. Krebs im Endstadium

Verschlechtert palliative Chemotherapie die Lebensqualität?

Trotz fehlender Hinweise auf einen Nutzen wird vielen Krebspatienten im Endstadium ihrer Erkrankung noch eine Chemotherapie angeboten. Dabei lässt sie die Lebensqualität oft sinken, wie eine Studie aus den USA nun gezeigt hat.
Palliative Chemotherapie

Im Endstadium einer Krebserkrankung ist eine Chemotherapie meist nicht sinnvoll

Viele Krebspatienten erhalten trotz unheilbarer Erkrankung in ihren letzten Lebenswochen noch eine Chemotherapie, weil sie sich angeblich positiv auf die Lebensqualität auswirken soll. Häufig glauben die Patienten auch, dass sie dadurch ihr Leben verlängern können – was oft ein Trugschluss ist. Zudem fehlen Beweise dafür, dass eine Chemotherapie im Endstadium die Lebensqualität tatsächlich verbessern kann. Eine aktuelle Studie hat nun gezeigt, dass eine solche Maßnahme sogar oft mehr Schaden als Nutzen bringt.

Bei guter körperlicher Verfassung schadet Chemotherapie eher

Für die Studie hat ein Forscherteam um Holly Prigerson vom New York Presbyterian Hospital die Daten von 661 Patienten mit Krebs im Endstadium untersucht. Die Hälfte von ihnen erhielt eine Chemotherapie. Nachdem die Patienten verstorben waren, wurde das Pflegepersonal zu deren Lebensqualität in der letzten Lebenswoche befragt.

Es zeigte sich, dass bei Patienten, deren physische Verfassung bereits recht schlecht war, auch die Chemotherapie keine Vorteile hinsichtlich der Lebensqualität brachte. Bemerkenswert war aber vor allem ein anderes Ergebnis: Befanden sich die Patienten trotz ihrer fortgeschrittenen Erkrankung in einem relativ guten körperlichen Zustand, verschlechterte die palliative Chemotherapie ihre Lebensqualität sogar, und das signifikant. Auf die Mortalität hatte die Chemotherapie dabei keinen Einfluss.

Patienten glauben oft nicht, unheilbar erkrankt zu sein

Insgesamt scheint eine Chemotherapie Krebspatienten im Endstadium also eher zu schaden als zu nützen. Zu demselben Ergebnis war bereits im vergangenen Jahr eine Studie der US-amerikanischen Forscher Alexi A. Wright vom Dana-Farber Cancer Institute und Holly G. Prigerson von der Harvard Medical School in Boston gekommen. In der Studie ging es den Patienten mit einer Chemotherapie im Endstadium deutlich schlechter als den Patienten, die keine solche Behandlung erhalten hatten. Bei den behandelten Patienten waren in der letzten Lebenswoche mehr Reanimationsmaßnahmen und Beatmungen erforderlich als in der Vergleichsgruppe, und sie erhielten auch öfter eine Ernährungssonde. Zudem wurden die Patienten der Chemotherapie-Gruppe erst sehr spät an Hospizeinrichtungen überwiesen.

Die Studie hatte auch gezeigt, dass viele Patienten, die eine Chemotherapie wünschten, diese vermeintlich lebensverlängernde Behandlung einer allgemein symptomlindernden Versorgung vorzogen – sogar, wenn die Betroffenen glaubten, ihr Leben dadurch nur um eine Woche zu verlängern. Viele von ihnen gestanden sich auch nicht ein, unheilbar krank zu sein. Trotzdem lebten die Patienten mit palliativer Chemotherapie nicht länger als andere.

Foto: © Photographee.eu - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin

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