Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Virologe Drosten: Auch bei Geimpften kein Verlass auf Corona-Schnelltests

Freitag, 26. November 2021 – Autor:
Der Berliner Virologe Christian Drosten warnt davor, Corona-Schnelltests zu überschätzen. Bei Menschen, die trotz Impfung infiziert seien, könnten die Tests in der frühen Phase der Infektion negativ ausfallen und für trügerische Sicherheit sorgen, sagte Drosten in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Trotz Mängeln sei ein regelmäßiger und breitflächiger Einsatz dieser Tests aber weiter sinnvoll.
Corona-Schnelltest zwischen PC-Tastatur und Kaffeetasse im Büro.

Corona-Schnelltest – hier im Büro. – Foto: AdobeStock/Patrick Daxenbichler

Christian Drosten würde sich auch bei Geimpften nicht auf Schnelltests verlassen, wenn es darum geht, etwa vor einem Besuch in einem Restaurant alle Menschen mit einer Infektion zu identifizieren. Das sagt der Berliner Virologe in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Drosten fordert Impfplicht für Pflegepersonal und Besucher in Altenheimen

Auch beim Schutz alter Menschen in Heimen reichten Tests allein nicht aus, sagt Drosten. Er fordert deswegen strenge Regeln: „Alle Bewohner müssen unbedingt geboostert und natürlich müssen auch alle Mitarbeiter geimpft sein – genauso wie alle Besucher."

Der Schnelltest könnte „bei Geimpften in der frühen Phase einer Infektion etwas weniger empfindlich reagieren", sagt Drosten. Der Unterschied zwischen Geimpften und Ungeimpften sei zwar nicht riesig, so Drosten, doch „inzwischen bin ich davon überzeugt, dass es ihn gibt."

 

„Trotz der Mängel nicht auf die Schnelltests verzichten“

Trotz der Mängel sollte man allerdings nicht auf die Schnelltests verzichten, sagte der Virologe weiter. Ein regelmäßiger und breitflächiger Einsatz sei „absolut sinnvoll". Wenn man etwa in einer Firma immer wieder die gleiche Gruppe teste und im Falle eines erkannten positiven Falles diese Gruppe in eine Kurzquarantäne schicke, könne dies viel bewirken.

Studie: Zuverlässigkeit von Schnelltests nicht halb so hoch wie von Herstellern angegeben

Zu einer kritischen Einstellung gegenüber Schnelltest gibt auch eine erst im Juli erschienene Studie der Universität Würzburg Anlass. Demnach sind Corona-Schnelltests nicht einmal halb so zuverlässig wie von Herstellern versprochen. In ihrer Studie setzten sich Wissenschaftler mit dem nicht unproblematischen Zulassungsverfahren auseinander, in dem der Hersteller quasi sich selbst hohe Zuverlässigkeitsraten durch eigene Labordaten bescheinigen kann und darf.

Die Würzburger Studie stellt den Herstellerangaben ein vernichtendes Zeugnis aus. Während auf der Verpackung Zuverlässigkeitsraten von um die 90 Prozent angepriesen würden, läge „die Sensitivität der Antigen-Schnelltests im klinischen Praxiseinsatz mit 42,6 Prozent signifikant unter den Herstellerangaben“, heißt es in einer Mitteilung der dortigen Julius-Maximilians-Universität. Eine „Sensitivität“ von 90 bedeutet hier: Von 100 Infizierten, die sich einem Schnelltest unterziehen, sollen über 90 Prozent aufgespürt werden können.

Trügerische Sicherheit bei „negativem“ Testergebnis

Problematisch sind Schnelltest-Ergebnisse aus Sicht der Mediziner vor allem zu Beginn einer Infektion. „Dann liefern Antigen-Schnelltests möglicherweise erst später als ein PCR-Test die richtige Diagnose und können so den Betroffenen eine falsche Sicherheit geben“, sagt Studienleiter Manuel Krone. Die Gefahr sei damit groß, dass sich Infizierte aufgrund eines negativen Testergebnisses fälschlicherweise in Sicherheit wiegten, nicht mehr an die Abstands- und Hygieneregeln hielten und somit das Virus in ihrem Umfeld verbreiteten.

Gut, um „Superspreader“ aufzuspüren und Infektionsketten zu unterbrechen

Trotz der schlechten Noten, die die Studie Schnelltests ausstellt, wollen die Forschenden – wie Drosten jetzt in der Zeit – nicht explizit von Schnelltests abraten. Großflächig und regelmäßig eingesetzt seien Schnelltests geeignet, Hochinfektiöse – also Personen, die bereits mitten im Infektionsgeschehen stünden – zu identifizieren. Oder um asymptomatischen Sars-CoV-2-Infizierte aufzuspüren und damit Infektionsketten zu unterbrechen. „In Situationen, in denen eine momentan hohe Infektiosität ausgeschlossen werden soll, weil viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, können Antigen-Schnelltests eine sinnvolle Ergänzung weiterer Hygienemaßnahmen darstellen“, sagte die Erstautorin der Studie, Isabell Wagenhäuser.

Niedrige Viruslast: „Infektionen so gut wie nicht erkannt“

„Unsere Auswertung zeigt, dass Sars-CoV-2-Infizierte mit sehr hoher Viruslast – potenzielle ‚Superspreader‘ – sehr zuverlässig mittels Antigen-Schnelltests als positiv erkannt werden“, sagt Studienleiter Manuel Krone. „In Sars-CoV-2-Proben mit niedrigen Viruslasten hingegen werden Infektionen so gut wie nicht erkannt.“

Hauptkategorie: Corona
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Forschung , Infektionskrankheiten , Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema „Corona-Tests“

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Plötzlicher Herzstillstand: Für zufällig Anwesende oder Angehörige ist das selbst eine Extremsituation. Aus Aufregung oder aus Angst davor, etwas falsch zu machen, wird oft gar nichts gemacht. Dabei kommt es hier wirklich auf Minuten an – und durch entschlossenes Handeln kann man Leben retten. Eine App der Deutschen Herzstiftung begleitet Laien dabei, im Herznotfall richtig zu reagieren.


Sie gehört zu den heftigsten Schmerzerfahrungen, die Menschen machen können. Schauplatz der Attacken ist das besonders stark mit Nerven versorgte und deshalb besonders empfindliche Gesicht. Frauen trifft es häufiger als Männer, meist beginnt die Schmerzkrankheit ab einem Alter von 40: die Trigeminusneuralgie.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin