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Viele Vitamin-D-Präparate nutzlos oder sogar schädlich?

Vitamin-D-Präparate liegen im Trend. Doch sind sie auch immer sinnvoll? „Öko-Test“ hat 21 Vitamin-D-Mittel einem Test unterzogen. Das Ergebnis: Der Nutzen vieler Präparate ist fraglich, einige erhielten sogar die Testnoten „mangelhaft“ oder „ungenügend“.
Vitamin D, Nahrungergänzungsmittel

Vitamin-D-Präparate sollten nur auf ärztliche Anweisung eingenommen werden

Vitamin D wird vom Körper hauptsächlich durch die Hilfe von Sonneinstrahlung gebildet. Daher haben viele Menschen im Winter Sorge, nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt zu sein, und greifen zu Pillen, die das Vitamin künstlich zuführen sollen. Das Verbrauchermagazin „Öko-Test“ hat nun 21 Vitamin D-Präparate näher unter die Lupe genommen, darunter fünf rezeptfreie Arzneimittel, die in Apotheken erhältlich sind, und 16 Nahrungsergänzungsmittel aus Drogerien oder Supermärkten.

Das Fazit: Die getesteten Arzneimittel schnitten mit „gut“ oder „sehr gut“ ab, da ihre Wirksamkeit belegt und die Dosierung angemessen war. Bei den Nahrungsergänzungsmitteln war hingegen kein einziges empfehlenswert. Sechs der Präparate erhielten die Note „befriedigend“ und zehn Mittel fielen sogar als "mangelhaft" oder "ungenügend" komplett durch.

Viele Präparate erhielten zu hohe Mengen an Vitamin D

Einer der Kritikpunkte der Tester: Die Hälfte der Nahrungsergänzungsmittel enthielten Vitamin D-Gehalte, welche die Höchtsmengenempfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) überschritten. Laut BfR sollte die Tagesdosis an Vitamin D bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht mehr als 20 µg betragen; das entspricht 800 Internationalen Einheiten (I.E.). Dabei handelt es sich um die Einheit, in der Vitamin D-Gehalte üblicherweise angegeben werden. Vier Präparate überschritten diesen Wert mit 25 Mikrogramm, vier weitere Produkte enthielten sogar noch mehr Vitamin D. Zu den Mitteln mit der höchsten Dosierung gehörten die Produkte von Abtei und tetesept. Sie enthalten teilweise mehr als 40 µg pro Tablette.

Die getesteten Arzneimittel mit Vitamin D erhielten hingegen gute Noten. Ihr Nutzen sei belegt, so „Öko-Test“. Als „sehr gut“ wurden die Präparate von „Mibe“, „Merck“, „Wörwag“ und „Hexal“ bewertet. Der Hersteller „Hevert“ schnitt nur aufgrund eines Deklarationsmangels etwas schlechter ab, da auf dem Beipackzettel auf einen Zusammenhang zwischen Vitamin D und Krebserkrankungen, Multipler Sklerose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes hingewiesen werde. Diese Zusammenhänge seien jedoch noch nicht eindeutig belegt, so „Öko-Test“. Das Testurteil lautet deshalb nur „gut“. Allerdings gibt es für einige dieser Zusammenhänge tatsächlich bereits einige Hinweise, die allerdings noch durch weitere Studien bestätigt werden müssten.

 

Einnahme von Vitamin D bei erwiesenem Mangel sinnvoll

Grundsätzlich sei eine Substitution mit Vitamin gar nicht nötig, so die Experten von „Öko-Test“. Ein gesunder Mensch speichere im Sommer genügend Vitamin D, um davon im Winter zehren zu können. Zu hohe Dosen können der Gesundheit hingegen sogar schaden und zu Übelkeit, Nierenschäden und einem zu hohen Kalziumspiegel im Blut führen. Bei bestimmten Risikogruppen oder bei einem nachgewiesenen Vitamin-D-Mangel können die Präparate allerdings sinnvoll sein. Daher wird geraten, Vitamin D nur in Rücksprache mit dem Arzt und unter ärztlicher Kontrolle einzunehmen.

Meta-Studie: Vitamin D und Kalzium konnten Risiko für Knochenbrüche nicht senken

Die Hoffnung, durch Vitamin D in Verbindung mit Kalzium sein Osteoporose-Risiko und die Folgen reduzieren zu können, erhielt erst kürzlich durch eine Meta-Studie einen Dämpfer. Die Forscher um Dr. Jia-Guo Zhao vom Tianjin Hospital in Tianjin hatten nach der Analyse von 33 klinischen Studien mit mehr als 50.000 Teilnehmern zeigen können, dass eine künstliche Zufuhr von Vitamin D und Kalzium das Risiko von Knochenbrüchen oder Hüftfrakturen nicht reduzierte. Die prophylaktische Einnahme sei daher nicht sinnvoll, so das Fazit der Wissenschaftler. Allerdings hatten an der Studie nur bis dahin gesunde Menschen teilgenommen. Für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen könnten die Empfehlungen anders ausfallen.

Foto: © Photocreo Bednarek - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Prävention und Reha
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