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Uniklinik: Nur noch junge Ungeimpfte wegen Covid auf Intensivstation

Die Covid-Patienten auf den Intensivstationen werden immer jünger: An der Uniklinik Münster sind die Patienten zwischen 20 und 49 Jahre alt. Alle sind ungeimpft und schwer krank.
Jung, ungeimpft und schwer an Covid erkrankt: So sieht derzeit die Situation auf den Intensivstationen des Universitätsklinikums aus

Jung, ungeimpft und schwer an Covid erkrankt: So sieht derzeit die Situation auf den Intensivstationen des Universitätsklinikums aus

Nordrhein-Westfalen hat im Moment die höchsten Inzidenzen. Das spiegelt sich auch in den Krankenhäusern wider. Einblick in die Lage dort gewährte das Universitätsklinikum Münster bei einem Pressegespräch am Donnerstag. „Mit den hohen Infektionszahlen ist auch die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen der Krankenhäuser proportional angestiegen“, sagte der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des Klinikums, Prof. Hugo Van Aken.

Intensivpatienten sind jünger als 50

Dabei fällt auf: Die Patienten werden immer jünger. Laut Van Aken sind sämtliche Patienten, die im Moment auf den Intensivstationen des Klinikums liegen, zwischen 20 und 49 Jahre alt und gehören nur noch selten zu den identifizierten Risikogruppen. „Es handelt sich ausschließlich um nicht-immunisierte Patienten. Die Verläufe sind allesamt schwer – die meisten dieser Patienten brauchen ein ECMO-Verfahren“, berichtete der Klinikchef.

Unter den Intensivpatienten seien auch einige werdende Mütter. Für Schwangere besteht erst seit Donnerstag eine Impfempfehlung, bisher konnten sich die meisten also gar nicht impfen lassen. Studien zeigen: Die Gefahr, dass die Verläufe fulminant werden und infizierte Schwangere intensivmedizinisch betreut werden müssen, ist sechs Mal höher. Das Risiko einer Beatmung sogar 23 Mal größer, als bei Nicht-Schwangeren. Das bestätigte auch UKM-Geburtsmediziner Prof. Ralf Schmitz: „Leider kann Covid-19 bei Schwangeren einen sehr schweren und sogar tödlichen Verlauf nehmen“, sagte er. Auch die Gefahr der Frühgeburtlichkeit steige enorm.

Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Hans-Albert Gehle, plädierte unterdessen für Auffrischimpfungen des Klinikpersonals: „Auch wenn noch kein Impfstoff für eine Booster-Impfung zugelassen ist, können wir hier nicht länger warten und müssen die Drittimpfungen mit den vorhandenen Impfstoffen beginnen", sagte er.  Ärzte und Pflegende seien sonst potenzielle Überträger und könnten natürlich auch selbst erkranken, wenn auch mit leichteren Verläufen.

 

2-G-Regelung für Klinikpersonal gefordert

Van Aken pflichtete ihm bei und sprach sich für eine 2-G-Rgelung in Krankenhäusern aus, wonach nur Geimpfte und Genesene zur Arbeit kommen sollten.  Eine tägliche Testung sei nicht sicher genug, um vulnerable Patienten zu schützen. „Deshalb müssen die Freiheitsrechte des Einzelnen zumindest für die Beschäftigten des Gesundheitssektors dahinter zurücktreten“, machte Van Aken deutlich.

Beide Mediziner appellierten an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen. „Die Gefahr, dass sich im Herbst, wenn wir uns alle wieder überwiegend in geschlossenen Räumen aufhalten, die Ansteckungen abermals vollkommen unkontrolliert ausbreiten, ist immens“, so Gehle.

Außerdem gehen die Experten davon aus, dass sich die Delta-Variante des SARS-CoV-2-Virus als noch tödlicher erweisen könnte als das Ursprungsvirus, wofür es aber nach aktuellen Studiendaten keine Belege gibt.

Foto: © Adobe Stock/ Valerii

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik , Corona
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