Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Urologen halten PSA-Test für sinnvollen IGeL

Montag, 18. Juli 2016 – Autor:
Der IGeL-Monitor bewertet den PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs als tendenziell negativ. Urologen protestieren: Eine wichtige Studie sei nicht berücksichtigt worden.
PSA-Test als Selbstzahlerleistung: IGeL-Monitor und urologische Fachgesellschaften kommen zu völlig unterschiedlichen Einschätzungen

PSA-Test als Selbstzahlerleistung: IGeL-Monitor und urologische Fachgesellschaften kommen zu völlig unterschiedlichen Einschätzungen – Foto: jarun011 - Fotolia

Über den PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs herrscht seit langem eine kontroverse Debatte. Dabei geht es um die Frage, ob der Test Männer vor dem Tod durch Prostatakrebs bewahren kann oder ob er zu Fehleinschätzungen führt. Die einen halten ihn für sinnvoll, die anderen für überflüssig. Der IGeL-Monitor bewertet den Test sogar als tendenziell negativ. Zitat: „Wir sehen weiterhin Belege für einen geringen Schaden.“ Die Hinweise auf einen Nutzen seien dagegen gering. Bei den urologischen Fachgesellschaften hat diese neuerliche Einschätzung des von den Krankenkassen finanzierten IGeL-Monitors einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Daten der PLCO-Studie unterschlagen

Dass der IGeL-Monitor den Bluttest zur Früherkennung von Prostatakrebs tendenziell negativ beurteile, entspreche nicht der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage, schreiben die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) und der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU) in einer gemeinsamen Erklärung. So habe der Monitor die aktuelle Entwicklung bei der PLCO-Studie nicht berücksichtigt, die einen Trend zugunsten des PSA-Tests zeige. „Die Datenlage zum PSA-Test hat sich verändert, nachdem sich mit der US-amerikanischen PLCO-Studie eine wichtige Studie, die gegen den Nutzen der PSA-basierten Früherkennung sprach, kürzlich als fehlerhaft herausgestellt hat“, erklärte DGU-Präsident Prof. Dr. Kurt Miller. Dies müssten auch die Kassen in ihrem IGeL-Votum berücksichtigen.

 

Kassen zahlen PSA-Test nicht zur Routine-Vorsorge

Aktuell gehört der PSA-Test nicht zum Krebsfrüherkennungs-Programm der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Der Test wird von Ärzten darum als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten. Zur Früherkennung des Prostatakrebses bezahlen die Kassen Männern ab 45 Jahren lediglich ein jährliches Abtasten der Prostata. In der S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie des Prostatakarzinoms wird dagegen Männern ab 45 Jahren eine Tastuntersuchung zusammen mit einem PSA-Test empfohlen. Die Empfehlung beinhaltet auch ein ausführliches Aufklärungsgespräch durch den Arzt.

An dieser Empfehlung halte man weiter fest, betonen nun DGU und BDU. Selbstverständlich werde man laufende Studien im Blick behalten, etwa die europäische ERSPC-Studie und die PROBASE-Studie, und Empfehlungen zur Früherkennung weiterhin auf der Grundlage gesicherter Erkenntnisse abgeben, heißt es weiter.

Ob die Argumente der urologischen Fachgesellschaften bei den Verantwortlichen des IGeL-Monitors gehört werden, bleibt abzuwarten. Im vergangenen Jahr hatte der IGeL-Monitor bereits sein Urteil über eine HNO-Leistung revidieren müssen. Derzeit hat das Portal sein Urteil zum Toxoplasmose-Test zur Prüfung vom Netz genommen. Dazu BDU-Präsident Dr. Axel Schroeder: „Dies zeigt, dass die vermeintlich neutralen Voten des IGeL-Monitors keineswegs unfehlbar sind.“

Foto: © jarun011 - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebsfrüherkennung , Prostatakrebs , PSA-Test , IGeL
 

Weitere Nachrichten zum Thema PSA-Test

Bachblüten, Hyaluronsäure-Spritzen oder Glaukom-Früherkennung zählen zu den kostenpflichtigen IGeL (individuelle Gesundheitsleistungen). Besserverdienern bieten Ärzte öfter solche Selbstzahler-Leistungen an. Das zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der TK.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Husten gehört zu den Symptomen einer virale Atemwegsinfektion. Er kann mehrere Wochen andauern und die Lebensqualität beeinträchtigen. Forscher stellten fest, dass ein Extrakt der südafrikanischen Kapland-Pelargonie gegen Husten hilft.

Finden Sie Krebsvorsorge sinnvoll? Ja, sagen 94 Prozent der Deutschen. Nur: Viele schieben sie dennoch vor sich her. Dabei können die Krebsfrüherkennungsangebote der gesetzlichen Krankenkassen viel Leid verhindern und Leben retten.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin