. Stärkung des Immunsystems

Vitamin D nützlich bei multiresistenter Tuberkulose?

Multiresistente Tuberkulose ist weltweit auf dem Vormarsch und schwer behandelbar. Forscher aus London konnten nun zeigen, dass betroffene Patienten schneller gesund werden, wenn sie zusätzlich Vitamin D bekommen. Das Immunsystem wird offenbar durch das Sonnenvitamin massiv gestärkt.
Multiresistente Tuberkulos, Vitamin D

Multiresistente Tuberkulose macht Ärzten große Sorgen. Vitamin D kann offenbar die antibiotische Behandlung unterstützen

Adrian Martineau ist Infektionsforscher und Immunologe an der Queen Mary University of London. In zahlreichen Forschungsarbeiten konnte er den Nutzen von Vitamin D für das Immunsystem zeigen, etwa bei Lungenentzündungen und COPD. In einer neuen Arbeit geht es nun um eine tickende Zeitbombe: multiresistente Tuberkulose (MDR-TB). Sie ist deutlich schlechter zu behandeln als die herkömmliche Tuberkulose (TBC), da die verursachenden Bakterien gegen mindestens zwei der wirksamsten Medikamente resistent sind. Laut WHO steigt die Zahl der Erkrankten stetig an.

Vitamin D unterstützt das Immunsystem bei der Infektionsabwehr

Weil Martineau um die Wirksamkeit von Vitamin D bei Infektionskrankheiten weiß, hat er nun den Effekt bei Multiresistenter TBC untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Vitamin D die Beseitigung von Tuberkulose-Bakterien aus den Lungen von Patienten mit einer multiresistenten TBC beschleunigen kann.

„Durch das Hinzufügen von Vitamin D zur Behandlung mit Antibiotika kann das Immunsystem gestärkt und damit der Körper dabei unterstützt werden, die Krankheitserreger abzuwehren“, sagt Martineau, dessen Arbeit in "European Respiratory Journal" veröffentlicht wurde.

 

Vor allem Patienten mit multiresistenter Tuberkulose profitieren

Für die aktuelle Studie wurden die Daten von 1.850 Patienten ausgewertet, die an klinischen Studien in acht Ländern teilgenommen hatte, darunter Großbritannien, Pakistan, Bangladesch und Indien. Eine Subgruppenanalyse zeigte, dass vor allem Patienten mit multiresistenten TBC von der zusätzlichen Gabe von Vitamin D profitierten.

Bisherige Studien hatten zu widersprüchliche Ergebnissen geführt. Martineau will auch noch keine Behandlungsempfehlung geben, da die Studie sehr klein gewesen sei. Allerdings sieht er durch die Studie Hinweise auf einen Benefit durch Vitamin-D bei multiresistenter Tuberkulose gegeben, denen nun durch neue klinische Studien nachgegangen werden sollte.

Tödlichste Infektionskrankheit der Welt

Tuberkulose ist die tödlichste Infektionskrankheit der Welt. Im Jahr 2016 waren 1,7 Millionen Menschen daran gestorben, keine andere übertragbare Krankheit fordert so viele Todesopfer. Über 10 Millionen Menschen haben sich neu damit infiziert. Die WHO schätzt, dass im Jahr 2017 rund 600.000 neue Fälle resistent gegen Rifampicin waren, darunter 490.000 MDR-TB-Fälle. Rifampicin ist die effektivste First-line-Therapie. Ein Viertel der MDR-TB Kranken stirbt an der Infektion.

© utah778 - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Tuberkulose , Multiresistente Erreger , Antibiotika , Antibiotikaresistenzen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Tuberkulose

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Rotschimmelreis entsteht, wenn Reis mit einem Schimmelpilz fermentiert wird. Dabei entstehen neben dem roten Farbstoff Substanzen, die cholesterinsenkend wirken können und als Nahrungsergänzungsmitteln im Handel angeboten werden. Doch Achtung: Sie können so stark wirken wie Arzneimittel – ohne dass ihre Dosierung von Ärzten bestimmt und überwacht würde. Und sie haben genauso Nebenwirkungen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.