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26.12.2020

Vergesslichkeit: Chronischer Bluthochdruck kann Ursache sein

Bluthochdruck schädigt die Gefäße und verschiedene Organe. Dass auch das Gehirn beeinträchtigt wird, bekräftigt eine aktuelle Langzeitstudie aus den USA. Menschen die von Jugend einen zu hohen Blutdruck hatten, weisen später reduzierte kognitive Leistungen wie etwa Vergesslichkeit auf.
Bluthochdruck schädigt auch das Gehirn. Eine Langzeitstudie bestätigt das

Bluthochdruck schädigt auch das Gehirn. Eine Langzeitstudie bestätigt das

Bluthochdruck ist keine Frage des Alters. Auch viele junge Menschen haben eine Hypertonie, und die meisten wissen nichts davon. Dass es sich lohnt, bereits in jungen Jahren mit dem Blutdruckmessen zu beginnen, untermauert jetzt eine epidemiologische Langzeituntersuchung aus den USA.

In die CARDIA-Studie (Coronary Artery Risk Development in Young Adults) wurden zwischen 1985 und 1986 mehr als 5.000Teilnehmer zwischen 18 und 30 Jahren aufgenommen und über 30 Jahre nachverfolgt. Augenmerk der Studie war die Erforschung von Risikofaktoren der koronaren Herzkrankheit, wozu auch der Bluthockdruck zählt. Im Laufe der Beobachtungszeit wurden die Probanden mehrmals klinisch untersucht. Bei knapp 200 Teilnehmern wurde zusätzlich die kognitiven Fähigkeiten wie Gedächtnisleistung oder Aufmerksamkeit gemessen sowie die Gehgeschwindigkeit, Schrittlänge und Gangvariabilität. 144 Studienteilnehmer erhielten zusätzlich eine MRT-Untersuchung ihres Gehirns.

Messbare kognitive Defizite und Gangunsicherheit

Die Auswertung der Daten aus 30 Jahren liegt nun vor und zeigt: Menschen, die von Jugend an erhöhte Blutdruckwerte hatten, schnitten bei den kognitiven Fähigkeiten schlechter ab. Sie waren zum Beispiel vergesslicher und hatten mehr Probleme mit der Aufmerksamkeit als Probanden mit normalen Blutdruckwerten. Zudem zeigten sie auch bei der Ganganalyse eine langsamere Gehgeschwindigkeit, kleinere Schrittlänge und höhere Gangvariabilität.

 

Gehirn-Läsionen im MRT nachweisbar

Die Studienautoren führen diese Phänomene auf Schäden an bestimmten Gefäßstrukturen des Gehirns zurück. Die sogenannte „White Matter Lessions“ zeigten sich vor allem in den MRT-Aufnahmen der Patienten mit einer auffälligen Beeinträchtigung des Gehens. „Diese Studie zeigt, dass Bluthochdruck, der im frühen Erwachsenenalter beginnt und über Jahre unbehandelt bleibt, erhebliche Schäden an den Nervenverbindungen des Gehirns nach sich zieht“, kommentiert der Dresdner Gefäßmediziner Professor Sebastian M. Schellong die Ergebnisse.

Blutdruck schon in jungen Jahren messen

Schellong, der auch Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) ist, weist vor diesem Hintergrund darauf hin, wie wichtig es ist, dass auch junge Menschen Warnzeichen für Bluthochdruck ernstnehmen und ihn regelmäßig messen. „Bluthochdruck ist zwar eine Volkskrankheit in Deutschland, bleibt aber zu oft unentdeckt oder unbehandelt“, sagt der Experte. So zeige sich arterielle Hypertonie zeige sich oft erst in der Lebensmitte, vorwiegend ab dem 50. Lebensjahr. Die Patienten bekommen dann eine Herzschwäche, eine koronare Herzerkrankung, einen Schlaganfall oder auch eine Niereninsuffizienz. All diese Folgeschäden ließen sich vermeiden, wenn Bluthochdruck früher erkannt und behandelt wird.

Die Studie “Cumulative Blood Pressure Exposure During Young Adulthood and Mobility and Cognitive Function in Midlife” ist soeben im Fachmagazin “Circulation” erschienen.

Foto: © Adobe Stock/Ingo Bartussek

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
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