. Patientenrechte

Viele Patienten entscheiden sich nach Zweitmeinung um

Mehr als zwei Drittel (72 Prozent) der Patienten, die eine ärztliche Zweitmeinung bei einem weiteren Spezialisten eingeholt haben, ändern aufgrund des Rates ihre ursprüngliche Behandlungsentscheidung ganz oder teilweise.
Gespräch mit einem Spezialisten

Patienten können vor einem Eingriff eine Zweitmeinung einholen

Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die im Rahmen des Gesundheitsmonitors von Barmer GEK und der Bertelsmann Stiftung durchgeführt wurde. Dazu wurden die Antworten von 1.598 Befragten ausgewertet.

"Etwa ein Viertel der Bevölkerung hat bereits konkrete Erfahrungen mit Zweitmeinungen gemacht", so Prof. Max Geraedts von der Universität Witten/Herdecke, einer der Studienautoren. Für besonders relevant hielten die Bürger eine solche Möglichkeit gerade bei Krebserkrankungen, bei Operationen an Knochen und Gelenken sowie inneren Organen und bei Herzkatheter-Untersuchungen.

Patienten suchen Zweitmeinung, weil sie sich unsicher sind

Die Umfrageergebnisse belegen, dass viele Menschen bei der Entscheidung für oder gegen eine Behandlung unsicher sind und deswegen eine Zweitmeinung einholen (53 Prozent). 43 Prozent hatten schlechte Erfahrungen mit früheren Behandlungen, und 15 Prozent folgten dem Rat ihrer Freunde oder Bekannten.

89 Prozent der Befragten halten es grundsätzlich für sinnvoll, vor wichtigen Untersuchungen und Behandlungen eine Zweitmeinung einzuholen. „Ein qualifiziertes Zweitmeinungsverfahren kann Patientinnen und Patienten eine wertvolle Hilfe geben, um Chancen und Risiken planbarer Eingriffe besser einzuschätzen und nicht notwendige Operationen zu vermeiden“, erklärt Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK. Die Kasse bietet ihren Versicherten Zweitmeinungsverfahren vor Operationen an der Wirbelsäule oder am Hüft- oder Kniegelenk an.

"Die Befragungsergebnisse des Gesundheitsmonitors bestätigen das große Interesse und die Nachfrage in der Bevölkerung, sich vor wichtigen Entscheidungen über anstehende Eingriffe oder Behandlungen intensiver zu informieren", so Dr. Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Eine weitere, wichtige Erkenntnis läge zudem darin, dass die Ergebnisse der Zweitmeinung für die Mehrheit der Befragten entscheidungsrelevant seien.

Foto: Monkey Business

 
Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Patientenrechte
 

Weitere Nachrichten zum Thema Zweitmeinung

| Jede zehnte von jährlich 160.000 Knie-Operationen in Deutschland ist aus Expertensicht überflüssig. Die Barmer GEK rät ihren Versicherte daher, vor dem Eingriff eine Zweitmeinung einzuholen. Dazu hat die Krankenkasse Verträge mit Spezialisten abgeschlossen.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Ein Drittel der Zwölfjährigen in Deutschland hat bereits Karies im bleibenden Gebiss. Das ist eines der Ergebnisse des BARMER-Zahnreports 2020. Die Autoren betonen auch, wie wichtig die Pflege und regelmäßige Kontrolle von Milchzähnen ist.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.