. Potenzielles COVID-19 Medikament

Verteilungskampf um Chloroquin: Gehen Lupus Patienten jetzt leer aus?

(Hydroxy-)Chloroquin gilt als Hoffnungsträger gegen COVID-19 – deshalb hat etwa US-Präsident Donald Trump große Mengen davon aufgekauft. Nun fehlt Chloroquin in der Versorgung von Patienten mit Rheuma und Lupus. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) will mit einer Richtlinie jetzt gegen die Verknappung vorgehen
Weltweit hat ein Run auf Chloroquin begonnen, weil es gegen das Coronavirus helfen könnte. Nun fehlt es Rheumapatienten

Weltweit hat ein Run auf Chloroquin begonnen, weil es gegen das Coronavirus helfen könnte. Nun fehlt es Rheumapatienten

Eigentlich ist Chloroquin ein Malariamittel. Wegen seiner entzündungshemmenden Wirkung wird es seit vielen Jahren zudem bei bestimmten Rheumaformen eingesetzt, insbesondere beim systemischen Lupus erythematodes und der juvenilen Arthritis. Neuerdings sind Chloroquin und seine Weiterentwicklung Hydroxychloroquin (HCQ) in die Schlagzeilen geraten, da es auch gegen SARS-COV-2-Viren, den Auslöser der aktuellen Corona-Pandemie, wirken könnte. Seine antivirale Wirkung wird nun in mehreren klinischen Studien getestet. Dies hat zu einem weltweiten Run auf die Substanz geführt.

Verknappung von Chloroquin

Die Bundesregierung, die US-Regierung und auch viele Gesunde haben sich vorsorglich damit eingedeckt. Das Resultat ist eine Verknappung des Angebots. Da das Mittel nun Rheumapatienten fehlt, haben die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und die Europäische Kommission Guidelines gegen die Verknappung von Medikamenten durch COVID-19 veröffentlicht.

So warnt die EMA vor dem Off-Label-Einsatz von HCQ. Die Substanz solle momentan nur bei den zugelassenen Indikationen, etwa Malaria und bestimmten Formen von Rheuma zum Einsatz kommen, heißt es. Ebenso sei eine Verwendung bei COVID-19 nur im Rahmen von klinischen Studien sowie Programmen für den notfallmäßigen Einsatz gestattet.

 

EMA will regulieren

Die Europäische Rheumaliga EULAR begrüßt die Initiative. Dadurch sei die Versorgung von Rheuma-Patienten, die auf HCQ angewiesen sind, hoffentlich vorerst sichergestellt. Immerhin leiden in Europa rund 120 Millionen Menschen an Rheuma.

„Unsere Patienten sind auf die regelmäßige Einnahme ihrer Medikamente angewiesen“, sagt EULAR-Kongresspräsident Professor Dr. Iain B. McInnes aus Glasgow, Schottland. Bei Unterbrechung drohten neue Krankheitsschübe und eine Verschlechterung des Verlaufs mit möglicherweise irreversiblen Schäden an den betroffenen Körpergeweben wie Verkrüppelung oder Versteifung.

„Rheumatologen müssen sich als Anwälte ihrer Patienten stark machen“, so der EULAR-Kongresspräsident weiter. „Falls hochwertige klinische Studien die Wirksamkeit von HCQ bei COVID-19 belegen sollten, werden wir selbstverständlich die schwierigen Entscheidungen rund um eine faire Verteilung des Wirkstoffs unter den Betroffenen respektieren.”

Weltweite Studien mit Chloroquin

Die klinische Wirksamkeit von Chloroquin bei COVID-19 ist jedoch weiterhin unbestätigt. Derzeit wird das Medikament in mehreren Studien weltweit auf seine Wirksamkeit gegen COVID-19-Infektionen getestet. Dazu gehören unter anderem die „Solidarity“-Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die „Discovery“-Studie der französischen Forschungsorganisation INSERM sowie die „Recovery“-Studie der Universität Oxford.

Foto: © Adobe Stock/MQIllustrations

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik , Corona
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema COVID19

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
 
. Weitere Nachrichten
Das Coronavirus SARS-CoV-2 geht offenbar in die Muttermilch über. Das konnten Virologen der Uniklinik Ulm nun bei einer infizierten Frau nachweisen. Auf welchem Weg sich ihr Baby angesteckt hat, ist allerdings noch unklar.
Das mütterliche Verhalten hat offenbar einen direkten Einfluss auf die Entwicklung des Oxytocin-Systems beim Säugling. Eine Studie konnte zeigen, dass eine größere mütterliche Fürsorge mit höheren Spiegeln des „Bindungshormons“ assoziiert ist. Höhere Oxytocin-Spiegel machen wiederum wahrscheinlich emotional stabiler und erleichtern spätere Beziehungen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.