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Vitamin E-Präparate bei Neuropathien nutzlos

Um die Beschwerden von Neuropathien zu lindern, werden verschiedenste Vitaminpräparate angeboten – unter anderem Vitamin E. Dass dieses keinen Einfluss auf das Brennen und Kribbeln hat, konnten nun asiatische Forscher in einer Studie beweisen.
Neuropathie

Neuropathien können sehr quälend sein

Wer unter einer Neuropathie leidet, ist häufig verzweifelt und bereit, verschiedenste Methoden auszuprobieren, um die Beschwerden zu lindern. Besonders im Internet werden häufig Vitaminpräparate angeboten, welche die Neuropathien lindern sollen. Um den Nutzen von Vitamin E bei betroffenen Patienten festzustellen, wurden nun in einer Studie über 300 Patienten, die unter einer diabetischen Neuropathie litten, entweder zweimal täglich mit 200 Milligramm eines Gemisches aus Vitamin E oder mit einem Placebopräparat behandelt. Über die Ergebnisse der Studie berichtete die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Kein Nutzen von Vitamin E nachweisbar

Für die VENUS-Studie (Vitamin E in Neuroprotection Study) maßen die Forscher um den Pharmakologen Kah-Hay Yuen aus Penang (Malaysia) das von den Patienten selbst berichtete Ausmaß neuropathischer Schmerzen nach zwölf Monaten sowie die Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die Neuropathie und die Nervenleitungsgeschwindigkeit. Das Resultat: Auf allen drei Bewertungsskalen gab es keine Unterschiede zwischen der Gruppe mit Vitamin E und jener mit dem Scheinmedikament.

Lediglich bei zwei Untergruppen von Patienten deuteten nachträgliche Auswertungen auf einen geringfügigen Nutzen hin: Solche mit vergleichsweise hohen  Blutzuckerwerten (> 183 mg/dL) und diejenigen mit normalen Konzentrationen von Homozystein im Blut (< 15 µmol/L) hatten weniger stechende Schmerzen als die anderen. Festgestellt wurde aber auch, dass bei ansonsten identischen Nebenwirkungen in den beiden Gruppen bei 6,7 Prozent der Patienten unter Tocotrienolen Infektionen auftraten – das war fast zehnmal so häufig wie mit dem Scheinmedikament.

 

Verzicht auf Alkohol besser als Vitaminpräparate

„Den vielen Patienten mit diesem schwierig zu behandelnden Leiden sollte man deshalb keine falschen Hoffnungen machen“, kommentiert Professor Claudia Sommer (Würzburg) von DGN die Ergebnisse der Forscher. Sie rät Patienten mit Neuropathien daher davon ab, Geld für Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel auszugeben. Die asiatischen Forscher machen dennoch eine wenig Hoffnung: „Auch wenn Vitamin E offenbar keinen Erfolg verspricht, so können die Betroffenen dennoch selbst aktiv werden und durch häufige Kontrollen der Füße sowie den Verzicht auf Alkohol und Nikotin mithelfen, Schäden an den Nerven zu verhindern.“

Pregabalin und Antidepressiva können helfen

Mindestens 2,6 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Schmerzen, die durch Verletzungen oder Erkrankungen von Nerven entstehen. Die häufigste Ursache dieser sogenannten neuropathischen Schmerzen ist die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), bei der etwa die Hälfte aller Patienten betroffen sind. Man spricht dann von einer diabetischen Neuropathie, die auch Gegenstand der aktuellen Untersuchung war. Die Betroffenen leiden unter brennenden Schmerzen – häufig an den Füßen und Unterschenkeln – und Empfindungsstörungen wie Taubheitsgefühlen und Kribbeln.

In der Nationalen Versorgungsleitlinie „Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter“ sind mehrere hilfreiche Medikamente aufgeführt, darunter manche Antidepressiva, Pregabalin und einige ausgewählte Schmerzmittel. Abgeraten wird aber mangels wissenschaftlicher Belege von Cannabis-Extrakten, Capsaicin-Salbe, Alpha-Liponsäure sowie Vitamin B1 und dem verwandten Benfotiamin.

Foto: © nanettegrebe - Fotolia.com

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