Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
16.08.2018

Valsartan-Skandal setzt sich fort

Mehrere Präparate des Blutdrucksenkers Valsartan mussten zurückgerufen werden, weil sie mit dem vermutlich krebserregenden Stoff N-Nitrosodimethylamin verunreinigt sind. Nun wurden weitere betroffene Valsartan-Präparate gefunden.
Valsartan, Valsartan-Rückruf

Mehrere Chargen von Valsartan-haltigen Präparaten wurden verunreinigt

Seit Anfang Juli wurden mehrere Präparate, die den blutdrucksenkenden Wirkstoff Valsartan enthalten, von den Aufsichtsbehörden aufgrund einer produktionsbedingten Verunreinigung durch den wahrscheinlich krebserregenden Stoff N-Nitrosodimethylamin (NDMA) zurückgerufen. Entstanden war die Verunreinigung bei einem chinesischen Zulieferer. Am vergangenen Wochenende hat sich gezeigt: Der Skandal ist längst nicht zu Ende. Auch in Präparaten anderer Wirkstoffhersteller wurde NDMA gefunden. Berichten der amerikanischen und europäischen Arzneimittelbehörden FDA und EMA zufolge sind auch Präparate des chinesischen Wirkstoffproduzenten Zhejiang Tianyu und des indischen Wirkstoffproduzenten Hetero Labs Limited betroffen.

Weitere Valsartan-Präparate verunreinigt

Das Unternehmen Camber Pharmaceuticals, welches sein Valsartan von dem indischen Produzenten bezieht, hatte die FDA über das Problem informiert. Zuvor hätten Tests gezeigt, dass der Gehalt von N-Nitrosodimethylamin (NDMA) in den Präparaten oberhalb der akzeptablen Werte lägen. Die EMA wiederum berichtete, man habe geringe Mengen an NDMA in Valsartan-Präparaten der chinesischen Produktionsfirma Zhejiang Tianyu festgestellt. Die NDMA-Konzentrationen seien allerdings deutlich geringer als beim Unternehmen Zhejiang Huahai Pharmaceuticals, die zu der umfassenden Rückrufwelle im Juli geführt hatten.

Wie groß das Krebsrisiko durch die Verunreinigung der Valsartan-Präparate ist, ist bisher noch nicht vollständig geklärt. Die krebserregende Wirkung wurde bisher nur in Tierversuchen bestätigt. Experten der FDA schätzen, dass von 8.000 Patienten, die über einen Zeitraum von vier Jahren das Valsartan-Präparat von Zhejiang Huahai Pharmaceutical eingenommen haben (320 mg täglich), ein Patient zusätzlich an Krebs erkrankt.

 

Blutdrucksenker nicht einfach absetzen

Derweil warnt unter anderem die Deutsche Herzstiftung davor, blutdrucksenkende Medikamente einfach abzusetzen. Wer nicht weiß, ob sein Valsartan-Präparat betroffen ist, sollte am besten mit seinem Apotheker sprechen und gegebenenfalls den Hausarzt bitten, ein anderes Arzneimittel zu verschreiben.

Auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) versucht, die Patienten zu beruhigen. Für die in Deutschland zugelassenen Arzneimittel mit Valsartan sei die indische Firma Hetero Labs Limited kein Wirkstoffhersteller. Dennoch haben das Europäische Direktorat für Arzneimittelqualität (EDQM) als auch die nationalen Zulassungsbehörden die neuen Entwicklungen zum Anlass genommen, auch andere Wirkstoffhersteller von Valsartan und weitere Wirkstoffe der Gruppe der Sartane zu überprüfen. Weltweit gibt es rund 40 Lieferanten für Valsartan – die meisten in Indien, weitere in China und Japan sowie einige in Mexiko und Italien.

Foto: © David Watkins - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Bluthochdruck , Arzneimittel , Krebs , Qualität , Gesundheitssystem , Patientensicherheit
 

Weitere Nachrichten zum Thema Valsartan-Skandal

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Noch nie haben sich in Deutschland so viele Menschen nach Zeckenbissen im Grünen mit Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) angesteckt wie 2020 – und Experten befürchten eine weiter steigende Tendenz. Neu ist: Die nur durch Zecken übertragene und im schlimmsten Fall tödliche Form der Hirnhautentzündung wandert Richtung Norden – und tritt in der Natur verstärkt in größeren Höhen auf.

Der Corona-Lockdown bremst uns bei sportlichen Aktivitäten aus und verändert unsere Ernährungsgewohnheiten. Das zeigt eine Umfrage unter Studenten in Bayern. Fast jeder Dritte aß mehr als in der Vor-Corona-Zeit – und viele aßen mehr „Ungesundes“. Die Zahl der Schritte, die man pro Tag geht, sank um eine Zahl in vierstelliger Größe.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin