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10.06.2021

Vagusnerv vermittelt zwischen Gehirn und Magen

Ob wir hungrig oder satt sind, entscheiden Nervenzellen in Gehirn und Magen. Ein wichtiger Vermittler ist der Vagusnerv. Was dessen Nervenzellen alles können, haben Forscher jetzt näher untersucht.
Über den Vagusnerven werden Signale vom Magen ans Gehirn geleitet

Über den Vagusnerven werden Signale vom Magen ans Gehirn geleitet

Die Augen essen mit, lautet ein altes Sprichwort. Tatsächlich sind es aber nicht nur die Augen, sondern auch der Vagusnerv. Dieser Nerv des vegetativen Nervensystems läuft vom Magen-Darm-Trakt bis ins Gehirn und übermittelt Signale zwischen diesen beiden und anderen Organen. Auf Basis dieser Informationen wird im Gehirn zum Beispiel entschieden, ob wir weiter essen oder aufhören. Zusätzlich werden auch Informationen über den Blutzuckerspiegel vermittelt. In der Schaltzentrale des Vagusnervs, dem sogenannten Nodose Ganglion, sitzen die verschiedene Nervenzellen. Einige steuern den Magen an, andere den Darm.

Aufgabenteilung der Nervenzellen untersucht

Wissenschaftler des Kölner Max-Planck-Instituts für Stoffwechselforschung, des Exzellenzclusters für Alternsforschung CECAD der Universität zu Köln haben diese Nervenzellen nun näher untersucht. Welche Aufgabenteilung haben sie? Welche Nervenzell-Typen steuern welches Organ an und welche Signale werden wahrgenommen? Diese Fragen konnten die Wissenschaftler mit Hilfe eines genetischen Verfahren in Mäusen beantworten.

 

Die Appetit-Hemmer

Dabei fokussierten sich die Forscher vor allem auf zwei wichtige Typen von Nervenzellen in dem gerade einmal ein Millimeter großen Nodose Ganglion. Das Ergebnis: Einer dieser Zelltypen erkennt die Ausdehnung des Magens. Werden diese Nervenzellen aktiviert, essen die Mäuse deutlich weniger. „Diese Nervenzellen leiten Appetit-hemmende Signale an das Gehirn weiter und verringern darüber hinaus unseren Blutzuckerspiegel“, erläutert Studienleiter Henning Fenselau.

Die Glukose-Treiber

Die zweite Gruppe von Nervenzellen steuert vor allem den Darm an. Sie nimmt chemische Signale aus unserer Nahrung wahr, hat aber keinen Einfluss auf unsere Nahrungsaufnahme. Stattdessen erhöht die Aktivierung dieser Zellen unseren Blutzuckerspiegel. „Die beiden Nervenzelltypen in der Schaltzentrale des Vagusnervs erfüllen somit gegensätzliche Aufgaben während der Nahrungsaufnahme“, fasst Fenselau zusammen. Die Reaktion unseres Gehirns auf die aufgenommene Nahrung sei vermutlich ein Zusammenspiel dieser beiden Nervenzelltypen.

Schlaue Nervenzellen

Nervenzellen des Vagusnerven können demnach erkennen, was wir essen und wieviel wir essen. So wird der eine Zelltyp aktiv, wenn wir Nahrung mit viel Volumen zu uns nehmen. Irgendwann sagen diese Nervenzellen dann Stopp: Nicht weiter essen. Der andere Zelltyp kann dagegen Nahrung mit einer hohen Nährstoffdichte erkennen, was den Blutzuckerspiegel erhöht, aber dem Gehirn kein Sättigungsgefühl übermittelt. „Die Entdeckung der unterschiedlichen Funktionen dieser beiden Nervenzelltypen könnte eine entscheidende Rolle bei neuen Therapien gegen Übergewicht und Diabetes spielen“, sagt Henning Fenselau.

Bei starkem Übergewicht ist die Signalübermittlung zwischen Gehirn und Magen gestört. Betroffene empfinden kein Sättigungsgefühl, obwohl der Magen bereits gefüllt und der Kalorienbedarf gedeckt ist.

Foto: © Adobe Stock/ komokvm

Autor: ham
Hauptkategorien: Umwelt und Ernährung , Medizin
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