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05.10.2018

Vakuumtherapie bei Wunden: Studienlage zum Nutzen unklar – IQWiG kritisiert Forscher scharf

Die Vakuumtherapie soll dazu beitragen, dass Wunden, wie beispielsweise bei einem Dekubitus, schneller abheilen. Doch Nutzen und Schaden der Therapie können weiterhin nicht abschließend beurteilt werden, weil Studienergebnisse unter Verschluss gehalten werden, so das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
offene Wunden, Dekubitus, Vakuumtherapie

Ob chronische Wunden mit der Vakuumtherapie wirklich schneller abheilen, bleibt unklar

Bei der Vakuumtherapie, auch bezeichnet als Vakuum-Versiegelungstherapie (VVS), wird die Wunde luftdicht mit einem Verband abgedeckt, an dem über einen dünnen Schlauch eine Pumpe angeschlossen ist. Diese saugt ständig Wundflüssigkeit ab, wodurch im Wundbereich ein Unterdruck entsteht. Die soll die Durchblutung der Wunde erhöhen. Zudem bleibt die Wunde feucht, was die Heilung ebenfalls fördern soll.

Ärzte setzen die Vakuumtherapie unter anderem bei schwer heilenden oder großflächigen Wunden ein, wie etwa bei einem Dekubitus oder nach einer Operation. Von einer intendierten primären Wundheilung sprechen Fachleute dann, wenn die Wundränder bündig anliegen und zusammengenäht werden können. Bei der sekundären Wundheilung muss sich dagegen Gewebe neu bilden, die Wunde kontrahieren oder Haut transplantiert werden. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat nun einen Vorbericht zu Schaden und Nutzen der Vakuumversiegelungstherapie (VVS) bei intendierter sekundärer Wundheilung veröffentlicht.

Zu wenige Daten veröffentlicht

Bereits vor fast zehn Jahren hatte das Institut eine Untersuchung zur Vakuumtherapie durchgeführt, kam aber aufgrund der mangelnden Studienlage zu keinen klaren Ergebnissen. Das hat sich auch jetzt nicht geändert. Eine breite Anwendung der Vakuumtherapie könne nicht empfohlen werden, da die verfügbaren Daten nicht eindeutig interpretierbar seien, so das IQWiG. Mit deutlichen Worten kritisiert das Institut, dass Hersteller und Wissenschaftler Studienergebnisse unter Verschluss hielten.

„Bei unseren ersten Bewertungen war die Studienlage dürftig. Nun gibt es zwar Studien mit mehreren Tausend Patientinnen und Patienten, wir können aber immer noch nicht sagen, ob die Vakuumtherapie besser, gleichwertig oder womöglich sogar schlechter ist als die herkömmliche Wundbehandlung“, stellt Stefan Sauerland, Leiter des Ressorts Nichtmedikamentöse Verfahren, fest. Ursache ist, dass sowohl Unternehmen als auch Forscher Daten unter Verschluss halten. „Damit verstoßen sie gegen ethische und wissenschaftliche Standards“, so Sauerland.

 

IQWiG fordert mehr Transparenz

Ohne wissenschaftliche Grundlage setzen Ärzte laut IQWiG demnach die teils deutlich teureren Vakuumtherapien basierend auf womöglich trügerischen Erfahrungswerten ein. Warum Forschungsergebnisse zurückgehalten werden, kann nur vermutet werden. Möglicherweise entsprechen die Ergebnisse nicht dem, was sich die Wissenschaftler erhofft hatten.

In Deutschland verstoßen Mediziner gegen die Regeln des Berufsstandes, wenn sie Ergebnisse von Forschungen an Menschen nicht veröffentlichen. Ethikkommissionen prüfen zwar vor Studienstart, ob Richtlinien eingehalten werden – aber sie stellen kaum sicher, dass auch alle Resultate publiziert werden. Das IQWiG fordert daher Gesetzesänderungen in Deutschland, welche die Transparenz erzwingen sollen. Bei Arzneimitteln gab es hier in den vergangenen Jahren Verschärfungen. „Ohne vergleichbare Vorschriften werden wir auch in zehn Jahren über Interventionen wie die Vakuumtherapie kein gesichertes Wissen haben“, so Sauerland.

Foto: © tpap8228 - Fotolia.com

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