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28.05.2021

Verunreinigungen im AstraZeneca-Impfstoff gefunden

Ulmer Forscher haben Verunreinigungen im Covid-19-Impfstoff des Pharmakonzerns AstraZeneca nachgewiesen. Konkret geht es um menschliche und virale Eiweiße.
Forscher fanden Proteine im AstraZeneca-Impfstoff, die dort nicht hingehören

Ulmer Forscher haben Verunreinigungen im Covid-19-Impfstoff des Pharmakonzerns AstraZeneca nachgewiesen. Konkret geht es um menschliche und virale Eiweiße, darunter insbesondere so genannte Hitzeschock-Proteine.

Ob diese Verunreinigungen die Wirksamkeit des Impfstoffs beeinflussen oder mit Impfreaktionen zusammenhängen, kann die Studie nicht beantworten, heißt es weiter in einer Pressemitteilung der Universität. Die Studie erschien zunächst auf einem Preprint-Server.

Häufig grippeähnliche Symptome als Impfreaktion

Bei dem Vakzin "Vaxzevria" des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca handelt es sich um einen so genannten Vektorimpfstoff. Als Vektor dient ein für Menschen ungefährliches Adenovirus: Diese Genfähre schleust ein Oberflächeneiweiß des Coronavirus (SARS-CoV-2) in die körpereigenen Zellen.

Im Zuge der darauf folgenden Immunreaktion werden Antikörper gebildet, die Impflinge gegen Covid-19 schützen sollen. Kurze Zeit nach der Immunisierung mit "Vaxzevria" treten bei Impflingen relativ häufig grippeähnliche Symptome als Impfreaktion auf; in sehr seltenen Fällen entwickelten vor allem jüngere Frauen bis zu 16 Tage nach der Impfung lebensbedrohliche Sinusvenenthrombosen.

 

Menschliche und virale Proteine gefunden

Vor diesem Hintergrund haben Forscherde um Prof. Stefan Kochanek, Leiter der Abteilung Gentherapie der Ulmer Universitätsmedizin, drei Chargen des AstraZeneca-Impfstoffs mit biochemischen Methoden und Proteom-Analysen untersucht. Neben Proteinen des adenoviralen Vakzins selbst fanden sie beträchtliche Mengen menschlicher Proteine und auch viraler Proteine, die nicht Teil des Impfstoffs sind.

Um diese Verunreinigungen aufzuspüren, haben die Studienautoren unter anderem mit Proteingelen und Silberfärbungen gearbeitet: Konkret verglichen sie die Färbemuster der AstraZeneca-Proben mit denen eines laboreigenen Vergleichsvektors, der mittels Ultrazentrifugation aufgereinigt worden war.

Proteingehalt der Impfdosis lag höher als erwartet

"Das Bandenmuster im Proteingel hat sich in den beiden Proben deutlich unterschieden: Im Vergleich zu dem eigenen Adenovirus-Vektor wiesen die AstraZeneca-Proben deutlich mehr Proteinbanden auf, die nicht durch den adenoviralen Impfstoff erklärbar waren", erläutert Professor Kochanek.

Daraufhin wurde zunächst der Proteingehalt der Vaxzevria-Impfstoffchargen bestimmt - mit eindeutigem Ergebnis. Der Proteingehalt pro Impfdosis lag deutlich über den theoretisch zu erwartenden 12,5 µg. In einer genauer untersuchten Charge betrug er sogar 32 µg.

Verunreinigungen im AstraZeneca-Impfstoff gefunden

Massenspektrometrische Untersuchungen ergaben, dass mindestens die Hälfte der Eiweiße menschlichen Ursprungs war. Unter den Verunreinigungen, die im AstraZeneca-Impfstoff gefunden wurden, fielen insbesondere die Häufung bestimmter humaner Proteine auf, die aus der menschlichen Zelllinie zur Vektorproduktion stammen: so genannte Hitzeschockproteine.

"Insgesamt haben wir über 1.000 Proteine in den Chargen detektiert: Die Mehrzahl dürfte keine negativen Auswirkungen auf Impflinge haben. Extrazelluläre Hitzeschockproteine sind jedoch bekannt dafür, dass sie angeborene und erworbene Immunantworten modulieren und bestehende Entzündungsreaktionen verstärken können. Sie wurden zudem auch schon mit Autoimmunreaktionen in Verbindung gebracht", erklärt Kochanek.

Zusammenhang mit Impfreaktionen wird untersucht

In weiteren Studien muss untersucht werden, inwiefern diese Protein-Verunreinigungen die Wirksamkeit des Vakzins mindern oder mit der oftmals starken Impfreaktion zeitnah nach der Injektion des Impfstoffes in den Muskel zusammenhängen könnten.

In der Pharmaindustrie gilt die möglichst weitgehende Entfernung solcher Verunreinigungen aus biotechnologisch hergestellten therapeutischen Proteinen als ein sehr wichtiges Qualitätsmerkmal. Im Fall des adenoviralen Covid-19-Impfstoffs von AstraZeneca reicht die Kontrolle mit den bisher verwendeten Standard-Nachweisverfahren offenbar nicht aus, bilanzieren die Forscher.

Foto: Adobe Stock/Wolfilser

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