. Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Ursache für Weizenunverträglichkeit wird erforscht

Die Zahl der von Zöliakie, Weizenallergie und Weizenunverträglichkeit betroffenen Menschen ist stark angestiegen. Das Projekt Wheatscan sucht nach Ursachen. Eine Rolle könnten moderne Weizensorten spielen.
Weizenunverträglichkeit

Ursache für Zunahme der Weizenunverträglichkeit könnten moderne Weizensorten sein

Zum Wheatscan-Team zählen Getreidechemiker, Pflanzenforscher, Bioinformatiker, Immunologen und Gastroenterologen wie der Direktor des Instituts für Translationale Immunologie an der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Detlef Schuppan.

„Weizenunverträglichkeiten sind durch Bücher wie 'Weizenwampe' und 'Dumm wie Brot' in der öffentlichen Wahrnehmung hochpräsent. Eine glutenfreie Ernährung liegt in den westlichen Industrienationen - auch ohne klare medizinische Notwendigkeit - im Trend. Problematisch bei diesen Büchern ist, dass Thesen, die auf soliden wissenschaftlichen Ergebnissen beruhen, mit kontrovers diskutierten und falschen Behauptungen, die jeglicher Evidenz entbehren, vermischt werden“, so Prof. Schuppan.

Ursache für Weizenunverträglichkeit moderne Weizensorten?

Das Forschungsprojekt Wheatscan ziele darauf ab, die Ursachen für Weizenunverträglichkeiten zu erforschen. Zentrale Arbeitshypothese ist, dass sich durch die Züchtung neuer Sorten und moderne Anbaumethoden die Proteinzusammensetzung im Weizen verändert hat.

„Wir haben Grund zu der Annahme, dass moderne Sorten im Vergleich zu alten Sorten ein höheres immunstimulatorisches Potential aufweisen und somit die körpereigene Immunabwehr anregen. Dies wäre auch eine plausible Ursache dafür, warum immer mehr Menschen an Weizenunverträglichkeit leiden“, betont Prof. Schuppan in einer Pressemitteilung der Universität.

Verträglichere Weizensorten züchten

Das Forschungsprojekt soll Antworten auf drei Kernfragen geben: Welchen Einfluss hatte die Weizenzüchtung der letzten 100 Jahre auf die Gen-Expression, das heißt die Umsetzung der Erbinformation in Proteine, die Protein-Zusammensetzung und das Potential zur Auslösung von Immunreaktionen? Welche Marker gibt es auf Ebene der Gene, Proteine und Peptide für Weizensorten mit niedrigem immunstimulatorischen Potential? Sind Weizensorten mit niedrigem immunstimulatorischen Potential für Patienten mit Weizenunverträglichkeit (NCWS) besser verträglich? Welche bisher unbekannten Inhaltsstoffe aus Weizen lösen die NCWS mit aus?

Im Rahmen von Wheatscan wird das immunstimulatorische Potential von 60 deutschen Weizensorten der letzten 100 Jahre untersucht. Das soll die Grundlage für die Entwicklung neuer Weizensorten mit geringem Potential zur Auslösung von Weizenunverträglichkeiten schaffen.

Diagnostische Marker für Weizenunverträglichkeit gesucht

Ferner werde derzeit eine Provokationsstudie an Patienten mit klinisch eindeutiger NCWS durchgeführt, um Blutmarker der NCWS zu finden, sagt Prof. Schuppan. Noch gibt es keine verlässlichen diagnostischen Marker für die Weizenunverträglichkeit. Die Diagnose beruht bislang auf dem Ausschluss der Zöliakie, der Weizenallergie, anderer Nahrungsmittelunverträglichkeiten und des Reizdarmsyndroms.

Die Zöliakie ist eine entzündliche Reaktion des Dünndarms auf Gluten, das Klebereiweiß des Weizens, in genetisch veranlagten Patienten. Daneben gibt es die Weizenallergie - unter anderem Bäcker-Asthma- und eben die Weizenunverträglichkeit, auch Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität oder Weizensensitivität bezeichnet.

Symptome Bauchschmerzen, Blähungen, Müdigkeit

Über die erstmalig in den 1980ern beschriebene NCWS ist noch relativ wenig bekannt. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu sechs Prozent der Bevölkerung von NCWS betroffen sein könnten. Als Therapie dient eine gluten- und damit Weizen-, Roggen-, Gerste-, Dinkel-, Emmer-, Einkorn-freie Diät. Zum Krankheitsbild NCWS zählten Beschwerden wie Bauchschmerzen, Verstopfung, Durchfall oder Blähungen und systemische Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Müdigkeit.

Weizenunverträglichkeit könnte MS verschlimmern

„Wichtiger ist eine vermutete und teilweise belegte Verschlimmerung entzündlicher Erkrankungen wie beispielsweise allergisches Asthma, multiple Sklerose, systemischer Lupus erythematodes unter Weizenverzehr“, unterstreicht Prof. Schuppan.

So fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft gerade eine klinische Studie zur Rolle von Weizen in Patienten mit Multipler Sklerose. Weitere Studien mit Patienten mit systemischem Lupus und entzündlichen beziehungsweise allergischen Hauterkrankungen sind geplant.

Foto: Monkey Business/Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
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