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Veganer: Erhöhtes Risiko für Jodmangel

Wer sich vegan ernährt, hat ein erhöhtes Risiko für einen Jodmangel. Darauf deuten Ergebnisse eines Forschungsprojekts des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hin. Darin haben Wissenschaftler Risiken und Vorteile einer von Tierprodukten völlig freien Ernährung untersucht.
Grobes Jodsalz und Schild "Jodmangel"

Der Jodgehalt von heimischen Agrarprodukten reicht nicht aus, um in Deutschland eine ausreichende Jodzufuhr mit der Nahrung sicherzustellen – bei Veganern noch mehr als bei der Allgemeinbevölkerung.

Warum ist Jod für den Körper so wichtig? Er braucht das Spurenelement für den Aufbau von Schilddrüsenhormonen, denn sie spielen bei der Steuerung einer Vielzahl von Stoffwechselprozessen eine zentrale Rolle. Sie sind nötig für ein normales Wachstum, für die Knochenbildung, die Entwicklung des Gehirns oder für den Energiestoffwechsel.

Wird Jod über längere Zeit in Mengen unterhalb des Bedarfs aufgenommen, produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone – mit möglichen schwerwiegenden Auswirkungen auf die Gesundheit. Aber woher bekommt der Körper Jod? Aus der Nahrung. Doch der Jodgehalt der in Mitteleuropa und damit in Deutschland üblichen Ernährung reicht für eine ausreichende Jodzufuhr nicht aus – schon bei der Bevölkerung insgesamt nicht. Bei Menschen, die sich vegan ernähren, ist das Risiko einer Unterversorgung noch einmal höher. Dies besagt eine Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Erstmals aktuelle Daten zum Ernährungsstatus von Veganern

Auch wenn die große Mehrheit der Deutschen weder Vegetarier noch Veganer sind: Das Interesse an einer veganen Ernährungsweise steigt laut BfR in Deutschland stetig an. Die Ergebnisse von Marktforschungsumfragen lassen vermuten, dass knapp eine Million Deutsche einer veganen Ernährung folgen – also komplett auf tierische Lebensmittel verzichten. Trotzdem fehlte es bisher an aktuellen Daten zur Qualität der tatsächlichen Nährstoffversorgung dieser Bevölkerungsgruppe: sowohl bei den sogenannten Makronährstoffen, die Energie liefern (Fett, Kohlenhydrate, Eiweiß), als auch bei Mikronährstoffen (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Omega-Fettsäuren), die für einen gesunden Stoffwechsel nötig sind.

 

Studienprojekt „Risiken und Vorteile der veganen Ernährung“

In dem Studienprojekt „Risiken und Vorteile der veganen Ernährung“ untersuchte ein BfR-Forschungsteam bei 36 vegan und 36 Mischkost essenden Personen die Nährstoffversorgung. „Besonders auffällig waren die Studienergebnisse in Bezug auf das Spurenelement Jod“, heißt es in einer Mitteilung des Bundesinstituts. „Bei beiden untersuchten Ernährungsformen hapert es bei der Jodversorgung“, berichtet BfR-Präsident Andreas Hensel. „Hierbei ist die Unterversorgung bei der veganen Variante jedoch deutlich ausgeprägter.“

Jod: Ein Drittel der Veganer unterhalb des WHO-Mindestwerts

Die in Urinproben der Probanden gemessene Jodausscheidung gab Aufschluss darüber, wie gut der Körper mit dem Spurenelement versorgt ist. Ergebnis: Die Mehrzahl sämtlicher Teilnehmenden war unterversorgt. Der Mangel war laut BfR bei den Veganerinnen und Veganern aber deutlich ausgeprägter: Bei einem Drittel von ihnen lag der Wert unterhalb von 20 Mikrogramm pro Liter, dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definierten Grenzwert, ab dessen Unterschreitung eine schwere Unterversorgung besteht.

Doch zeigten sich bei veganer Ernährung auch gesundheitliche Vorteile wie eine höhere Aufnahme von Ballaststoffen und niedrigere Cholesterinwerte. Bei beiden Ernährungsstilen gab es bei circa 10 Prozent  der Teilnehmenden Hinweise auf einen Eisenmangel.

Was ist das „Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)“?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.
Foto: AdobeStock/asdf

Autor: zdr
Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
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09.11.2019

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