. Prostatakrebs-Früherkennung

Urologen kritisieren Kritik am PSA-Test

Am PSA-Test scheiden sich die Geister in pro und contra. Urologen wollen die negative Presseberichterstattung im Zusammenhang mit den AOK-Faktenboxen so nicht stehen lassen. Sie halten die Medien für einseitig gebrieft.
Der PSA-Test sorgt immer wieder für Zündstoff. Medien greifen vor allem die Kritik gerne auf

Der PSA-Test sorgt immer wieder für Zündstoff. Medien greifen vor allem die Kritik gerne auf

Ende Mai hat die AOK ihre ersten „Faktenboxen“ veröffentlicht, um die Gesundheitskompetenz ihrer Versicherten zu stärken. In den Faktenboxen werden Fragen beantwortet wie „Soll ich mein Kind impfen lassen“ oder „Ist es nötig, gleich zu röntgen, wenn mir der Rücken weh tut?“. Eigentlich eine gute Sache. Viele Medien haben das aufgegriffen. In die Berichterstattung ist jedoch auch der PSA-Test zur Prostatakrebs-Früherkennung gerutscht, der in den AOK-Faktenboxen gar nicht thematisiert wird.  

Stattdessen wird zum Beispiel in der Saarbrücker Zeitung oder auf N-TV am 27. bzw. 26. Mai aus einer Veröffentlichung des Harding-Zentrums für Risikokompetenz am Berliner Max-Planck-Institut zum PSA-Test zitiert. Das Zentrum hat das Faktenboxen-Format für die AOK entwickelt und zählt zu den schärfsten Kritikern des PSA-Tests.  

PSA-Test nicht Gegenstand der AOK-Faktenboxen

Bei der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und dem Berufsverband Deutscher Urologen (BDU) löst die Vermischung nach eigenen Angaben „Befremden aus.“ Unter dem Tenor vermeintlich unnützer Früherkennung, teils sogar gefährlicher Untersuchungen werde hier ausdrücklich das Beispiel des PSA-Tests zur Prostatakrebs-Früherkennung genannt, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von DGU und BDU. Dies erscheine nicht zuletzt deshalb fragwürdig, da der Test auf das prostataspezifische Antigen (PSA) gar nicht Gegenstand der elf AOK-Faktenboxen sei.

Kritik üben die Urologen aber nicht allein an den Medien, sondern vor allem an dem Bericht des Harding-Zentrums selbst. Das Zentrum hat auf seiner Internetseite eine eigene Faktenbox zum PSA-Test erstellt und gelangt zu einer negativen Bewertung. Das Zentrum stütze sich in seiner Darstellung von Nutzen und Risiken des PSA-Tests zur Prostatakrebs-Früherkennung lediglich auf eine einzige Quelle, kritisieren die beiden Urologen-Verbände, nämlich auf die Cochrane-Veröffentlichung Nr. CD004720, für die bis 2013 gut 200 potenziell relevante Fachartikel zu Studien - überwiegend aus den Jahren bis 2010 - ausgewertet worden seien.

Urologen sehen kausalen Zusammenhang zwischen PSA-Test und weniger Todesfällen

„Die bisherige Datenlage aus Studien erlaubt bislang noch keine klaren wissenschaftlichen Ergebnisse zu Nutzen und möglichem Schaden der Früherkennung beim Prostatakrebs, weil diese Studien eine Laufzeit von mindestens 15 Jahren benötigen“, so DGU und BDU. Ihrer Ansicht nach hat der PSA-Test zur Senkung der Prostatakrebssterblickeit beigetragen. Seit es den Test in Deutschland gebe, seien 20 Prozent weniger Männer am Prostatakarzinom gestorben, in den USA seien es sogar nach Einführung 35 Prozent weniger Todesfälle gewesen, so die Urologen. Dieser Fakt stünde der Verteuflung des PSA-Tests als reine Geldmacherei der Urologen diametral entgegen.

Foto: © jarun011 - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: PSA-Test , Prostata , Prostatakrebs , Krebsfrüherkennung

Weitere Nachrichten zum Thema Prostatakrebs

| Vom 4. bis 8. September 2017 findet die Themenwoche Prostatakrebs statt, um die Öffentlichkeit über den häufigsten Tumor des Mannes aufzuklären. Fünf Tage lang informiert die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) gemeinsam mit Kooperationspartnern über das Thema Prostatakrebs.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
60-Stunden-Woche für Krankenschwestern, doppelt so lange Wartezeiten beim Hausarzt: Dieses Szenario könnte schon in einem Jahrzehnt Realität werden, wenn das Gesundheitssystem nicht entschlossen reagiert. Schon jetzt ist das Angebot an freien Stellen hier zweieinhalbmal so groß wie der Zahl der Bewerber.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.