. Umfrage der GfK-Marktforschung

Viele Deutsche haben ihr „Lieblingsschmerzmittel"

Fast 30 Prozent der Deutschen greifen schnell zu Schmerzmitteln, um möglichst rasch wieder beschwerdefrei zu sein. Gut 40 Prozent setzen bei Schmerzen immer auf das gleiche Medikament – dabei ist nicht jedes Präparat für jede Art von Schmerzen auch gleich gut geeignet.
Grinsendes Frauengesicht mit Schmerztablette zwischen den Zähnen

Eine Tablette für alles: Vier von zehn Deutschen nehmen bei jeglicher Form von Schmerz immer dasselbe Medikament. Nur weil es ihnen vertraut ist, muss seine Einnahme längst nicht hilfreich oder sinnvoll sein.

29 Prozent der Bundesbürger setzen bei Schmerzen auf Selbstmedikation und nehmen bei Bedarf immer sofort ein Schmerzmittel ein. Das hat eine repräsentative Umfrage der GfK-Marktforschung im Auftrag der „Apotheken Umschau“ ergeben. Vergleichbar viele (31 Prozent) benutzen mindestens einmal im Monat ein rezeptfreies Schmerzmittel. Hinter dieser Durchschnittszahl verbirgt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern: Mit einem Anteil von 36 Prozent konsumieren Frauen deutlich häufiger schmerzstillende Mittel als Männer (25 Prozent). Ein Fünftel der Bevölkerung (20 Prozent) greift mindestens einmal im Monat wegen Kopfschmerzen zu rezeptfreien Mitteln, ein Zehntel, um Rückenschmerzen zu bekämpfen.

Das Lieblingsschmerzmittel: Einfach, aber nicht immer sinnvoll

Ein großer Anteil der Bevölkerung verfügt über das Bewusstsein, dass Schmerzmittel nicht gleich Schmerzmittel ist. 41,9 Prozent der Deutschen hält der GfK-Umfrage zufolge in ihrer Hausapotheke gleich eine Auswahl solcher Medikamente vorrätig, um Schmerzen mit dem jeweils geeigneten Mittel bekämpfen zu können. Bei der Umfrage der Apotheken Umschau gaben allerdings auch 42 Prozent der Deutschen an, dass sie „bei Schmerzen aller Art immer ihr Lieblingsschmerzmittel einnehmen“. Genau das sehen Experten aber kritisch. „Ein Universalmittel gegen alle Arten von Schmerzen gibt es nicht", sagt der Generalsekretär der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), Charly Gaul. Bei der Einnahme von schmerzstillenden Mittel müssten immer mögliche Vorerkrankungen sowie die Art der Beschwerden Berücksichtigung finden.

Schmerzmittel: Die beliebtesten Marken

  1. Voltaren (Wirkstoff: Diclofenac)
  2. Aspirin Schmerztabletten (Wirkstoff: Acetylsalicylsäure)
  3. Aspirin Plus C (Wirkstoffe: Acetylsalicylsäure, Vitamin C)
  4. Paracetamol-ratiopharm (Wirkstoff: Paracetamol)
  5. Thomapyrin (Wirkstoffe:  Paracetamol, Acetylsalicylsäure)

Quelle: Statista GmbH

 

Zwei Drittel warten erst mal, ob Schmerzen nicht wieder verschwinden

Dem schmerzmittelfreudigen Teil der Bevölkerung steht offenbar ein bewusster bist kritischer Teil gegenüber. So ergab die GfK-Umfrage auch, dass mehr als zwei Drittel der Bundesbürger (67,7 Prozent) vor einer Einnahme zunächst abwarten, ob die Schmerzen nicht wieder von alleine verschwinden. 41 Prozent vermieden die Einnahme von Schmerzmitteln sogar komplett – aus Angst, sich daran zu gewöhnen.  Jeder Sechste (16,8 Prozent) hat nach eigenen Angaben zurzeit gar kein Schmerzmittel zum Einnehmen im Haushalt.

Nebenwirkungen auf Magen, Leber, Nieren, Herz und Kreislauf

„Viele Schmerzen lassen sich mit Selbstmedikation gut behandeln", sagt DMKG-Generalsekretär Gaul. Ein allzu sorgloser Konsum wird von Experten allerdings kritisch gesehen. Schmerzmittel bergen das Risiko von Nebenwirkungen auf Magen, Leber, Nieren und das Herz-Kreislauf-System. Darüber hinaus gilt etwa die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft als nicht unbedenklich. „Zudem ist akuter Schmerz auch ein Warnsignal des Körpers, das man nicht dauerhaft unterdrücken sollte“, gibt die Apotheken Umschau zu bedenken. „Dann ist es wichtiger, den Ursachen auf den Grund zu gehen und diese gezielt zu behandeln.“

Schmerzmittel-Umsatz in Deutschland: 565 Millionen im Jahr

Nach einer Prognose des Statistikportals „Statista“ wird der Umsatz bei Schmerzmitteln im laufenden Jahr 2019 in Deutschland voraussichtlich 565 Millionen Euro betragen. Das entspricht einem rechnerischen Pro-Kopf-Umsatz von 6,80 Euro. Von dieser Statistik erfasst sind freiverkäufliche, nicht-opioide Schmerzmittel, die pflanzlichen Ursprungs oder synthetisch hergestellt sein können und in niedriger Dosierung verkauft werden. Nicht enthalten sind verschreibungspflichtige Mittel wie Morphin, Anästhetika und homöopathische Mittel.

Foto: Fotolia.de/Dan Race

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Hauptkategorie: Medizin
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