. Prostatakrebs-Früherkennung

Urologen halten PSA-Test für sinnvollen IGeL

Der IGeL-Monitor bewertet den PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs als tendenziell negativ. Urologen protestieren: Eine wichtige Studie sei nicht berücksichtigt worden.
PSA-Test als Selbstzahlerleistung: IGeL-Monitor und urologische Fachgesellschaften kommen zu völlig unterschiedlichen Einschätzungen

PSA-Test als Selbstzahlerleistung: IGeL-Monitor und urologische Fachgesellschaften kommen zu völlig unterschiedlichen Einschätzungen

Über den PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs herrscht seit langem eine kontroverse Debatte. Dabei geht es um die Frage, ob der Test Männer vor dem Tod durch Prostatakrebs bewahren kann oder ob er zu Fehleinschätzungen führt. Die einen halten ihn für sinnvoll, die anderen für überflüssig. Der IGeL-Monitor bewertet den Test sogar als tendenziell negativ. Zitat: „Wir sehen weiterhin Belege für einen geringen Schaden.“ Die Hinweise auf einen Nutzen seien dagegen gering. Bei den urologischen Fachgesellschaften hat diese neuerliche Einschätzung des von den Krankenkassen finanzierten IGeL-Monitors einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Daten der PLCO-Studie unterschlagen

Dass der IGeL-Monitor den Bluttest zur Früherkennung von Prostatakrebs tendenziell negativ beurteile, entspreche nicht der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage, schreiben die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) und der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU) in einer gemeinsamen Erklärung. So habe der Monitor die aktuelle Entwicklung bei der PLCO-Studie nicht berücksichtigt, die einen Trend zugunsten des PSA-Tests zeige. „Die Datenlage zum PSA-Test hat sich verändert, nachdem sich mit der US-amerikanischen PLCO-Studie eine wichtige Studie, die gegen den Nutzen der PSA-basierten Früherkennung sprach, kürzlich als fehlerhaft herausgestellt hat“, erklärte DGU-Präsident Prof. Dr. Kurt Miller. Dies müssten auch die Kassen in ihrem IGeL-Votum berücksichtigen.

Kassen zahlen PSA-Test nicht zur Routine-Vorsorge

Aktuell gehört der PSA-Test nicht zum Krebsfrüherkennungs-Programm der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Der Test wird von Ärzten darum als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten. Zur Früherkennung des Prostatakrebses bezahlen die Kassen Männern ab 45 Jahren lediglich ein jährliches Abtasten der Prostata. In der S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie des Prostatakarzinoms wird dagegen Männern ab 45 Jahren eine Tastuntersuchung zusammen mit einem PSA-Test empfohlen. Die Empfehlung beinhaltet auch ein ausführliches Aufklärungsgespräch durch den Arzt.

An dieser Empfehlung halte man weiter fest, betonen nun DGU und BDU. Selbstverständlich werde man laufende Studien im Blick behalten, etwa die europäische ERSPC-Studie und die PROBASE-Studie, und Empfehlungen zur Früherkennung weiterhin auf der Grundlage gesicherter Erkenntnisse abgeben, heißt es weiter.

Ob die Argumente der urologischen Fachgesellschaften bei den Verantwortlichen des IGeL-Monitors gehört werden, bleibt abzuwarten. Im vergangenen Jahr hatte der IGeL-Monitor bereits sein Urteil über eine HNO-Leistung revidieren müssen. Derzeit hat das Portal sein Urteil zum Toxoplasmose-Test zur Prüfung vom Netz genommen. Dazu BDU-Präsident Dr. Axel Schroeder: „Dies zeigt, dass die vermeintlich neutralen Voten des IGeL-Monitors keineswegs unfehlbar sind.“

Foto: © jarun011 - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebsfrüherkennung , Prostatakrebs , PSA-Test , IGeL

Weitere Nachrichten zum Thema PSA-Test

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
In Europa sind mehr als zehn Millionen Menschen von einer sozialen Angststörung betroffen. Die Ergebnisse der aktuellen Forschungen zur Frage, welche Therapien am besten wirken, haben nun Mediziner der Universität Gießen zusammengetragen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin, Akademisches Lehrkrankenhaus, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.
Kinder, Job – und Reha? Mit der „Berufsbegleitenden Rehabilitation“ passt alles unter einen Hut, meint Christoph Gensch von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Im Interview verrät der Reha-Experte, was es mit dem neuen Modellprojekt auf sich hat.