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Unterschätzte Gefahr: Alkohol in der Schwangerschaft

Dienstag, 8. September 2015 – Autor: Angela Mißlbeck
Fast jeder Fünfte hält es für ungefährlich, wenn Schwangere ab und zu ein Gläschen Bier oder Sekt trinken. Was viele nicht wissen: Schon geringe Mengen Alkohol können den Fötus so schädigen, dass das Kind mit lebenslangen Behinderungen zur Welt kommt.
Alkohol in der Schwangerschaft ist gefährlich für das ungeborene Kind

Schon ein Glas Wein oder Bier in der Schwangerschaft ist eine Gefahr für den Fötus. – Foto: Rafael Ben-Ari/Chameleons Eye

Bei einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Verbands der Privaten Krankenversicherung stimmten 18 Prozent der gut 2000 Befragten der Aussage zu, dass ein gelegentliches Gläschen Sekt oder Bier während der Schwangerschaft vertretbar sei. Zehn Prozent zeigten sich unentschieden. Immerhin fast drei Viertel (72%) lehnten die Aussage aber ab. Interessant: Den Jüngeren scheinen die Gefahren, die mit Alkoholkonsum in der Schwangerschaft verbunden sind, eher bewusst zu sein als Älteren. Von den 18 bis 24-Jährigen stimmten nur vier Prozent der irreführenden Aussage zu, in der Altersgruppe 55+ waren es dagegen 23 Prozent.

Mehr als ein Viertel der Schwangeren trinkt Alkohol

„Studien zeigen, dass mehr als ein Viertel der Schwangeren zumindest gelegentlich Alkohol trinkt“, so Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die BZgA geht davon aus, dass Unwissenheit und Unkenntnis der schwerwiegenden Folgen zu diesem Verhalten führt. Anlässlich des morgigen Tages des alkoholgeschädigten Kindes wies daher nicht nur die BZgA sondern auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler erneut auf die Gefahren hin.

Patienten mit einer fetalen Alkoholspektrum-Störung (FASD) vergessen mitunter, wie alltägliche Verrichtungen, wie das Zähneputzen funktionieren, oder sie haben kein Empfinden für den angemessenen Abstand zu Mitmenschen. Auch weniger auffällige FASD können mit vielfältigen körperlichen, kognitiven und sozialen Einschränkungen einhergehen. Betroffene sind oft ein Leben lang auf Hilfe angewiesen. Fast jeder zweite Erwachsene mit FASD entwickelt zusätzlich eine Suchtstörung.

 

2000 Kinder pro Jahr mit Fetalem Alkoholsyndrom geboren

Geschätzte 2000 Kinder kommen laut BZgA in Deutschland pro Jahr mit fetalem Alkoholsyndrom zur Welt, mindestens 10.000 Kinder weisen fetale Alkoholspektrum-Störungen auf. „Für die Betroffenen und ihre Familien sind diese Störungen eine große Belastung. Diese ist komplett vermeidbar, wenn während der Schwangerschaft auf Alkohol verzichtet wird“, so Mortler. Sie hält umfassende Informationen und sensible Gesprächsangebote für Schwangere und ihre Partner zum Thema Alkoholverzicht in der Schwangerschaft für notwendig. „FASD ist die einzige Krankheit die zu 100 Prozent vermeidbar ist. Jede und jeder muss wissen, dass bereits ein Gläschen Alkohol in der Schwangerschaft eine lebenslange Behinderung des Kindes verursachen kann. Daher gilt: In der gesamten Schwangerschaft immer Null Promille!“

Für Gynäkologen und Hebammen hat die BZgA ein Praxismodul zur Alkoholfreien Schwangerschaft entwickelt. Es soll konkrete Hilfestellungen für Beratungssituationen und Hintergrundinformationen zu den medizinischen Grundlagen der alkoholbedingten fetalen Störungen liefern.

Die Drogenbeauftragte empfiehlt das neue Buch „Suchtgefährdete Erwachsene mit Fetalen Alkoholspektrumsstörungen“. Es zeigt, wie Diagnostik, Screening-Ansätze und Interventionsmöglichkeiten aussehen können. „Die Behandlung und Betreuung von FASD-Patientinnen und Patienten stellt für alle Beteiligten eine große Herausforderung dar“, so Mortler. Sie hofft, dass das Buch dazu beiträgt, die Versorgungssituation von FASD-Patienten zu verbessern.

Foto: Rafael Ben-Ari – fotolia.com

 

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