Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Virologen empfehlen Genesene mit Geimpften gleichzustellen

Montag, 21. Februar 2022 – Autor:
Der vom RKI von sechs auf drei Monate verkürzte Genesenenstatus sorgte für Unmut. Die Gesellschaft für Virologie schlägt nun vor, Genesene mit Geimpften gleichstellen.
Genesen soll wieder wie geimpft gelten, das fordern Virologen

– Foto: Adobe Stock/Ronald Rampsch

Der vom RKI von sechs auf drei Monate verkürzte Genesenenstatus sorgte für Unmut. Erst später stellt das RKI klar, dass es dabei nur um ungeimpfte Genesene geht. Keinen Bestand hatte diese Entscheidung vor dem Berliner Verwaltungsgericht. Das gab jetzt zwei Klägern recht. Über die Geltungsdauer des Genesenenstatus müsse die Bundesregierung selbst entscheiden, so die Richter. Sie beriefen sich dabei auf das Infektionsschutzgesetz.

Der Bundesgesundheitsminister hat die Entscheidungshoheit darüber nun an sich gezogen. Noch ist unklar, wie es weitergeht. Derweil empfiehlt die Gesellschaft für Virologie in einer aktuellen Stellungnahme, Geimpfte und Genesene (wieder) gleichzustellen und liefert auch eine Begründung dafür.

Antikörperantwort von Genesenen ist niedriger

Um einen guten Schutz vor Infektion mit der Omikron-Variante zu haben, bedarf es eines auseichend hohen Spiegels an Antikörpern. In verschiedenen Veröffentlichungen wurde gezeigt, dass das Serum von Personen, die nicht geimpft sind und eine Infektion mit SARS-CoV-2 (nicht Omikron) durchlaufen haben, eine niedrige, mitunter nicht mehr nachweisbare Aktivität gegen die Omikron-Variante aufweist.

Seren von Personen, die eine Kombination aus Infektion und Impfung durchlaufen haben, oder von geimpften Personen, die eine Auffrischungsimpfung erhalten haben, weisen eine bessere Antikörperantwort gegen die Omikron-Variante auf. Das spricht an sich dafür, Genesene nicht mit Geimpften gleichzusetzen.

 

Wichtig sind drei Antigen-Kontakte

Aber: Sowohl eine Impfung als auch eine Infektion führen zu einem Antigen-Kontakt. Studien zeigen, dass sich nach drei Antigen-Kontakten qualitativ hochwertige Antikörper gegen das SARS-CoV-2 entwickeln, die in der Lage sind, die Omikron-Variante zumindest teilweise zu neutralisieren. Dies ist unabhängig von den unterschiedlichen Konstellationen der Antigen-Kontakte: 3-fach geimpft, 2-fach geimpft und genesen oder genesen und 2-fach geimpft.

Aktuell kann keine Aussage darüber getroffen werden, wie lange ein Schutz mehrfach Infizierter ohne Impfung besteht. Außerdem ist aktuell unklar, wie lange und in welchem Umfang der Schutz bei Genesenen mit nur einer Impfung (2 Antigen-Kontakte) besteht.

Gesellschaft für Virologie: Genesene mit Geimpften gleichstellen

Auf Basis dieser Daten schlägt die Gesellschaft für Virologie vor, deutschlandweit eine pragmatische Regelung anzuwenden, die Personen mit drei Antigenkontakten, unabhängig von der Art der Antigenkontakte (Impfung oder Infektion), gleichsetzt.

Dies wird bereits in einigen Bundesländern so gehandhabt, zum Beispiel in Hamburg und Bayern, wo dieser Personenkreis bei der Anwendung der 2G-plus-Regel weitgehend von einem Testnachweis befreit ist.

T-Zell-Antwort bei Genesenen und Geimpften gleich

Neben Antikörpern spielt bei der Abwehr der SARS-CoV-2 Infektion auch die zelluläre Immunität eine Rolle. Wichtig dabei sind sogenannte T-Zellen, die virusinfizierte Zellen erkennen und zerstören. Hier gibt es erste Publikationen, die darauf hindeuten, dass die T-Zell-Antwort bei Genesenen wie auch bei vollständig Geimpften bei einer späteren Infektion mit der Omikron-Variante weiterhin wirksam ist und einen guten Schutz gegen schwere Covid-19-Verläufe vermitteln können.

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus , Impfen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Genesenen-Status

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin