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19.11.2020

Unsichtbare Aggreagationskeime könnten Ursache von Alzheimer sein

Es ist eine langsam schleichende Kettenreaktion, die zu einer Alzheimer Demenz führt. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass dieser Prozess bei Mäusen noch viel früher beginnt als bislang angenommen. Biomarker sollen Klarheit bringen, ob dies auch beim Menschen so ist.
Die Ursache von Alzheimer könnte womöglich auf unsichtbare Aggregationskeime zurückzuführen sein

Aggregationskeime sind unsichtbar. Doch sie könnten Ursache von Alzheimer sein - bevor die Plaques sichtbar werden

Alzheimer entwickelt sich über viele Jahrzehnte. Auslöser ist eine fatale Kettenreaktion, bei der massenhaft falsch gefaltete Beta-Amyloid-Proteine im Gehirn entstehen. Die sogenannten Alzheimer Plaques führen erst mit der Zeit zu einem massiven Abbau von Gehirnzellen (Neurodegeneration), so dass in der Frühphase noch keine Demenz Symptome auftreten. Am Ende aber überschwemmen die Eiweißablagerungen regelrecht das Gehirn.

Aggregationskeime setzen bei Mäusen Kettenreaktion in Gang

Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) haben nun herausgefunden, dass die bekannte Kettenreaktion bei Mäusen noch viel früher beginnt. Wie die Forscher im Fachmagazin Nature Neuroscience berichten, setzen in dieser noch früheren Phase winzige, unsichtbare Aggregationskeime die fatale Kettenreaktion in Gang.

Aggregationskeime werden in der Alzheimer-Forschung zurzeit nur über ihre Rolle als Auslöser für diese Kettenreaktion definiert – gesehen hat sie noch niemand. Die Forscher schreiben ihnen eine ähnliche Rolle wie Prionen zu, die zum Rinderwahnsinn und beim Menschen zur Creutzfeldt-Jakob-Krankheit führen: Krankmachende Prionen zwingen ihren richtig gefalteten Artgenossen ihre abnorme Form auf.

 

Es fehlt der Nachweis beim Menschen

Noch ist nicht klar, ob Agrregationskeime auch beim Menschen am Anfang der Alzheimer-Erkrankung stehen. Wäre dem so, könnte man Alzheimer möglicherweise frühzeitig mit entsprechenden Medikamenten verhindern.

Die Forscher um Matthias Jucker haben bereits einen ersten Antikörper identifiziert, der an den Ursachen ansetzt. Es ist der Antikörper Aducanumab, der offenbar die frühen Aggregationskeime erkennt und beseitigt.

Alzheimer-Mäuse, die noch vor dem Auftreten der ersten Proteinablagerungen für lediglich fünf Tage damit behandelt worden waren, wiesen später nur die Hälfte der sonst üblichen Menge an Ablagerungen im Gehirn auf. „Die kurze Behandlung mit Aducanumab hat die vorhandenen Aggregationskeime offensichtlich beseitigt und da die Bildung neuer Aggregationskeime Zeit braucht, werden in den Wochen und Monaten nach der Behandlung viel weniger Ablagerungen gebildet“, kommentiert DZNE-Forscher Mathias Jucker vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) in Tübingen die Ergebnisse. „Das Gehirn der Mäuse war am Ende zu 50 Prozent weniger geschädigt“.

Neue Biomarker und Antikörper gesucht

Wie die Wissenschaftler weiter zeigen konnten, erkennt Aducanumab Proteinaggregate, aber keine einzelnen Beta-Amyloid-Ketten. Sie hoffen nun, den Antikörper nutzen zu können, um diese Aggregationskeime zu isolieren und besser zu beschreiben. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass wir uns mehr auf diese absolute Frühphase einer Alzheimer-Erkrankung konzentrieren und nach Biomarkern dafür suchen müssen. Wir brauchen auch weitere Antikörper, die unterschiedliche Typen der Aggregationskeime erkennen und uns helfen, zu verstehen, wie sie die Kettenreaktion auslösen und wie sie für eine Therapie eingesetzt werden können“, erläutert Neurowissenschaftler Jucker das weitere Vorgehen.

Die neuen Erkenntnisse definieren die Alzheimer-Frühphase bei Mäusen neu. Bislang galt die Phase mit Protein-Ablagerungen aber ohne Demenz-Symptome als frühzeitig, nun ist mit frühzeitig eine Phase ohne Plaques und ohne Symptome gemeint. Damit legt die Arbeit nahe, dass eine an den Ursachen ansetzende Behandlung von Alzheimer noch viel eher beginnen sollte, als es bislang der Fall ist.

Foto: © Adobe Stock/BillionPhotos.com

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Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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