. Unerwünschte Nebenwirkungen

Viagra als Hautkrebstreiber unter Verdacht

Der Viagra-Wirkstoff Sildenafil regt offenbar nicht nur die männliche Potenz, sondern auch das Wachstum von Melanomen an. Der neue Fund aus Tübingen erhärtet den Verdacht, dass das Potenzmittel das Hautkrebsrisiko bei Männern erhöht.
Viagra und Hautkrebs: Inzwischen scheint belegt, dass der Wirkstoff in den Signalweg von Melanomen eingreift und das Krebswachstum anregt

Viagra und Hautkrebs: Inzwischen scheint belegt, dass der Wirkstoff in den Signalweg von Melanomen eingreift und das Krebswachstum anregt

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Viagra-Wirkstoff Sildenafil und dem Hautkrebsrisiko bei Männern? Erste Hinweise lieferte eine Langzeitstudie aus den USA mit rund 15.000 Männern. Auswertungen aus dem Jahr 2014 zeigten, dass die Einnahme von Sildenafil mit einem erhöhten Risiko für bösartige Melanome verbunden ist. Dieser Verdacht wurde im vergangenen Jahr durch eine schwedische Studie mit etwa 24.000 Männern erhärtet. Doch ob das gesteigerte Hautkrebsrisiko durch das Potenzmittel oder durch intensive Sonnenbäder zustande kam, konnten beide Untersuchungen nicht abschließend klären.

Sildenafil greift in Signalweg von Melanom-Zellen ein

Nun wird die Diskussion neu aufgemischt. Wissenschaftler aus Tübingen konnten im Tierversuch und an menschlichen Zellkulturen nachweisen, dass Sildenafil tatsächlich das Krebswachstum anregt. Genauer gesagt handelt es sich um eine Stimulation des Botenstoffs cyclisches Guanosinmonophosphat (cGMP). Dieser Signalweg scheint demnach das Wachstum von bereits bestehenden bösartigen Melanomen zu begünstigen. Der Signalstoff cGMP spielt in vielen komplexen Stoffwechselwegen eine wichtige Rolle, von den Zellen der Blutgefäße und des Herzens bis hin zu Nerven- und Sinneszellen. In der Krebsforschung ist der „cGMP-Signalweg“ Gegenstand aktueller Untersuchungen. Seine genaue Wirkung auf Wachstumsprozesse im Körper ist noch weitgehend unbekannt.

PDE5-Bremse wird abgeschaltet

„Wir haben entdeckt, dass auch Zellen des malignen Melanoms den cGMP-Signalweg für ihr Wachstum nutzen“, sagt Professor Robert Feil Feil. Dem Biochemiker zufolge sorgt in der Zelle normalerweise das Enzym „Phosphodiesterase 5“ (PDE5) dafür, dass neu gebildetes cGMP kontinuierlich abgebaut wird. Sildenafil hemme aber die Wirkung von PDE5. „PDE5 wirkt in der Zelle wie eine Bremse auf das cGMP“, sagte Feil: „Die Einnahme von Sildenafil schaltet diese Bremse gewissermaßen aus.“ Die Folge sei, dass die Melanome stärker zu wachsen beginnen. Dieser biochemische Mechanismus könnte erklären, warum Sildenafil das Melanomrisiko bei Männern erhöht.

Dass Sildenafil die Entstehung von Melanomen begünstigt, hält der Forscher eher für unwahrscheinlich. Er geht davon aus, dass Sildenafil und möglicherweise auch andere PDE5-Hemmer in erster Linie das Fortschreiten bereits vorhandener Melanome verstärken könnten. „Vor allem wenn diese Medikamente dauerhaft in hohen Dosen eingenommen werden.“

Foto: © Soru Epotok - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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