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Ursache für Narkolepsie liegt im Immunsystem

Sonntag, 23. September 2018 – Autor:
Forscher konnten erstmals die Ursache für Narkolepsie nachweisen. Demnach wird die seltene Schlafkrankheit durch autoreaktive T-Zellen ausgelöst. Damit bestätigt sich der Verdacht, dass Narkolepsie eine Autoimmunerkrankung ist.
Narkolepsie, Ursache

Krankhafte Schlafattacken: Narkolepsie ist eine Autoimmunkrankheit, der Auslöser wurde jetzt gefunden

Narkolepsie, mitunter auch Hypersomnie genannt, ist eine seltene Schlafkrankheit, die durch ein krankhaftes Schlafbedürfnis gekennzeichnet ist. Neben übermäßiger Tagesschläfrigkeit und plötzlichen Schlafattacken kommt es auch zu einem vorübergehenden Verlust der Muskelkontrolle, Schlaflähmungen, Halluzinationen und gestörtem Nachtschlaf.

Bisher wusste man, dass die 1877 erstmals beschriebene Krankheit durch den schleichenden Verlust eines Proteins namens Hypokretin im Gehirn ausgelöst wird. Bei genetisch veranlagten Personen gehen die Hypokretin produzierenden Nervenzellen im Zwischenhirn manchmal sogar ganz unter. Die Vermutung, dass dies durch eine Autoimmunreaktion ausgelöst wird, gibt es schon länger. Jetzt konnte sie erstmals bestätigt werden: So konnte ein internationales Forscherteam autoreaktive T-Zellen bei Betroffenen identifizieren, die Hypokretin erkennen und die unerwünschte Immunantwort herbeiführen können.

Entzündungen führen zu Schäden im Gehirn

«Mit neuen sensitiven Methoden konnten wir autoreaktive T-Zellen als Verursacher dieser Krankheit identifizieren. Diese Zellen können eine Entzündung hervorrufen, die zu neuronalen Schäden führt oder sie können sogar Hypocretin-produzierende Neuronen zerstören“, kommentiert Studienleiter Prof. Federica Sallusto von der ETH Zürich die zentralen Ergebnisse der Studie, die soeben im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht wurden.

 

CD4 und CD8 T-Zellen sind die Übeltäter

Die autoreaktiven T-Zellen konnten die Forscher mit Hilfe einer speziellen Methode dingfest machen, die sie zur Untersuchung der T-Zellen von Narkolepsiepatienten entwickelt hatten. Damit gelang es zum ersten Mal, T-Lymphozyten des Typs CD4 – und in einigen Fällen des Typs CD8 – zu identifizieren, die gegen Hypokretin und gegen ein anderes Protein, das in Hypokretin-Neuronen exprimiert wird, reagieren. Diese Immunzellen können demnach jene entzündlichen Prozesse in Gang setzen, die zu neuronalen Schäden führen oder Hypokretin-produzierende Nervenzellen auch komplett zerstören. Das Forscherteam entdeckte zudem die molekulare Wechselwirkung, die zur Hypokretin-Erkennung führt sowie einen möglichen Mechanismus, wie diese autoreaktiven T-Zellen der Immunkontrolle entgehen könnten. Damit wurde bestätigt, dass es sich bei der Narkolepsie um eine Autoimmunerkrankung handelt.

Wie vorausgegangen Studien – unter anderem mit Zwillingen zeigten – lösen sehr wahrscheinlich Umwelteinflüsse die Autoimmunprozesse mit aus. So bricht eine Narkolepsie gehäuft nach Infektionen, zum Beispiel eine Grippe, aus. Die Mechanismen, die beim Verlust von Hypokretin-Neuronen eine Rolle spielen, blieben jedoch bis dato ungeklärt.

Hoffnung auf neue und bessere Therapien für die Narkolepsie

Laut dem Forscherteam, dem auch Immunologen von der Universität Witten / Herdecke in Deutschland angehörten, hat der neue Fund große Auswirkungen auf die Diagnostik und Therapie der Schlafkrankheit. „Wenn wir autoreaktive T-Zellen in frühen Stadien blockieren, können wir möglicherweise den neuronalen Verlust begrenzen und das Fortschreiten der Krankheit verhindern“, stellt Sallusto in Aussicht.

Die Studie werde das Bewusstsein für Narkolepsie schärfen, ist Co-Autor Prof. Claudio L.A. Bassetti von Universitätsklinik für Neurologie am Inselspital in Bern überzeugt. „Unsere Publikation wird auch neue Möglichkeiten für eine frühzeitige Diagnose und für neue Behandlungsansätze dieser stark einschränkenden Krankheit eröffnen“, ergänzt der Neurologe.

Eine Narkolepsie ist äußerst selten. Nur etwa 0,05 Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Daher erfolgt die richtige Diagnose erst sehr spät, was eine zusätzliche Belastung für die Patienten ist.

Foto: pixabay

 

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