteilung der Versorgungslast und eine sofortige Eindämmung der Pandemie. Die Belastungsgrenze sei in einigen Behandlungsteams bereits überschritten.
Corona bringt Vivantes Kliniken an den Rand des Machbaren

Corona bringt Vivantes Kliniken an den Rand des Machbaren

Ganz Berlin ist ein Corona-Hotspot. Doch nur zwei Klinikgruppen versorgen 70 Prozent der COVID-19-Patienten in der Hauptstadt – Vivantes und die Charité. Das ist nicht nur ungerecht, sondern gefährdet auch die Gesundheit des Klinikpersonals und damit letztlich die Versorgung.

Der landeseigene Klinikkonzern appelliert deshalb an die Bevölkerung und die Politik, den Infektionsschutz ab sofort drastisch zu erhöhen. „Wir brauchen Ihre Unterstützung, um Ihre Gesundheit und die unserer Mitarbeitenden zu schützen“, so Dr. Johannes Danckert, Vivantes Geschäftsführer Klinikmanagement.

Appell richtet sich Berlins Bevölkerung und Politik

Konkret fordert Vivantes zwei Dinge zum Schutz des Klinikpersonals: Erstens die Belastungen der Versorgung stationärer Covid-Patienten gerechter zu verteilen und dafür alle Krankenhäuser zu nutzen. Und zweitens die weitere Verbreitung des Virus sofort wirksam zu begrenzen – auch in Form eines sofortigen Lockdowns.

 

Höhere Zahlen als im Frühjahr

Die Zahl der zu behandelnden Patienten ist derzeit um ein Vielfaches höher als im Frühjahr, und sie steigt weiter, trotz der bisher von der Politik eingeleiteten Maßnahmen. Und anders als im Frühjahr hat die winterliche Infektionssaison gerade eben erst begonnen. Die Situation wird also noch die nächsten Wochen andauern.

„Die Teams in den Kliniken geraten an ihre Belastungsgrenzen“, warnt Danckert. Die Mitarbeitenden der Krankenhäuser seien zum Teil selbst erkrankt oder in Quarantäne, „Teile der Teams in den Kliniken sind schon jetzt überlastet.“

Lockdown nach Weihnachten kommt zu spät

Dadurch gerät laut Danckert auch die Regelversorgung unter Druck. „Wenn die Situation nicht außer Kontrolle geraten soll, müssen jetzt umgehend wirksame Maßnahmen ergriffen werden, nicht erst nach Weihnachten.“ Vom Einsetzen weiterer Beschränkungen bis zu einer spürbaren Entlastung der Krankenhäuser vergehen weitere 10 bis 14 Tage.

Unterdessen hat Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller einen härteren Lockdown für Berlin angekündigt. Bei einer Debatte am Donnerstag im Abgeordnetenhaus erklärte der Regierende an, Geschäfte schon vor Weihnachten schließen zu wollen. Der Lockdown soll vermutlich vom 20. Dezember bis zum 10. Januar dauern – und wenn möglich bundesweit gelten, so der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz Michael Müller. „Wir brauchen jetzt drei Wochen Pause, um die Infektionszahlen zu senken.“

Foto: © Adobe Stock/Halpfpoint

Autor: ham
Hauptkategorien: Corona , Berlin , Medizin
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