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Unverbrauchte Medikamente: Wohin damit?

Besonders Arznei-Wirkstoffe aus Antibiotika, Verhütungspillen oder bestimmten Schmerzmitteln können die Umwelt schädigen – mit Rückwirkung auf den Menschen. Dabei haben es die Verbraucher selbst in der Hand, alte Medikamente verantwortungsbewusst zu entsorgen.
Hand wirft Pillen-Blister in Mülleimer

Alte Medikamente können Verbraucher in vielen Apotheken zurückgeben oder im Hausmüll entsorgen. Toilette oder Waschbecken sind tabu: Sonst können Arzneiwirkstoffe ins Grundwasser gelangen und der Umwelt schaden.

Rund 30.000 Tonnen Arzneimittel werden in Deutschland pro Jahr verkauft. Von den 2.300 verschiedenen Wirkstoffen stuft das Umweltbundesamt rund 1.200 und damit mehr als die Hälfte als „umweltrelevant“ ein. Ein Großteil der Medikamentenrückstände stammt von eingenommenen Medikamenten: Sie werden nie vollständig verstoffwechselt, im Urin ausgeschieden und gelangen über die Kläranlagen in die Oberflächengewässer. Der zweite Weg: eine gedankenlose Entsorgung. Nach Zahlen der Umweltschutzorganisation BUND wird mindestens ein Drittel der Human-Arzneimittel unverbraucht entsorgt. In einer repräsentativen Umfrage gaben 16 Prozent der Beteiligten an, alte, nicht eingenommene Tabletten in die Toilette zu geben. Bei flüssigen Arzneimitteln – Hustensäfte zu Beispiel – waren es sogar 40 Prozent. Häufige Begründung dafür: dass man die Flaschen dann ins Altglas-Recycling geben kann.

Wenn Rückstände von Arzneimitteln in die Umwelt gelangen, ist das zunächst besonders folgenreich für Lebewesen im Wasser. Als besonders gefährlich gelten hier Hormonpräparate, wie sie bei jüngeren Frauen zur Verhütung oder bei älteren in der Menopause verabreicht werden. Dass männliche Fische und Frösche plötzlich weiblich werden, ist dafür nur ein besonders plakatives Beispiel. Arzneimittel in der Umwelt – dieses Problem schlägt inzwischen aber auch schon auf den Menschen zurück. Die Belastung der Gewässer durch Antibiotika etwa fördert das Wachstum von multiresistenten Keimen. Laut einer EU-weiten Studie sterben aktuell allein in Deutschland etwa 2.300 Menschen jährlich an solchen Erregern.

Verbrauchertipps: So entsorge ich Medikamente richtig

Auch wenn die Entsorgung von Altmedikamenten nicht das Hauptproblem für die Umwelt darstellt: Es ist die Schraube, an der jeder Verbraucher selbst drehen und wo er Verantwortung übernehmen kann. „Grundsätzlich gilt: Unverbrauchte Medikamente können in Schadstoffsammelstellen und in vielen Apotheken abgeben werden“, heißt es in einem Informationsblatt der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA ). „Wird Restmüll kindersicher aufbewahrt und ist bekannt, dass er anschließend verbrannt wird, können Altmedikamente – bis auf wenige Ausnahmen – auch über den Hausmüll entsorgt werden.“ Eine Müllverbrennung soll möglicherweise umweltschädliche Wirkstoffe aus Arzneimitteln deaktivieren. Hier ein paar nützliche Tipps der Pharmabranche:

  • Toilette, Waschbecken oder Spüle sind tabu.
  • Flüssige Arzneimittelreste mit Flasche oder Ampulle in die Restmülltonne geben.
  • Pillen oder Kapsel (in der Blisterverpackung) ebenfalls in den Restmüll, genauso
  • Cremes (in der Tube).

Apotheken sind gesetzlich nicht verpflichtet, alte Arzneimittel zurückzunehmen. Dennoch bieten viele von ihnen laut ABDA einen freiwilligen Rücknahmeservice an und tragen die Kosten für die Entsorgung. Für die Rücknahme von Arzneimitteln gibt es derzeit noch keine bundeseinheitliche Regelung. Eine Internetseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung informiert Verbraucher darüber, wie im jeweiligen Landkreis die Entsorgung von Alt-Arzneimitteln geregelt ist.

 

Kleinere Packungen – weniger Müll

Da ein Großteil der Umweltbelastung durch konsumierte Medikamente verursacht wird, die der Körper nie vollständig verstoffwechselt, gilt ein zurückhaltender Konsum und der Kauf kleinerer Packungen zugleich als bester Umweltschutz. Dies gilt insbesondere für Medikamente, die sich der Verbraucher ohne Rezept in eigener Regie besorgt („Selbstmedikation“).

Foto: Fotolia.de/Bumble Dee

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Hauptkategorie: Medizin
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