. Chemotherapie

Urea-Creme hilft bei Hand-Fuß-Syndrom

Das Hand-Fuß-Syndrom kann eine schwerwiegende Nebenwirkung einer Chemotherapie darstellen. Eine Standardprophylaxe gibt es bisher jedoch nicht. Nun haben Forscher festgestellt, dass Urea-Creme dem Hand-Fuß-Syndrom effektiv vorbeugen kann.
Hand-Fuß-Syndrom mit Urea-Creme behandeln

Beim Hand-Fuß-Syndrom kommt es zu schmerzhaften Rötungen und Schuppungen der Haut

Beim Hand-Fuß-Syndrom handelt es sich um entzündliche Veränderungen an den Handinnenflächen und den Fußsohlen. Meistens tritt es als Folge einer Chemotherapie, insbesondere bei Verwendung des Medikaments Capecitabin (Xeloda), auf. Dabei kommt es zu Rötungen und Schuppungen, zudem zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln, Schwellen und Überempfindlichkeiten. Unbehandelt kann das Hand-Fuß-Syndrom zu schweren, teilweise irreversiblen Funktionseinschränkungen führen. Zwar gibt es bisher keine Standardprophylaxe gegen das Syndrom, doch einer aktuellen Studie zufolge stellt eine zehnprozentige Urea-Creme eine sinnvolle Behandlung dar.

Hand-Fuß-Syndrom tritt unter Urea seltener auf

Bei einem Hand-Fuß-Syndrom empfiehlt der behandelnde Arzt meistens eine Dosisreduktion der Chemotherapie; im schlimmsten Fall muss die Therapie sogar abgebrochen werden. Zudem erfolgt meist eine lokale Behandlung mit Feuchtigkeitslotionen, Cremes und harnstoffhaltigen Salben. Welche dabei am besten wirken, ist aber umstritten. Forscher haben nun in einer randomisierten Phase-III-Studie die Wirksamkeit einer zehnprozentige Urea-Creme im Vergleich zu Mapisal, das verschiedene Antioxidantien und Öl-Extrakte enthält, untersucht. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht.

Für die Analyse sollten 152 Patienten mit gastrointestinalen Tumoren oder Brustkrebs, die Capecitabin erhielten, dreimal täglich sowie nach jedem Händewaschen entweder Mapisal oder die Urea-Creme verwenden. Andere Hautpflegeprodukte sollten in diesem Zeitraum an Händen und Füßen nicht angewendet werden. Das Forscherteam um Professor Ralf-Dieter Hofheinz vom Interdisziplinären Tumorzentrum Mannheim konnte zeigen, dass 39,5 Prozent der Patienten in der Mapisal-Gruppe ein Hand-Fuß-Syndrom entwickelten, aber nur 22,4 Prozent in der Gruppe mit der Urea-Creme. Unter der Mapisal-Prophylaxe war der Anteil der Patienten mit Hand-Fuß-Syndrom somit signifikant höher als bei der Verwendung von Urea-Creme.

Hand-Fuß-Syndrom vorbeugen

In beiden Gruppen traten nur selten Nebenwirkungen auf. Insgesamt war die hautbezogene Lebensqualität in der Mapisal-Gruppe signifikant schlechter als in der Urea-Creme-Gruppe. Nach Ansicht der Wissenschaftler hat sich damit die Urea-Creme in der Prävention des Hand-Fuß-Syndroms bei Patienten, die eine Chemotherapie mit Capecitabin erhallten, gegenüber Mapisal als überlegen erwiesen und sollte daher als Prophylaxe empfohlen werden.

Neben der richtigen Hautpflege gibt es noch andere Tipps, die dazu beitragen sollen, einem Hand-Fuß-Syndrom unter Chemotherapie vorzubeugen. Dazu gehört die richtige Kleidung. So sollte auf bequeme Schuhe und lockere Kleidung geachtet werden, raue Stoffe und einschnürende Socken sollten vermieden werden. Zudem sollte es möglichst keinen Kontakt mit Haushaltsreinigern, Spülmitteln, Waschmitteln oder heißem Wasser geben. Auch beim Öffnen von Drehverschlüssen von Gläsern oder Flaschen mit bloßen Händen ist Vorsicht geboten.

Foto: © casi - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Chemotherapie

| Bakterien können nicht nur krank machen, sondern auch die Wirkung einer Chemotherapie beeinträchtigen. Wissenschaftler haben dies jetzt an Gemcitabin nachgewiesen, das vor allem bei Bauchspeicheldrüsenkrebs verabreicht wird.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.