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Verdacht auf Manipulation bei der Organvergabe - Am DHZB wird ermittelt

Das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) steht unter dem Verdacht, bei der Organvergabe manipuliert zu haben. Nach einer Selbstanzeige ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Vorläufig gilt aber die Unschuldsvermutung.
Verdacht auf Manipulation bei der Organvergabe - Am DHZB wird ermittelt

Begehrte Ware: Ob Patienten durch die Manipulationen am DHZB tatsächlich schneller ein neues Herz bekommen haben, ist derzeit völlig offen

So hat sich Prof. Roland Hetzer seine letzten Wochen als Chef des Deutschen Herzzentrums sicher nicht vorgestellt: Ein handfester Organspendeskandal am DHZB beschäftigt seit Donnerstag die Staatsanwaltschaft und mittlerweile auch die Öffentlichkeit.

Was ist passiert? Es besteht der Vorwurf, dass eine Oberärztin des DHZB in den Jahren 2010 bis 2012 mehreren Patienten eine hohe Dosierung Katecholamine verschrieben hat. Die Dosissteigerung der Medikation soll unmittelbar vor der Antragsstellung auf „High Urgency“ erfolgt sein, um damit den Status auf der Transplantationsliste bei der Organvergabestelle Eurotransplant zu verbessern. Die Staatsanwaltschaft ermittelt am DHZB nun wegen des Verdachts auf versuchten Totschlag. Denn sollte sich der Vorwurf tatsächlich bestätigen, könnten die Patienten auf der Warteliste für ein neues Herz nach oben gerutscht - und dadurch andere Patienten benachteiligt worden sein. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Martin Steltner, sagte dem rbb, "Das ist lebensbedrohend und deswegen haben wir ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts des versuchten Totschlags eingeleitet." Bis die Vorwürfe allerdings bewiesen sind, gilt wie üblich die Unschuldsvermutung.

Prüferkommission hatte die „Unregelmäßigkeiten“ entdeckt

Die Unregelmäßigkeiten  am DHZB wurden von der Prüfungs- und Überwachungskommission der Bundesärztekammer aufgedeckt - angeblich sogar schon im Mai. Erst durch Selbstanzeige des DHZB gelangten die Informationen an die Öffentlichkeit. Die Kommission hält sich derweil bedeckt und teilt lediglich mit, die Vor-Ort-Prüfungen am DHZB seien zwar abgeschlossen, das Gesamtprüfungsverfahren jedoch noch nicht. Man werde die Öffentlichkeit im September über die Ergebnisse des Prüfberichts informieren. Die Kommission von Bundesärztekammer, Krankenhausgesellschaft und Kassen überprüft seit zwei Jahren alle Transplantationskliniken in Deutschland. Auslöser war eine Folge von Organspendeskandalen im Jahr 2012.

Organspendeskandal? Sorge um den guten Ruf des Berliner Herzzentrums

Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja wurde vom DHZB bereits vergangene Woche über den Vorfall informiert. Er hatte daraufhin das DHZB um eine schriftliche Stellungnahme gebeten und offenbar auch erhalten. Czaja zeigte sich besorgt und meinte, dass Vertrauen der Bürger in die Transplantationsmedizin sei bereits stark erschüttert. Ein weiterer Verlust des Ansehens könne nur durch umfassende Transparenz und schnellstmöglich Aufklärung verhindert werden. „Gerade auch das Deutsche Herzzentrum Berlin hat sich durch große Leistungen ein hohes Renommee erworben, das nicht in Misskredit geraten darf“, sagte Czaja am Freitag.“ Ich bin davon überzeugt, dass dieses Renommee durch lückenlose Aufklärung auch wieder vollständig hergestellt werden wird.“

Czaja dürfte nicht der einzige sein, der sich augenblicklich um das Renommee des Herzzentrums sorgt. Professor Volkmar Falk, der zum 1. Oktober Hetzers Nachfolge als Direktor des Deutschen Herzzentrums Berlin antritt, hätte sich zum Start sicher auch etwas anderes als einen Organspendeskandal gewünscht. Andererseits hatte er das Herzzentrum Zürich, wo er augenblicklich noch tätig ist, auch nach einer schweren Krise übernommen. Falk war es gelungen, das Ansehen der Züricher Einrichtung wieder deutlich nach vorne zu bringen.

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Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik
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