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Vitamin B12 beeinflusst Alzheimer-Erkrankung

Samstag, 17. September 2022 – Autor:
Die Versorgung des Körpers mit dem Stoffwechselvitamin B12 spielt offenbar eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Alzheimer-Demenz, aber auch bei deren Prävention und Behandlung. Eine aktuelle Studie spricht von einer „interessanten Mehrfachwirkung“.
Lebensmittel, die Vitamin B12 enthalten.

Deutsche Grundlagenforscher sprechen dem Stoffwechsel-Vitamin B12 eine relevante Rolle bei der Entstehung der Alzheimer-Erkrankung zu – aber auch bei deren Prävention. – Foto: AdobeStock/bit24

Vitamin B12 ist an einer Vielzahl von wichtigen Stoffwechselprozessen beteiligt: an der Blutbildung zum Beispiel, der Zellteilung oder der Funktionsfähigkeit des Nervensystems. Eine aktuelle Studie der „SRH Hochschule für Gesundheit“ in Leverkusen und der Universität des Saarlandes legt einen Zusammenhang zwischen dem Vitamin-B12-Spiegel im Körper und der Entstehung der Alzheimer-Erkrankung nahe. Die Experimente der Grundlagenforscher zeigen, dass eine ausreichende Versorgung des Körpers mit dem Stoffwechselvitamin einer Entstehung von Alzheimer offenbar vorbeugen kann. Umgekehrt könne ein Mangel daran die Krankheit begünstigen. In der Studie ist die Rede von einer „interessanten Mehrfachwirkung“.

Alzheimer: Eiweißbeläge („Plaques“) schädigen Gehirnsubstanz

Eines der charakteristischen Merkmale der Erkrankung ist die Anhäufung eines speziellen Eiweißes, des sogenannten Amyloid-beta (A-β). Dieses wird von Geburt an auch bei gesunden Menschen, die nicht von Alzheimer betroffen sind, gebildet. Allerdings halten sich hier Auf- und Abbau des Eiweißes die Waage. Kommt es zu einem vermehrten Aufbau oder einem reduzierten Abbau von A-β häufen sich immer mehr A-β-Eiweißmoleküle im Gehirn an, es bilden sich erst kleinere Aggregate, später dann größere Zusammenlagerungen, sogenannte Plaques: Das sind Ablagerungen in der grauen Hirnsubstanz, die Nervenzellen und -gewebe schädigen.

 

Teufelskreis mit  freien Radikalen und oxidativem Stress

Die Stoffwechselwege, die zum Auf- oder Abbau des A-β-Proteins führen, finden an oder in der Zellmembran statt, einer Hülle, die zu einem großen Anteil aus Fetten besteht. Frühere Studien haben gezeigt, dass durch eine Beeinflussung der Fette die Alzheimer-Erkrankung ursächlich positiv wie negativ beeinflussbar ist. Insbesondere nehmen Plasmalogene bei der Erkrankung eine schützende Funktion ein: das sind fettähnliche Bausteine in der Struktur von Zellmembranen. Durch sie wird die Bildung von A-β verringert.

Bei Alzheimer-Patienten ist deren Vorkommen aber deutlich reduziert. „Durch ihre chemische Struktur sind Plasmalogene besonders empfindlich gegenüber freien Radikalen und oxidativem Stress, der unter anderem bei Alzheimer durch das vermehrte Auftreten von A-β stark erhöht ist“, heißt es in einer Mitteilung der SRH Hochschule. „Hierdurch kommt es zu einem Teufelskreis“: Ein reduzierter Plasmalogen-Spiegel führt demnach zu einer vermehrten Produktion von A-β-Eiweißmolekülen, die wiederum durch oxidativen Stress die Plasmalogene zerstören, was die Produktion von A-β weiter beschleunigt.

Mehrfachwirkung von Vitamin B12 auf Alzheimer-Mechanismen

Ist genügend Vitamin B12 vorhanden, zeigen sich der Studie zufolge gleich mehrere positive Effekte, die einer Alzheimer-Prävention dienlich sein können. „Neben dem positiven Effekt auf die Fettzusammensetzung der Membran wirkt Vitamin B12 positiv auf die Entgiftung der Zelle von freien Radikalen und oxidativem Stress“, sagt Prof. Dr. Marcus Grimm, Studiengangsleiter im Bachelor-Studiengang Ernährungstherapie und -beratung bei der SRH-Hochschule für Gesundheit. „Diese Mehrfachwirkung von Vitamin B12 auf Mechanismen, die bei der Alzheimer-Erkrankung eine zentrale Rolle spielen, machen das Vitamin zu einem interessanten Ziel, welches bei der Prävention und Behandlung von Alzheimer eine wichtige Rolle spielen könnte.“

Wissenschaftler raten, Vitamin-B-12-Spiegel zu kontrollieren

Auch wenn klinische Studien (also Studien am Menschen, mit Patienten oder gesunden Probanden) die Ergebnisse aus den jetzt vorgenommenen Zellexperimenten erst noch bestätigen müssen, rät Studienautor Grimm insbesondere Personen, die eine höhere Wahrscheinlichkeit eines Vitamin-B12-Mangels aufweisen, diesen zu kontrollieren und auf eine Vitamin-B12-reiche Kost, gegebenenfalls unter Zuhilfenahme von Nahrungsergänzungsmitteln, zu achten.

Jeder Fünfte über 60 hat zu wenig Vitamin B12

Den Wissenschaftlern zufolge kommt ein Vitamin-B12-Mangel auch in westlichen Industrienationen vor. Das Risiko steige mit zunehmendem Alter. Schätzungen zufolge hat jede fünfte Person über 60 Jahre eine Vitamin-B12-Hypovitaminose, also eine Unterversorgung mit dem Stoffwechselvitamin.

Hauptkategorie: Medizin
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