. Studie der Bundestherapeutenkammer

Viel Verbesserungsbedarf bei Psychotherapie in Kliniken

Psychiatrische und psychosomatische Krankenhäuser verfügen über zu wenig und teilweise nicht ausreichend qualifiziertes Personal, um ihren Patienten eine leitlinienorientierte Behandlung anbieten zu können.

Psychotherapie in Kliniken - oft nicht leitliniengerecht!

Dies ist das Ergebnis einer Studie der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) zur stationären Versorgung psychisch kranker Menschen. Für diese Studie hat das IGES Institut im Auftrag der BPtK mehr als 1.500 in Krankenhäusern arbeitende Psychotherapeuten befragt. „Psychisch kranke Menschen, die an einer Schizophrenie oder einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden, können nicht davon ausgehen, dass sie in jedem Krankenhaus eine Behandlung nach dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse erhalten“, stellt BPtK-Präsident Prof. Dr. Rainer Richter fest. „Wir brauchen dringend neue Mindestanforderungen für eine angemessene personelle Ausstattung der Kliniken, in denen psychisch kranke Menschen behandelt werden.  

In den Kliniken: Zu viel Pharmakotherapie – und zu wenig Psychotherapie?

Beispiel Schizophrenie: Im Jahr 2012 wurden fast 130.000-mal Patienten in eine Klinik eingewiesen. Gemäß den Empfehlungen evidenzbasierter Leitlinien soll Patienten mit Schizophrenie neben einer medikamentösen Behandlung in allen Phasen der Erkrankung – auch in der Akutphase – eine psychotherapeutische Behandlung angeboten werden. In nahezu allen Kliniken (94 Prozent) gaben die befragten Psychotherapeuten an, dass alle Patienten mit einer Schizophrenie medikamentös behandelt werden. Aber nur in 46 Prozent der Einrichtungen wird auch allen Patienten eine Psychotherapie angeboten. In 11 Prozent der Häuser fehlt Psychotherapie vollständig im Behandlungsangebot und in weiteren 42 Prozent wird Psychotherapie nur einem Teil der Patienten angeboten. ?Ob und in welcher Intensität zum Beispiel Patienten mit einer Schizophrenie ein psychotherapeutisches Angebot erhalten, ist auch davon abhängig, ob Patienten in einem Allgemeinkrankenhaus oder einer Universitätsklinik behandelt werden. Bei der Bewertung des psychotherapeutischen Angebots weisen die Befragten aus psychiatrischen Abteilungen in Allgemeinkrankenhäusern insgesamt auf die größten Defizite hin. 

Psychotherapeuten mahnen Verbindlichkeit der G-BA-Empfehlungen an 

Dabei werden die Budgets aller Krankenhäuser grundsätzlich auf der gleichen Basis (Psychiatrie-Personalverordnung) verhandelt. Die Behandlungsqualität in psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen hängt maßgeblich von Anzahl und Qualifikation des therapeutischen Personals ab. Für das neue pauschalierende Entgeltsystem für Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP) erarbeitet der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Empfehlungen für die Ausstattung der Einrichtungen mit therapeutischem Personal. „Neue Empfehlungen zur Personalausstattung der Kliniken sind überfällig.“ BPtK-Präsident Richter fordert: „Der G-BA sollte sie spätestens bis Ende 2016 vorlegen.“ Empfehlungen allein sichern aber keine ausreichende Strukturqualität. „Der Gesetzgeber muss klarstellen, dass die Empfehlungen des G-BA zu den Mindestanforderungen der personellen Ausstattung für die Kliniken verbindlich sind“, fordert Richter. Außerdem sollte das geplante Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen verpflichtet werden, regelmäßig die Qualitätsberichte der Krankenhäuser hinsichtlich dieser Daten auszuwerten und die Ergebnisse einrichtungsbezogen, vergleichend und in verständlicher Form zu publizieren. Nur so könne sichergestellt werden, dass die Anforderungen auch eingehalten werden.

Foto: Fotolia

Autor: Cornelia Wanke
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

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